Donnerstag, 2. November 2006
Spaziergang durch's Dorf und Dinner im Fort

Spaziergang durch's Dorf

Vielleicht eine Stunde später liegt Khimsar Fort vor uns. Was für ein wunderschönes Hotel, in eine alte Festung integriert. Ein schönes Zimmer mit breitem Bett, ein riesiges Bad, was für ein Luxus nach beiden Übernachtungen im Zelt. Hier kann ich auch schnell ein paar Shirts auswaschen, in Pushkar hab ich zu spät daran gedacht, und da wir diesmal bereits nach einer Übernachtung weiterziehen, wäre die Zeit zu kurz, um sie in die Hotelwäscherei zu geben, Wir gönnen uns eine ausgiebige Mittagspause, einen Drink am Swimmingpool, wo man uns Stühle und einen Tisch nachträgt, damit wir uns im Schatten niederlassen können. Um 16.30 Uhr sind wir mit Ashok verabredet, der mit uns ins Dorf gehen will. Wir schlendern gemeinsam durch die Straßen. Ist doch immer das gleiche, sage ich zu Diethard.

Der Basar ist kurz. „Weitergehen?“ fragt Ashok. Na klar, wir haben Zeit. So biegt er in eine Seitenstraße ab. Die Leute sind hier wirklich sehr freundlich, übrigens auch sehr hübsch, finden wir. Wir kommen uns ein wenig vor wie der Rattenfänger von Hameln. Bald ziehen wir eine ganze Kinderschar hinter uns her. Wir brauchen Wechselgeld. Im Royal Camp hat man uns den Tipp gegeben, nicht selbst um Wechselgeld zu fragen, sondern den Fahrer zu schicken. Ashok geht wechseln, siehe da, so funktionierts wunderbar..

Beim Wechseln hat er erfahren, dass heute abend hier eine Hochzeit stattfinden soll. Wenn wir wollen, können wir mitkommen. Na klar wollen wir. Eine Frau kommt auf uns zu, sie will uns ihr Haus zeigen. Ashok nickt uns zu. So stehen wir in dem winzig kleinen pieksauberen bunten Wohnraum, sollen Wasser trinken, was wir allerdings vermeiden. Diethard macht Fotos. Unzählige Kids drängeln sich auf den paar Quadratmetern. Ob wir Trinkgeld geben sollen, frage ich Ashok. Der schüttelt den Kopf. Aber Süßigkeiten für die Kinder wären gut.

Die haben wir natürlich nicht. Aber Diethard gibt den Kids einen kleinen Schein und schon stürmt die Meute los zum kleinen Laden an der Ecke. Wir gehen weiter. Winken an jeder Ecke. Ashok geht mit uns in die Moschee. Er genießt die Rolle als Reiseleiter offensichtlich. Wir kommen an einem großen Hof vorbei, wo gearbeitet wird. Berge von weißen Flocken liegen da. „Cotton“, sagt Ashok und geht in den Hof. Er kennt niemand, erklärt er uns später, aber er kann die Sprache, die hier gesprochen wird und damit gehört man dazu. Die Männer und Frauen stellen die Arbeit ein, umringen uns, eine Frau im Sari deutet auf einen Baumwollballen, auf den ich mich setzen soll. Alle lachen, als ich versuche, mich draufzuschwingen und gleich wieder die Balance verliere. Man erklärt uns die Vorgänge, zeigt die Maschinen, wir haben aber nicht das Gefühl, dass sie die Hand aufhalten und Trinkgeld wollen. Im Gegensatz zu Pushkar, wo wir uns eher als lästige Eindringlinge fühlten, denen so viel Geld wie möglich abgenommen werden sollte, fühlen wir uns hier zwar als bestaunte Exoten, aber sehr freundlich aufgenommen. In diese Straßen, sagt Ashok, kommt nomalerweise kein Tourist mehr hin.

Ob ich zur Hochzeit ein Geschenk mitbringen soll? Das wäre gut, meint Ashok, und gut wäre es, die Kosmetikartikel aus dem Hotel mitzunehmen. Die hab ich sowieso schon die ganze Zeit gehortet. Ebenso hab ich die Verpackung des Blumenstraußes eingesteckt, mit dem wir am Flughafen in Delhi begrüßt wurden. Man weiß ja nie, wozu man so was brauchen könnte, nicht wahr? Zum Beispiel für diese Hochzeit. Um 20.30 Uhr sind wir verabredet, in zwei Stunden.

 

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Märchenhaftes Dinner im Fort

Wir gehen schon mal erkunden, wo es das Abendessen in Khimsar Fort gibt. Das ist nun wirklich wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Es ist schon dunkel, Fackeln, Kerzen und Trommelwirbel zeigen uns den Weg. Oben auf dem Fort wird serviert. Die Kellner sind schon da, bringen die Suppe, strahlen über das ganze Gesicht, als ich mich auf Hindi bedanke – dhanyavad.

Ein kleiner Tänzer kommt an, ich tanze mit ihm, er zeigt mir, wie er die beiden Hölzer handhabt, die ein ähnliches Geräusch wie Kastagnetten erzeugen. Ne, nicht so einfach. Wir haben viel Spaß miteinander und genießen das leckere Essen und ein Feuerwerk im Hintergrund. Welch märchenhafte Umgebung. Welch interessanter Urlaub. Wir fühlen uns reich beschenkt, dass wir das alles auf diese komfortable Art erleben dürfen.