Dienstag, 7. November 2006
Grabmal des Haji Ali

Grabmal des Haji Ali

Ein langer, gewundener Betonsteg führt zu einem Grabmal des Haji Ali, das auf einer kleinen Insel liegt, über einen Steg erreichbar. Die Sonne steht schon tief, und offensichtlich ist Ebbe, denn weite Teile rechts und links des Stegs liegen trocken. Heerscharen von Menschen, meist Muslime, sind unterwegs zum Grabmal oder wieder auf dem Rückweg. Es ist ein bisschen wie Volksfest, die Menschen sitzen in der Sonne, teilweise auf den trockenen Felsen und genießen offensichtlich den Abend.

Entlang des Stegs stehen, sitzen oder liegen sie aufgereiht: die Bettler, Blinde, arm- oder beinlose Gestalten, teils alleine, teils in Gruppen, schwenken sie rhythmisch ihre Stümpfe in der Luft und rufen laut und wie Maschinen unaufhörlich ihr „J’Allah“. Es ist schon gespenstisch, aber eher abstoßend als mitleiderregend.

Wir verzichten darauf, das muslimische Grab selber zu besuchen. Ich setze mich einfach mitten in das Getümmel, während Diethard Fotos macht. Auch hier erregen wir wieder viel Aufsehen. Man bestaunt mich, viele lächeln mich an, einige stehen aber auch und gehen weg. „Ist es falsch, wenn man sich als Ausländerin dazwischensetzt, oder bin ich nicht korrekt gekleidet?“ frage ich Nutan. „Nein“, lächelt sie. „Man ist es hier nur nicht gewohnt, dass sich Touristen in die Menge mischen. Normalerweise halten sie sich in ihrer Gruppe auf und versuchen nicht, mit local people in Kontakt zu kommen. Deshalb sind sie erstaunt.“

Viele Menschen klettern nach unten, wo die Ebbe Steine freigelegt hat. Ziemlich rutschig, der Abstieg. Wie die Inderinnen das mit ihren Saris und Badeschuhen machen? Diethard will auch nach unten, um ein paar Fotos zu schießen. Oben, wo die Felsen trocken sind, geht das problemlos, doch weiter unten rutscht er bös aus und landet irgendwo auf den harten Steinen – zum Glück, ohne sich wehzutun, und auch die Kamera hat nichts abbekommen.


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