27. September: Alhambra / Granada

Almeria – Malaga. 99,6 Meilen. 5:45 Stunden Fahrtzeit

Auf nach Granada – zur berühmten Alhambra. Das Schiff hat noch nicht angelegt, durch den Notfall am Tag zuvor ist der Zeitplan etwas durcheinander geraten. In Almeria haben wir nur einen „technischen Stopp“ von einer Stunde. Die Passagiere, die die Alhambra besichtigen wollen, werden ausgeschifft und kommen abends in Granada wieder aufs Schiff, die anderen machen sich einen gemütlichen Tag an Deck oder einen Bummel in Malaga.

Der Wecker klingelt erbarmungslos früh. Diesmal holt Diethard den Föhn. Gott sei Dank hab ich mir abends alles bereit gelegt, in der engen Kabine findet man morgens mit verquollenen Augen nichts. Hoch zum Frühstück. Oh, keine Schlange? Falsch gedacht. Das Restaurant ist erst ab 8.00 Uhr geöffnet. Für die frühen Gäste ist das Lido Cafe auf Deck auf, aber erst auf 7.15 Uhr. Wir stehen bibbernd in der Reihe, bis der Run beginnt. Schon etwas stressig, die Sache mit dem Frühstück. Morgen werden wir gleich unsere Siebensachen mitnehmen, damit man anschließend nicht noch mal in die Kabine gehen muss. Die Wege sind doch weit. Und immer noch müssen wir erst mal einen Orientierungsblick auf den Plan werfen.

Nach dem Frühstück sitzen wir also wieder in der Aquamarine Lounge und werden auf italienisch, französisch, englisch und deutsch eingenordet, welche Busse die unseren sind. Peter aus Holland empfängt uns schon. Der erweist sich als echte Quasselstrippe. Da wir einen gemischten Bus haben – englisch- und deutschsprachige Gäste – teilt er uns alle Informationen sowohl in englisch als auch in deutsch mit. Schon toll, wie man mit so vielen Worten so wenig erzählen kann, grinst der Liebste. Wir fahren durch die Wüste von Tabernas, die einzige Wüste in Europa, hier fallen weniger als 100 Liter Regen pro qm und Jahr (bei uns sind es ca. 1400 Liter). Auf Grund der klaren Luft und der niedrigen Luftfeuchtigkeit kann man hier gut die Sterne beobachten: auf einem Berg sehen wir die bekannte Sternwarte Calar Alto.

Wenig später begleiten uns die teilweise über 3000 m hohen Berge der Sierra Nevada. Im Winter wird’s hier gut kalt – zwischen Dezember und April kann man Skifahren. Wir verschlafen leider Gottes den größten Teil der Strecke, dieses Brummen im Bus und Peters Gerede macht müde.

Pause zwischendurch. Mitten in der menschenleeren Gegend eine riesige Raststätte. Eine halbe Stunde, um zu bestellen und was zu trinken? Ob das klappt? Wir trennen uns. Meine Schlange ist kürzer, ich ergattere zwei Flaschen Wasser – die hätte ich ja auch auf dem Schiff kaufen können, der Tipp stand extra im Prospekt, aber ich hatte es dann doch verpasst und nun ganz schön Durst. Und der Liebste kommt dann doch noch zu seinem Kaffee und das Leben ist wieder schön.

Wieder rein in den Bus. Gegen elf Uhr steigen wir am Parkplatz aus. Allein von der Aquamarine sind 8 Busse unterwegs, die sich in die Alhambra wälzen. Der Name bedeutet „rote Festung“. Geschützt durch eine mächtige Burgmauer steht die einzige vollständig erhaltene islamische Palastanlage weltweit. 6.000 Besucher pro Tag werden durchgeschleust. Der Nasridenpalast mit seinem feinen Ornamentschmuck, seinen kühlen Innenhöfen und sommerlichen Gärten des „Generalife“, des Sommerpalastes, wird als Höhepunkt maurischer Architektur betrachtet und wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, und Andalusien, das legendäre "Al-Andalus", gilt schon seit Jahrhunderten als Brücke zwischen Abendland und Orient, als Wiege des feurigen Flamencos und der leidenschaftlichen Fiestas. Davon bekommen wir natürlich hier nichts zu sehen, dafür haben wir genug Zeit, um dieses wirklich beeindruckende Bauwerk auf uns wirken zu lassen. Untrennbar mit der Alhambra verbunden ist der Generalife, der ehemalige Sommerpalast der Nasriden. Dort taucht der Besucher ein in die arabische Gartenkultur und findet sich umgeben von terrassenförmigen Grünanlagen, Zypressen und Orangenbäumen.

Zweieinhalb Stunden bestaunen wir die Pracht, doch dann knurrt der Magen und plagt der Durst. Auf das Menü bin ich gespannt, wenn so viele Leute auf einmal abgefertigt werden. Doch eine erstaunlich schöne Atmosphäre empfängt uns, schön gedeckte Tische, flinke freundliche Kellner. Das Essen sieht lecker aus, der Geschmack fehlt ein wenig. „15.45 Uhr geht’s weiter. Bus 3.“

Der Marsch durch die Alhambra und den Harem macht wohl müde. Kurze Zeit, nachdem der Bus losgefahren ist, herrscht selige Ruhe im Bus. Anderthalb Stunden haben wir vor uns von Granada nach Malaga. Nach einer Stunde tut Peter wieder seine Arbeit und erzählt von den langen Olivenhainen da draußen. Eine Delikatesse sei es auch aufs Brot. Das Frühstück der Einheimischen bestehe oft aus Brot mit Öl drauf. Sollten wir mal probieren. Sei gut und günstig.

„Malaga ist nur noch 5 km entfernt“, sagt Peter. „Auch wenn man das kaum glauben kann, weil die Gegend noch sehr unbewohnt aussieht.“ Stimmt. Der Hafen ist schnell erreicht. „Oh, Ihr Schiff ist tatsächlich da“, freut sich Peter. Wir auch.

Schuhe aus – welch Wohltat. Ein Kaffee auf Deck, die Sonne strahlt. Überhaupt hatten wir den ganzen Tag ein herrliches Wetter. Nach Malaga gehen? Erst mal einen Kaffee trinken, die Sonne an Deck genießen, ein bisschen lesen, es sich gut gehen lassen, mal schauen, was das Büfett so bietet. Oben auf Deck ist serviert, das ist schöner als im Restaurant.


 

 

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