Dienstag, 7. November 2006 |
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Flug nach MumbaiFrühes Aufstehen ist angesagt, denn um 8:20 geht unser Flieger nach Mumbai, dem früheren Bombay. Frühstück auf dem Zimmer, Auschecken, und schon geht’s ab zum Flughafen, wo wir uns nach gut einer Woche von unserem lieben Ashok verabschieden müssen, der sich für uns weit über seine eigentliche Tätigkeit als Fahrer engagiert hat. Er freut sich sehr über seine Geschenktüte und natürlich ein gutes Trinkgeld. „I will miss you“, sagt er leise und es klingt wirklich ernst. Nicht nur wegen des Trinkgelds – in sieben Tagen, die man zusammen in dieser kleinen Konstellation verbringt, miteinander redet und lacht, entwickelt sich eine ganz andere Beziehung als in einer größeren Gruppe. Für uns ist dieser kleine Einblick in das Alltagsleben, das wir dabei bekommen, und die Kontakte, die sich daraus ergeben, dass wir alleine reisen und somit offen gegenüber anderen Leuten sind, ein großer Teil des reichen Indienerlebnisses. Der Flug dauert eine gute Stunde. Im Anflug sieht man bereits, wie sich die Elendsquartiere der Stadt bis um den Flughafen herum gruppieren. 14 oder 18 Millionen Einwohner hat dieser Moloch, und ein beträchtlicher Teil davon wohnt in diesen Blech- und Holzhütten. Als wir aussteigen, sind hier 26 Grad, und 34 sind für den Tag angesagt. Deutlich feuchter ist es hier, so dass wir zum ersten Mal so richtig ins Schwitzen kommen. Im Flugzeug und im Laufe des Tages noch an zwei anderen Besichtigungsorten treffen wir die deutsche Gruppe wieder, denen wir schon in Jaipur beim Elefantenritt begegnet waren. Sie freuen sich sehr auf zu Hause, so richtig begeistert scheinen sie von ihrem Aufenthalt nicht zu sein. „Sind halt immer die gleichen Leute“, sagt eine, „morgens zum Frühstück, abends zum Essen und zwischendurch den ganzen Tag.“ In Mumbai am Flughafen ist was los. Vor der Sperre werden Dutzende von Schildern hochgehalten. Diethard entdeckt schließlich im Gewirr unseren Namen. Der Wagen steht gleich bereit, die Fahrt zum Hotel dauert fast eineinhalb Stunden. Es ist halbzehn, mitten in der Rush-Hour. Der Verkehr hier ganz anders als in Delhi, Agra oder Jaipur. Breite Straßen, gepflegte Autos. Der Fahrstil ist heiß, kreuz und quer, wo sich gerade eine Lücke bietet. Aber wahrscheinlich kommt man hier mit dem deutschen Fahrstil auch nicht vom Fleck.
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City-TourSchnell die Koffer ins Hotel, dann gehts gleich zur Stadtrundfahrt. Auf das Hotel sind wir neugierig. In der Beschreibung wurde es angekündigt als ein „Boutique-Hotel mit viel Charme, das die meisten Gäste sehr schätzen“. Eine verdächtige Formulierung, finden wir. Das Gordon-House entpuppt sich als schönes Hotel mit viel Stil im mediterranen Ambiente. Wir sind angenehm überrascht. Die Klimaanlage läuft im Raum, es ist angenehm kühl, sie ist natürlich laut, aber zum Schlafen schalten wir sie sowieso immer aus. Ein Blick aus dem Fenster, wunderbar, da ist der Hinterhof, wir sind also geschützt vorm Straßenlärm. Eine hübsche Inderin im Sari sitzt draußen an der Rezeption. „Sind Sie Monika?“ Diesmal haben wir eine Reiseleiterin. Nutan hat auch am Goethe-Institut studiert und spricht ein gutes Deutsch. Auf geht’s zur Stadtrundfahrt. Zuerst halten wir an der Universität, einem typischen Bauwerk aus der Engländerzeit, frisch renoviert. Die ist nur für Prüfungen gedacht, weil es 4 Millionen Studenten in Mumbai gibt. Der eigentliche Lehrbetrieb wird in anderen Gebäuden in der Stadt durchgeführt. Dann besuchen wir einen Jain-Tempel, der völlig anders aussieht als der in Ranakpur. Sehr bunt. Auch hier wieder Gläubige beim Zelebrieren. Solche mit Mundschutz (um nicht versehentlich Insekten einzuatmen) oder mit einem kleinen Besen den Boden vor sich säubernd (um nichts zu zertreten). Jainismus predigt Freundschaft mit allen Lebewesen. Die Jain-Philosophie betont ausdrücklich, dass die Tiere und Pflanzen Seelen haben, auch die Erde, Luft, Feuer und Wasser haben kleine Lebewesen in sich. Alles in dieser Welt besteht aus Seelen und deshalb soll die Menschheit bestrebt sein nicht zu verletzen oder auszunutzen, und alle als Freunde zu betrachten. Gewalt gegen Mitmenschen oder andere Lebewesen ist Gewalt gegen sich selbst. "The love of money is the root of all evil", steht im Tempel geschreiben, auf der anderen Seite hören wir, dass die Jains immer über gute finanzielle Mittel verfügen sollen - woher diese auch immer stammen.
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Der "Hängende Garten"Wir schlendern durch einen groß angelegten schönen Garten, der in der brütenden Mittagshitze ein wenig Schatten spendet. Am hinteren Ende stehen die Türme des Schweigens. Sie gehören zu den Parsen, einer Religion, bei der die Toten weder begraben noch verbrannt werden, weil der Boden nicht verunreinigt werden soll. Sie hängt ihre Toten in diesen Türmen auf, Geier sorgen dafür, dass die Leichen verschwinden. Allerdings, so erklärt Nutan, fallen dabei auch Fleischstücke auf den Boden, und da neben diesen Türmen hier ein großer See zur Wasserversorgung ist, führte das zu größeren hygienischen Schwierigkeiten. Man half sich damit, so verstehen wir Nutan, dass man den See mit den Gärten überbaute. |
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