1. Oktober: Genua

Gibraltar – Ibiza. 398 Meilen. 23:00 Stunden Fahrtzeit

 

Die letzten Stunden auf dem Mittelmeer. Wir suchen uns – bepackt mit Rucksack, Fotoapparat und Laptoptasche wieder ein schönes, einigermaßen windgeschütztes Plätzchen für unsere Liegen. Noch ist es kühl, später wärmt die Sonne die Glieder. Gegen 12 Uhr treffen wir uns nochmal im Speisesaal. Noch ein Kaffee auf dem inzwischen warmen Deck. Die Sonne strahlt auf uns hernieder – ein schöner Abschluss für einen schönen Urlaub.

Schade, wir würden gern noch ein paar Tage bleiben. Das wäre auch gegangen, wie wir inzwischen erfahren haben. Die meisten steigen zwar in Genua ein und aus, aber man kann durchaus auch in einem anderen Hafen die Reise beenden.

Überhaupt gestaltet sich die Anreise sehr unterschiedlich, wie wir hörten. Die meisten sind per Bus gekommen. Die Österreicher starteten Freitag Abends, fuhren die ganze Nacht durch, standen morgens früh in Genua und mussten erst mal den Tag totschlagen bis nachmittags um drei, als so ganz langsam mal die Eincheckerei losging.

Die Ostdeutschen waren teilweise schon am Donnerstag gestartet, hatten unterwegs Nürnberger und Münchner eingesammelt, und freitags eine Zwischenübernachtung gemacht. Der Rückweg hingegen wird in einem Rutsch gefahren – sie rechnen 24 Stunden, bis sie zuhause sind.

Eine Busfahrt wäre natürlich weitaus günstiger gewesen als unser Flug, aber von uns aus gab es gar keinen Bus. Wir hätten mit dem Zug fahren können, aber die Rückverbindung war da sehr schlecht. Es gab auch keinen Direktflug, das Umsteigen in München war auf dem Herflug schon ziemlich lästig, auf der Heimreise ist die Wartezeit kürzer. Allerdings hätte man auch mit dem Auto fahren können und das am Hafen von Genua unterstellen, was problemlos ging. Das haben einige Gruppen gemacht, die nachts losfuhren und sich beim Fahren abwechselten. Auch eine preiswerte Möglichkeit, denn irgendwie steht der Flug plus Transfer zum Flughafen in keinem Verhältnis zu der Woche auf dem Schiff. Der Flug kostete uns 290 Euro pro Person plus 100 Euro pro Person für den Transfer. Die komplette Woche auf dem Schiff inklusive Verpflegung und Shows kostete 510 Euro plus 7 Euro pro Tag und Person als Trinkgeld für die Mannschaft. Dieses Trinkgeld wird übrigens gleich mit der Kreditkarte abgebucht und gleichmäßig verteilt.

Der letzte Abschnitt der Reise beginnt. Es ist kurz vor 14.00 Uhr. In der Terminalhalle entdecke ich Letitia vom Schiff und frage sie, ob es eine Möglichkeit gibt, die Koffer für zwei Stunden hier aufbewahren zu können. Sie verweist mich an eine Kollegin, die sehr freundlich unserem Wunsch entspricht. Bis 17 Uhr ist man da. Na wunderbar. Hoffentlich sind die Koffer auch wirklich nachher noch da...

„Wir haben zwei Stunden, bis wir zum Flughafen müssen. Was kann man in der Zeit tun?“ Die freundliche Dame am Informationsschalter drückt uns einen Plan in die Hand und zeichnet den Hafen ein. „Fahren Sie mit dem Shuttle Bus.“ Der verkehrt alle halbe Stunde, 5 Minuten später kommt er an. Die Fahrt kostet übrigens nichts.

So bekommen wir noch einen kleinen Eindruck von Genua, schlendern durch die Innenstadt bis zum Hafen, treffen unterwegs auch eine Gruppe von der Aquamarine auf Stadtbesichtigung, suchen uns ein schönes Cafe mit Blick auf den Hafen und die Stadt, gönnen uns noch einen leckeren Cafe Latte, schnuppern noch ein Stück Atmosphäre und schlendern besichtigungssatt und zufrieden zurück, vorbei an prachtvollen Gebäuden und Palästen, die teilweise dicht an dicht nebeneinander stehen und in der Enge gar nicht richtig wirken können. Gar nicht so einfach, den Busplatz mit dem großen Springbrunnen wieder zu finden im Straßengewirr. Doch da steht er schon wieder bereit. Unsere Koffer haben wir wenig später wieder in der Hand – doch mit einer gewissen Erleichterung. Noch eine halsbrecherische Taxifahrt. Dann stehen wir vor dem kleinen Flughafen – weg mit dem Gepäck, das gleich wieder nach Frankfurt durchgecheckt wird. Und jetzt? Da oben ins Panoramacafé? Doch das hat zu. Unten gibt’s noch ein Bistro mit Getränken, aber nichts Gescheites zu essen. Zwei Barhocker im ganzen Raum, die beschlagnahmen wir schnell, als sie frei werden. Noch eine Stunde Zeit, die nutze ich zum Weiterschreiben. Um 18.30 Uhr geht der Flug. Gate 5. Boardingtime 18.10 Uhr. Pünktlich um 18.10 Uhr sind wir in der kleinen Abfertigungshalle. Man winkt uns gleich durch. Wir sind die einzigen, die den langen Durchgang zum Flugzeug passieren. Schon ein komisches Gefühl, als wir allein da durchtraben. Der Durchgang führt gar nicht direkt zum Flugzeug, am Ende steht ein Pkw. Wir zögern. Soll der uns zum Flieger bringen? Schließlich darf man doch ein Rollfeld nicht betreten. Doch der Fahrer lächelt und zeigt auf die Propellermaschine 50 m weiter. Hmm, also doch übers Rollfeld rein in die kleine Maschine mit ca. 60 Plätzen, die höchstens zu einem Drittel besetzt ist. Es ist 18.15 Uhr, eine Viertelstunde vor der eigentlichen Startzeit, aber kau sitzen wir, geht’s auch schon los. Mein lieber Mann, das kleine Flugzeug hat einen ganz schönen Drive. Noch ein paar Blicke auf die Stadt, dann sind wir über den Wolken. Anderthalb Stunden dauert der Flug. Lektüre ist im Reisegepäck, die Zeit schnell vorbei. Aussteigen. Mit dem Shuttle zum Terminal. Noch ein Kaffee in der Bar, in der wir bereits auf dem Hinflug waren. In einer Stunde geht’s weiter, die nutze ich nochmal für den Reisebericht, damit Diethard gleich morgen anfangen kann, die neuen Internetseiten anzulegen, die Texte zu übernehmen und die Bilder hochladen kann. Ist ja immer eine Menge Arbeit, die wir aber gerne tun. Weil diese Reiseberichte für uns ein kostbares Stück gemeinsame Geschichte sind und die Erinnerung an die Erlebnisse lebendig halten. Wann immer wir sie lesen, holen wir uns wieder ein Stückchen Glück zurück...

Die Maschine wird aufgerufen, diesmal ist sie knallvoll, der Flug ziemlich holprig durch eine Schlechtwetterfront, unsere Koffer rollen ziemlich als erste vom Band, der Mann vom Flughafentransfer steht schon bereit. Eine gute Stunde später schließen wir unsere Haustür wieder auf. Zuhause. Auch das ist ein großes Stückchen Glück...

 

 

 

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