Sonntag, 27. November 2006
Vollmond-Feier am See

Vollmond-Feier am See

Zurück im Hotel. Es ist Zeit zum Abendessen. Wir klettern wieder die drei Treppen hoch zum Dachrestaurant mit dem tollen Blick. Die Sitznische in der Kuppel hätte es uns angetan, aber die ist besetzt. Wir reservieren sie schnell für morgen abend.

Es ist Vollmond. Die heilige Nacht, in der die Inder im ganzen Land kleine Boote aus Papier oder Schilf mit Lichtern bestücken und auf Seen und Flüssen schwimmen lassen. Auch der Höhepunkt des Festes in Pushkar.

Vom Dachrestaurant aus sehen wir, wie nicht weit von unserem Hotel auch Leute dabei sind, am Ufer kleine Schiffchen mit Kerzen zu versehen und auf das Wasser zu setzen. Malerische Bilder in der hereinbrechenden Dunkelheit. Der gerade aufgegangene Vollmond strahlt über dieser Zeremonie.

Wir beeilen uns mit dem Abendessen und ziehen los, über die Brücke, vorbei an Händlern, durch enge Gassen, durch die sich dichtes Verkehrschaosgemisch drängelt aus Autos, Motorrädern und Kühen. Wir überleben tatsächlich und finden die Stelle am Ufer, die wir vom Hotel aus gesehen haben.

Hier sind viele Leute damit beschäftigt, Boote zu basteln, Lichter anzuzünden und die Boote auf die Reise zu schicken und den Göttern zu huldigen. Alte, aber auch jüngere, teilweise still und in sich gekehrt, teilweise aber auch in schnatternden Gruppen. Da es völlig windstill ist, werden die Boote vom Ufer abgestoßen, wollen sich aber doch nicht so richtig fortbewegen. Macht übrigens auch einen ganz schönen Dreck, die Huldigung, mit all den Blüten, die dann rumliegen.

Diethard versucht, die Szenerie mit der Kamera einzufangen. Außer dem Schein der Kerzen und des Vollmonds kommt nur wenig Licht aus den angrenzenden Straßen auf den Platz, so dass es trotz Einstellung der Kamera auf höchste Empfindlichkeit, lichtstarkem Objektiv und Unterbelichtung kaum möglich ist, einigermaßen scharfe Bilder zu machen. Aber zumindest ein paar werden doch was.

Satt von den vielen Eindrücken machen wir uns auf den Rückweg durch die engen, noch immer vollen Gassen. Und kommen noch mit einem gut deutsch sprechenden Inder ins Gespräch, der - was für ein Zufall - natürlich gleich nebenan einen wunderbaren Shop mit Tüchern und Schals hat, und dem es natürlich völlig egal ist, wenn ich doch "nur schauen" und "nichts kaufen" will.

Also gehen wir bei ihm vorbei. Ein jüngeres japanisches Paar ist im Shop, ein herrliches Bild: er sitzt zusammengesunken auf dem Stuhl, müde, hungrig, und sie steht strahlend und energiegeladen mit ihrer "Einkaufsbeute" an der Kasse und zückt die VISA-Karte...

Bei uns bleibt die VISA stecken, und müde machen wir uns auf den Weg ins Udai Kati. Der Spaziergang war noch eine schöne Abrundung eines weiteren ereignisreichen Tages.

 

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