30. September: Barcelona

Ibiza – Barcelona. 156 Meilen. 9:15 Stunden Fahrtzeit

Um 9.00 Uhr geht’s los. Endlich mal Zeit für ein gemütliches Frühstück. Und prompt sind wir viel zu früh fertig. Während wir uns zur Aquamarine-Lounge begeben, die Durchsage: „Achtung. Entgegen der Planung legen wir mitten in der Stadt an.“ Hmm, zwei Touren standen zur Wahl: Barcelona-Highlights oder Shopping-Tour. Wir haben die Tour „Barcelona-Highlights“ gebucht. Ob es wieder ein Reinfall wird wie gestern Ibiza? Übrigens steht auf der Bordzeitung eine Warnung: „Achtung, Trickdiebe. Bitte auf Wertsachen aufpassen.“

Kaum im Bus, sehen wir auch schon Polizei mit Gewehr und kugelsicheren Westen. Die vergesse ich aber schnell wieder – wir fühlen uns auch in Barcelona sicher. Die Warnung gilt wohl für die berühmte Einkaufsstraße, die Rambla, die wir allerdings nicht besuchen, dahin kommt nur die Shopping-Tour. Offensichtlich werden da wirklich Touristen beklaut, aber das kann in jeder anderen Stadt auch passieren.

Unser erster Halt ist im gotischen Viertel vor der gothischen Kathedrale. Die ist wirklich überwältigend. 28 Kapellen befinden sich darin, in vielen verschiedenen Stilen. Wer daran interessiert ist, findet hier sicher einen reichen Schatz. Völlig überraschend – in einem Seitenarm befindet sich ein großer Teich mit einem Springbrunnen, mit Goldfischen und schnatternden Gänsen, umrahmt von Palmen. „Die Leute kommen mit ihren Kindern her,“ erklärt, die Reiseleiterin. „Die füttern die Gänse und man geht dann auch in die Kirche.“

Übrigens – ein Schild davor zeigt, dass es verboten ist, schulterfrei die Kathedrale zu betreten. Aber was ist mit bauchfrei, frage ich mich. Werden junge Mädels in ihrer normalen Aufmachung so eingelassen? Leider kann ich dieser Frage nicht auf den Grund gehen, es lagern zwar viele Jugendliche mit ihren Rucksäcken auf der Treppe davor, aber die tragen alle eine Jacke, es ist noch nicht so warm.

Neben den Jugendlichen baut eine junge Frau einen Tisch mit Schmuck auf, ein paar phantasievoll gekleidete „lebenden Statuen“ tragen noch die Schminke auf, bevor sie sich unbeweglich auf ihren Sockel stellen. Die Stadt pulsiert, viel junges Leben. Hier gefällt es uns.

Auffallend sind auch hier die vielen Motorräder. Sie haben Extraparkplätze, dicht an dicht stehen sie oft in Zweierreihen in ihren Markierungen. Witzig sieht es aus, wenn Anzugträger mit Krawatte auf den Motorrädern vorbeibrausen. Wir fahren an prachtvollen Jugendstilhäusern vorbei und schönen Läden, zur berühmten „La Sagrada Familia“. Was für ein exzentrischer Bau. Von jeder Seite sieht er anders aus. In dem Autolärm ist die Reiseleiterin schwer zu verstehen. Während ich den Bau bestaune, fällt mir ein Verkaufsstand mit schönen Schals ins Auge. So einen hätte ich wirklich gern. Bloß Zeit hab ich nicht, weil wir gleich weitergehen. Aber wir sind ja nicht in einem arabischen Land, wo man lang rumhandeln muss. Hier steht 6 Euro dran, das geb ich gern aus. In zwei Minuten hab ich das begehrte Teil geschnappt – ich bin sicher, ich werde es lieben – und bin schon wieder in der Gruppe mit dabei. So hab ich das gern und richte meine Aufmerksamkeit wieder auf die „Heilige Familie“. Die Kirche, 1882 begonnen, ist noch immer nicht fertig – 20 Jahre soll der Bau noch dauern – und ist zum großen Teil mit Netzen verhüllt und Kräne schweben über den Türmen. Trotzdem kann man viel von der wahrhaft eigenwilligen Architektur von Gaudi sehen.

Lächelnd schau ich mir auch die beiden „lebenden Statuen“ hier an, die die heilige Familie repräsentieren und eine Menge Geld scheffeln. Die zwei, über und über in Goldbronze, sind aber auch ein wirklich hübsches Paar, das Mädchen hält eine Puppe im Arm. Im Gegensatz zu den anderen Figuren verhalten sie sich nicht starr und steif, sondern zwinkern den Vorbeigehenden zu, zeigen mit der Hand auf den Hut, damit die Passanten Geld reinwerfen und winken sie zum Foto zwischen sich. Es ist viel einfacher, stelle ich fest, an den starr und steif stehenden Figuren weiterlaufen, als bei diesen beiden, die die Leute direkt anschauen und körpersprachlich Kontakt aufnehmen.

Weiter geht’s zum Spanischen Dorf, vorbei an den großen Straßen mit den angeschnittenen Ecken. „Das ist viel übersichtlicher“, meint die Reiseleiterin. Da hat sie recht, es wirkt viel freundlicher und offener und bietet außerdem noch ein paar zusätzliche Parkplätze.

Wir erreichen das Spanische Dorf. Dieses Viertel wurde 1929 für die Weltausstellung gebaut und beinhaltet Beispiele vieler verschiedener Epochen und Stile der spanischen Architektur. Schön, hier durch zu schlendern und so kompakt so völlig unterschiedliche Bauten betrachten zu können. Eine Glasbläserei ist auch dabei, hier bleiben wir hängen und beobachten fasziniert die Männer an ihrem heißen Arbeitsplatz, wie sie Hand in Hand arbeiten, im wahrsten Sinn des Wortes. Einer formt den Rohling und reicht ihn weiter, bis aus einem unförmigen Glasklumpen ein Krug entsteht oder eine Figur. Wir haben den Anschluss verloren, macht aber nichts, der Bus fährt erst in einer halben Stunde. So können wir noch ein wenig in den Läden stöbern, hier gibt’s viel Künstlerisches zu sehen. In einem Laden kaufe ich mir Seidenohrringe, zwei Paar. Schon im Bus stelle ich fest, dass ich das eine Paar vergessen habe, sause zurück, finde den Laden auch wieder – gottseidank sind auch noch andere zu spät, so dass ich als zweitletzte einsteige...

Noch ist der Ausflug nicht beendet – wir fahren am Olympischen Dorf vorbei, wobei man allerdings vom Bus aus nicht sonderlich viel sieht – und dann zu einem Aussichtspunkt, die Reiseleiterin nennt ihn „Bürgermeisters Balkon“. So ein schöner Platz, schwärmt sie. Hier hat man die schönste Aussicht über die ganze Stadt. Sie hat recht. Der Platz ist schön mit seinem Springbrunnen und die Rundumsicht ebenfalls. Barcelona gefällt uns ausnehmend gut. Die Stadt hat Flair, wirkt jung, unkonventionell, heiter. Schade, dass wir so wenig Zeit haben. Hier könnte man gern ein paar Tage bleiben.


 

 

 

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