Montag, 6. November 2006
Jains-Tempel in Ranakpur

Jains-Tempel in Ranakpur

Um 9.00 Uhr geht’s los. Raj hat gestern erwähnt, dass viele Gäste die Kosmetikartikel aus dem Bad einstecken würden, um sie unterwegs zu verteilen. So drücke ich ihm eine Tüte mit diesen begehrten kleinen Schätzen zusammen mit ein paar Kugelschreibern in die Hand. „for the children on the way?“ fragt er. „No, it’s for your family”. Er grinst und untersucht gleich heimlich den Inhalt. Unseren Fahrer Ashok frage ich, ob sich seine Kinder denn über die „gifts“ gefreut hätten. „Yes“, Ma’am“, lächelt er. „Would you like some more pencils?“ frage ich ihn. Die Sonne geht auf auf seinem Gesicht: “Yes, Ma’am”, strahlt er über alle Backen, und ich beschließe, ihm morgen früh zum Abschied noch mal eine schöne Überraschungstüte zu richten.

95 km Fahrt auf schlechten Straßen liegen vor uns, zu einem Jains-Tempel, genannt Ranakpur. Muss wohl was Besonderes sein, wenn man so eine weite Fahrt für einen Tempel unternimmt. Ja, meint Raj, das ist die Strecke zwischen Jodpur und Udaipur. Das war nicht wirklich gut geplant mit dem Flug ab Jodpur, denn Ashok fuhr ja die Strecke mit dem leeren Wagen zurück, während wir für den Flug zusätzlich bezahlen mussten. Aber hätten wir den Flug nicht gehabt, dann wäre uns auch der schöne Zwischenstopp und die Geburtstagsüberraschung in Jodpur entgangen. So sind wir im Nachhinein mit der Entwicklung der Dinge hochzufrieden.

Die Gegend zeigt sich mal wieder von einer ganz anderen Seite. Wir fahren in ein Gebirge, Areveli, über steinige Straßen, es wird viel gebaut, teilweise rütteln wir auf über Sandpisten, es geht über Serpentinen. Ein Indian Tee in einem Restaurant, etliche Kids trinken Cola aus Bechern. Als sie fertig sind, werfen sie einfach die Becher aus dem Fenster. Ja, sagt Raj, das lernen die Kids zu Hause. In den Häusern machen die Frauen immer schön sauber, und den Schmutz werfen sie auf die Straße. Es wird noch viele Jahre dauern, bis sich das ändert.

Wir haben den Jainstempel erreicht. Die Jains, so hat Raj, erzählt, lehnen jede Form von Gewalt ab. So essen sie keine Form von Tieren, tragen einen Mundschutz, damit sie nicht versehentlich ein Insekt verschlucken, essen nichts, was unter der Erde wächst und betreiben keine Landwirtschaft, weil man dabei ja auch Lebewesen vernichtet. Sie sind reich, hören wir, weil sie als Juweliere und Händler arbeiten und den Armen Geld leihen, mit Zinsen natürlich. Keine Gewalt...?

Die Serpentinenfahrt ist zu Ende. Wir sind da. So viele Menschen in the middle of nowhere, schüttelt Diethard den Kopf. Erstaunlich. Der Tempel ist auch erstaunlich. Erbaut aus weißem Marmor, ruhend auf über 1.400 Säulen, von denen jede einzelne anders geschnitzt ist. Das Ganze wirkt hell und luftig, das Dach scheint zu schweben. Wirklich schön.

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