27. September: Malaga

Almeria – Malaga. 99,6 Meilen. 5:45 Stunden Fahrtzeit

Gegen halbacht Uhr ziehen wir frisch gestärkt los. Das Zentrum von Malaga liegt praktischerweise genau neben dem Hafen. Man muss nur eine breite Straße überqueren. Und natürlich an diversen Straßenhändlern vorbei. Oh, hier gibt’s ja diese schönen Stufenröcke, die jetzt bei uns auch wieder ganz modern sind. Hätte ich bloß diesen edlen schwarzbraunen Spitzenrock, den ich zu unserer Hochzeit getragen habe, aufgehoben. Wir schlendern vorbei, mal sehen, was es in der Stadt gibt. Da gibt’s wunderschöne Sachen – Preise wie bei uns. Lohnt nicht, in Einkaufshektik zu verfallen. Außerdem schließen die meisten Geschäfte so ganz langsam.

Ein Blick auf die Karte am Anfang der Fußgängerzone zeigt: Egal wo, man langgeht, man trifft sicher auf irgendwelche Sehenswürdigkeiten. Sehenswert ist auch die Straße der Fußgängerzone. Die ist nämlich nicht einfach gepflastert, sondern glänzt wie frisch poliert, kunstvoll wurden Muster verlegt. Welches Material wurde hier verwendet? Sieht aus wie verschiedene Marmorsorten. Von der breiten Einkaufsstraße, über die große weiße Sonnensegel gespannt sind, zweigen kleine Gassen ab. Überall einladende Restaurants, praktisch mitten auf der Straße, effektvoll beleuchtet. Man kann sich gar nicht entscheiden, wo man sich hinsetzen und die laue Sommernacht genießen will. Schließlich landen wir auf dem großen Platz vor der „einarmigen“ Kathedrale, die so heißt, weil sie nur einen Turm hat. Anscheinend sind nur Einheimische da. Jetzt, gegen halbneun, ist noch nicht so viel los. Etliche Mütter mit Kleinkindern fallen mir auf. Ein schlecht gelauntes Baby im Kinderwagen schmeißt alles raus, was ihm in die winzigen Finger fällt. Die junge Mutter sammelt alles wieder ein – das Wichtigste, den Schnuller übersieht sie und ist sehr froh, als ich sie drauf aufmerksam mache.

Der Himmel zwischen den Häusern ist tiefblau und verwandelt sich langsam in ein Tintenschwarz. Keine Sterne zu sehen. Langsam finden sich mehr Leute ein, wieder einmal fällt mir auf, wie kommunikativ diese kleinen beweglichen Zweiertische sind, die man im Ausland so oft sieht. Vor uns drängeln sich sechs junge Leute um einen solchen Tisch herum, während weiter vorn ein paar Tische zusammengestellt werden. Macht längst nicht so viel Aufruhr wie die großen Tische bei uns, ganz zu schweigen von den riesigen unbeweglichen Eckbänken.

Da sitzen wir nun, saugen die Umgebung in uns auf. Tanken viele Stückchen Glück, während wir die Tauben beobachten, die auf dem Sims der Kathedrale herumtrippeln, und der Musik lauschen. Ein schwarzgekleideter junger Mann hat ein Keyboard aufgebaut, mitten unter den Tischen, ein junges Mädchen spielt voller Inbrunst die Geige dazu. Nicht wirklich unsere Musik, aber sie passt so gut hierher und macht den Abend perfekt. Die beiden strahlen auch über alle Backen, als ein Lederjackenmann sie anspricht und ihre Visitenkarten verlangt. Der nächste Auftritt ist geritzt.

Welch herrliche Kulisse. Ich könnte heulen, so schön ist das alles. Welch Gegensatz zu dem Buch, das ich gerade in jeder freien Minute verschlinge „Die weiße Massai“, die von ihrer Liebe und vom Leben im Busch erzählt. Ein Buch, das mich unglaublich fasziniert und ich bin sehr gespannt auf den Film, der gerade in allen Kinos läuft...

Gegen 22 Uhr schlendern wir zufrieden und glücklich zurück. Heute soll’s auf Deck eine Sternenparty geben, gehen wir mal hoch, was da abläuft und schauen uns um, ob wir jemanden kennen. Das Ehepaar, das heute Mittag am Tisch neben uns saß, lächelt uns an. Gemeinsam verfolgen wir das Spiel, das nun am Pool vorbereitet wird. Mehrere Stühle nebeneinander, möglichst viele Nationen werden gesucht. Da sitzen sie nun gespannt nebeneinander, während das Spiel erklärt wird. Drei Damen vom Leitungsteam haben ein paar Suppenkellen in der Hand, zwei andere einen Deckel, während Musik aufgelegt wird. Die Aufgabe ist es nun, sobald man einen Titel erkannt hat, aufzuspringen, sich eine Kelle zu schnappen und auf den Deckel zu klopfen. Die Gemeinheit dabei – Kellen und Deckel werden versteckt, so dass die Spieler/innen ständig suchen müssen. Bringt viel Bewegung für die Spieler mit sich und viel Gelächter bei den Zuschauern, als sich ein harter Kampf unter den Nationen entwickelt und sie sich gegenseitig die Kellen entreißen. Vor allem, als Kristina die Kelle ins Schwimmbecken wirft und ein Spanier, sicher über 50, hinterher hechtet. Mit nasser Hose präsentiert er stolz seine Beute – er hat heute übrigens seinen 25. Hochzeitstag, wie wir später hören. Doch, das Ganze ist wirklich sehr lustig für die, die zuschauen. Ich bewundere die Leute, die den Mut dazu haben – schließlich weiß man ja vorher nie so genau, was auf einen zukommt. Noch ein Drink in der lauen Sommernacht – dann ist es Zeit für das Cabaret in der Showboat Lounge, die wir inzwischen fast souverän finden : )).

Wieder die sieben Profis, die das Abendprogramm bestreiten. Tänzerisch wirklich gekonnt, phantastische Kostüme, schöne Körper, gute Stimmen, zugeschnitten auf das Publikum, das wahrscheinlich in der Mehrheit lieber konsumiert und sich berieseln lässt. Mir persönlich wäre ja was mit ein bisschen Bewegung weitaus lieber.

Es ist schon fast Mitternacht, gleich werden wir ablegen. Also gehen wir nach oben auf Deck. Die Mannschaft ist schon dabei, die Taue loszumachen. Malaga verabschiedet uns mit einer phantastischen beleuchteten Kulisse. Es ist still rundherum, an der Reling viele Menschen, die wie wir vom Winde zerzaust andächtig das malerische Bild betrachten und zuschauen, wie der Kapitän das Schiff zentimeterweise aus dem Hafen manövriert. Mit diesem schönen Eindruck im Herzen, zufrieden und glücklich, gehen wir zurück in die Enge unserer Kabine.


 

 

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