Donnerstag, 9. November 2006 |
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Dabbawallas an der Churchgate-StationUm 12 Uhr sind wir an der Churchgate Station und bestaunen die große „Henkelmänner-Logistik“. Mehr als 3 Millionen Pendler gibt es in Mumbai, und diese wollen verpflegt werden. Dazu gibt es ein einzigartiges System: Das Essen kommt von zu Hause. Da die Männer schon morgens um 6 Uhr aus dem Hause gehen, haben die Frauen keine Zeit, das Essen frisch zu kochen. Aber Inder legen ausgesprochenen Wert auf frisch gekochtes, richtig zubereitetes Essen mit dem richtigen „Karma“. Das Kochen erledigen die Eherfrauen also bis 8 Uhr morgens und verpacken es in Alu-Geschirr. Dann kommen die ‚Henkelmänner’, dabbawallas genannt und traditionell mit Dhoti und Nehru-Mütze gekleidet. Sie holen diese Gefäße ab, versehen sie mit einem Nummerncode und bringen sie per Rad und Zug zu verschiedenen Bahnhöfen. Dort werden Hunderte dieser Gefäße auf langen Paletten angeliefert, in kürzester Zeit auf verschiedene Fahrräder und Holzkarren verteilt und in der Innenstadt an die dort arbeitenden Männer ausgeliefert. Um 3.00 am Nachmittag wird alles wieder eingesammelt und zurückgebracht. Da Mumbai ein ausgezeichnetes Zugsystem hat – alle 2 Minuten fährt einer – klappt das Ganze hervorragend. Obwohl neun von zehn Dabbawallas Analphabeten sind, geht praktisch nie eine Dose verloren, das kommt nur einmal bei 16 Millionen Fällen vor. Das Vertrauen der Kunden ist also berechtigterweise sehr groß, so kann es durchaus vorkommen, dass die Frauen ihrem Mann auf diesem Weg ein vergessenes Handy oder Dokumente mitschicken.
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Victoria StationNächster Punkt ist die Victoria Station, der Hauptbahnhof von Mumbai. Zur Rushhour ist hier der Teufel los: man muss schon auf die einfahrenden Züge aufspringen, um vielleicht noch einen Sitzplatz zu ergattern. Die Menschen stehen wie die Ölsardinen in den Zügen, die im Minutentakt ein- und ausfahren. Die Mitnahme großer Taschen ist auf Grund der Enge nicht möglich. Es gibt spezielle Abteilungen nur für Frauen, ja sogar teilweise ganze Züge, in denen nur Frauen mitfahren dürfen. Nutan, die diese Züge oft benutzt, erzählt uns, dass hier oft kleine Feiern veranstaltet werden und dass teilweise Frauen im Zug ihr Gemüse putzen, damit sie anschließend das Abendessen schnell auf den Tisch bekommen. Jetzt um die Mittagszeit ist es zwar schon voll, aber doch noch relativ beschaulich. Man bekommt aber zumindest eine kleine Vorstellung davon, wie es zur Rushhour aussehen könnte.
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Möbelhaus und Einkaufszentrum„Was wollen Sie noch sehen,“ fragt unsere Reiseführerin. Kein Tempel, no, lieber irgendwas, wo man einen Eindruck vom normal way of life bekommt. Ein Möbelhaus zum Beispiel. Wo kaufen die Leute ihre Möbel? Nutan ist amüsiert und überfragt. Der Fahrer grinst und fährt los. Tatsächlich, ein Möbelhaus. Allerdings nicht IKEA-like, wie ich es gern gehabt hätte, sondern ein kleines, exklusives, sehr geschmackvoll eingerichtetes Haus mit einer Mischung aus traditionellen Elementen und modernem Stil, und nicht zu IKEA-Preisen. Wie ist es mit einem Einkaufszentrum? Auch ein solches schauen wir an, aber das erweist sich als nicht sonderlich interessant. Nach einem kurzen Mittagessen in einem schattigen Restaurant lassen wir uns zurück ins Hotel bringen. Ich bin noch ziemlich kaputt und müde, so dass ein Mittagsschläfchen ganz willkommen ist.
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Chowpatti BeachAusgeruht und frisch geduscht ziehen wir zu Fuß am späten Nachmittag noch alleine los in Richtung Chowpatti Beach, der in der Nähe vom Hotel liegt. Während die Sonne über dem Meer untergeht, sitzen Hunderte von Liebespaaren und anderen Menschen auf der Kaimauer und genießen des Ausblick und die leichte Abendbrise, während hinter ihnen der Feierabendverkehr vorbeirauscht. Auch wir setzen uns lange auf die Mauer und schauen hinaus auf das Wasser, bis die Lichter der Stadt in der Dämmerung angehen. Wir fragen nach einem netten Restaurant, werden aber nicht wirklich fündig. Daher steigen wir in eines der vielen schwarzen Taxis mit gelbem Dach und lassen uns zu unserem Hotel zurückbringen. 42 Rupien kostet der Spaß, so ca. 75 Cent. Kurz entschlossen gehen wir wieder zu unserer „Stammkneipe“ Leopold. Diesmal gibt’s Chicken with Soja Sauce, und natürlich als erstes eine große Flasche Kingfisher. Oh, tut das gut! Es ist noch nicht 21 Uhr, da fallen uns die Augen zu und wir machen das Licht aus. Das schwüle Klima setzt mir zu, der Magen ist immer noch nicht in Ordnung, ich schlafe wie ein Stein und in dieser Nacht merke ich nichts mehr von der Klimaanlage.
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