29. September: Ibiza

Gibraltar – Ibiza. 398 Meilen. 23:00 Stunden Fahrtzeit

Von Gibraltar fahren wir heute nach Ibiza, mit 398 Meilen und 23 Stunden liegt die längste Strecke vor uns. Nach dem späten ausgedehnten Frühstück gehen wir an Deck und machen es uns mit Buch und Laptop gemütlich. An jedem Tisch sitzt jemand, bei uns sind noch zwei Plätze frei. Ein dicker Mann knallt seinen Teller auf den Tisch, brummt was auf deutsch und setzt sich, ohne uns eines einzigen Blickes zu würdigen. Seine noch dickere Frau kommt wenig später – das gleiche Spielchen. Als der Tisch daneben frei wird, packen sie ihren Teller wie auf Kommando und setzen sich um. Manche Leute sind schon seltsam hier...

Am Pool ist es laut. Letitia macht eine Sarongverführung. Die ist allerdings wenig aufregend. Sie schnappt sich eine Touristin und knotet das Tuch in ein paar Variationen drumherum. Die erste Version sieht aus, als hätte die Frau eine Windel an. Nicht sehr sexy.

Dann wird das Animationsteam präsentiert. Das setzt sich aus 10 Nationen zusammen.

Jeder trägt einen Luftballon in der Hand, dann marschieren sie in einer Polonaise rund um den Pool. Natürlich werfen sie sich dann auch gegenseitig rein. Das Zusammenleben funktioniert gut, erzählt der deutsche Animateur später Diethard, obwohl man 8 Monate auf engem Raum zusammenlebt. Schwierig sei die Sache mit der Liebe. Natürlich kommt es oft vor, dass sich zwei Animateure verlieben, doch was tun, wenn die Saison zu Ende ist? Sehr schwierig, gemeinsam ein Engagement für die nächste zu bekommen...

Heute gibt’s keinen Ausflug – es ist ja Seetag. Ob das nicht langweilig ist, einen ganzen Tag nur Wasser und Schiff? Ich stelle fest, es ist keineswegs langweilig. Wir genießen den Tag und die Sonne aus vollen Zügen, ergattern zwei Liegestühle am hinteren Deck, direkt an der Reling. Am Pool herrscht Action und laute Musik- hier ist alles ganz still, der Blick aufs Meer ungestört. Wie schön. Kreuzfahrt pur. Friede zieht ins Herz.

Wir treffen unsere Schweizer wieder. „Wir waren heute morgen bei der Trinkgeldbesprechung“, erzählen sie. Es gibt an Bord eine Regelung: Pro Tag und pro Person werden 7 Euro von der Kreditkarte abgebucht. Wer eine Änderung haben will, kann das heute hier kundtun. Offensichtlich haben sich Leute beschwert, das sei zu viel. Das Schiff sei kein Traumschiff und das Essen auch nicht. Stimmt. Wir haben allerdings kein Traumschiff gebucht, das auch einen Traumpreis kostet – sondern ein Schiff der unteren Preisklasse. Die Woche kostet für uns 510 Euro. Nach unserer Meinung stimmt das Preis/Leistungsverhältnis durchaus und das Personal bemüht sich wirklich sehr.

Ich würde ja zu gerne mal das Innenleben sehen, mal einen kleinen Begriff von der Organisation bekommen, die dahinter steckt, dass 1.000 Passagiere und über 300 Mann Besatzung täglich mehrere Mahlzeiten bekommen, die Kabinen zweimal täglich geputzt werden, Hunderte von Passagieren durch die Tagesausflüge geschleust werden. Leider darf man aus Hygiene- und Sicherheitsgründen Küche, Maschinenraum usw. nicht besichtigen.

Am späten Nachmittag ist Land in Sicht. Wie aufregend nach dem langen Tag. Wir stehen an der Reling und beobachten das Anlegemanöver. Wir sind eine halbe Stunde zu spät. Eine Frau empört sich: „ Ich habe den Ausflug voll bezahlt. Entweder legen wir jetzt eine halbe Stunde später ab oder ich will Geld zurück.“ Damit kommt sie natürlich nicht durch.

Wir haben auch den Ausflug gebucht. Schließlich haben wir nur 2 ½ Stunden Zeit und hoffen, mit der Führung die wichtigsten Highlights zu sehen. Mir persönlich wäre es ja viel lieber, wenn das Schiff eine kürzere Strecke fahren würde und man mehr Zeit für die einzelnen Städte hätte, die angefahren werden. Eine Durchsage: „Bitte beachten Sie, dass wir an einem anderen Anlegeplatz landen. Wir sind mitten in der Stadt.“

Hmm, da hätten wir uns den geführten Ausflug vielleicht doch sparen können? Nun ja, wir werden sehen, was auf uns zukommt. Das übliche Verfahren. Alle Nationen treffen sich in der Aquamarine Lounge. Und immer noch braucht es den kurzen Blick auf den Plan, um sich zu orientieren. Die Durchsage, welche Busse für wen reserviert sind. Gegen 19.30 Uhr geht’s los. Es dauert, bis alle Passagiere von Bord quellen. Jeder will zuerst raus. Eigentlich sollen immer erst die Passagiere ausgeschifft werden, die einen Ausflug gebucht haben, doch ich glaube, daran halten sich die wenigsten.

Die Reiseleiterin spricht erstens undeutlich Deutsch und zweitens zu leise. Sie hat wohl noch überhaupt keine Ahnung, wie man eine Tour führt. Wir hingegen hatten keine Ahnung, wie kurz die Wege hier sind. Der Fußweg hoch zur Kathedrale braucht weniger Zeit als der Bus in der Rush hour. Die Reiseleiterin gibt wohl viele Erklärungen ab, aber unverständlich. Schön ist ihr Ausspruch, der flüssig immer wieder kommt: „Guggen Sie mal.“

Ob wir eine kurze oder eine lange „Auswanderung“ haben wollen? Sie meint den Weg nach unten. Lieber eine lange, sagen wir. Die „Auswanderung“ durch das beleuchtete Ibiza an der Stadtmauer entlang ist wirklich schön, vor allem an dem Aussichtspunkt mit dem herrlichen Blick nach oben auf die Kathedrale, und nach unten auf die Stadtmauer, den Hafen und das neue Ibiza. Hätten wir aber auch alleine gekonnt. Zur Stadtführung gehört auch noch ein „guter“ Sangria in einem Lokal direkt am Hafen. Die Leiterin setzt sich zu einer Bekannten an einen Tisch. Die Gruppe sucht sich selbst Plätze, da das Lokal voll ist. Wir finden zu viert einen Tisch im hinteren Teil. Wirklich schönes Lokal. Auch ein schöner Kellner. Von der angekündigten Sangria ist allerdings nichts zu sehen. Sie unterhält sich derweil lebhaft. Da gehe ich dann doch hin. Was wir tun müssten, um die Sangria zu bekommen? Mein Auftauchen hat wenig Wirkung. Nach weiteren zehn Minuten geht Diethard noch mal hin. Und siehe da, sie steht sofort auf und dann kommt auch die Sangria. Hmmm, schmeckt wirklich lecker. Ein Weilchen können wir den lauen Sommerabend noch genießen, dann ist es auch schon Zeit, zurück zum Schiff zu gehen. In meinem Fall eher zu schwanken, da ich keinen Alkohol vertrage und seit dem Frühstück praktisch nichts mehr gegessen habe. Inzwischen ist es fast 22.00 Uhr, das Restaurant hat länger auf. Nach dem Essen gehen wir auf Deck und schauen beim Ablegen zu. Zentimeterweise manövriert der Käptn das riesige Schiff rückwärts aus dem engen Hafen. Viele Passagiere stehen an der Reling und schauen gebannt zu. Eine Weile stehen wir noch da, schauen den Lichtern nach, die in der Ferne verschwinden. Müde und glücklich verziehen wir uns in unsere Kabine.


 

 

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