Mittwoch, 1. November 2006
Auf dem Kamelmarkt in Pushkar

Auf dem Kamelmarkt in Pushkar

In der Nacht ist es sehr frisch geworden, und das Bett ist etwas klamm, als wir die Augen öffnen. Der Tag heute scheint uns lang zu werden. Außer dem Pushkar Fest gibt es ja hier nicht viel Sehenswertes. Um halb zehn kommt Ashok, unser Fahrer und bringt uns – wieder muss er für seinen Wagen 50 Rupien „Eintrittsgeld“ in die Stadt bezahlen – dorthin, wo wir gestern mit unserem Camel-Kart aufgebrochen sind.

Die Sonne steigt höher, und schnell wird es heiß. Auf dem Festgelände gibt es kaum Schatten. Als erstes gehen wir in das Stadion, soll es doch dort heute irgendwelche Vorführungen oder Tänze oder so etwas geben – genau wissen wir das nicht. Hunderte Inder gemischt mit einigen anderen Touristen stehen unten um ein abgesperrtes Terrain und auf den Tribünen. Hier werden – begleitet von lauten anfeuernden Lautsprecherdurchsagen – besondere Pferde und Kamele präsentiert. Besonders Albino-Pferde sind viel Wert, erfahren wir. Diese und einige Kamele werden von ihren Besitzern dort unten vorgeführt, tanzen und müssen „Männchen“ machen. Das Ganze umringt von indischen Kaufinteressenten, Fotografen und Kameraleuten, dahinter, oft hoch oben auf Kamelen thronend, Touristen mit ihren Kameras.

Wir schauen dem Treiben eine Weile zu. Alle paar Sekunden das vertraute „Hello, Sir“ oder „Hello, Madam“, wenn einer der vielen Händler uns dazu animieren will, Hüte, Taschen, Brieftaschen, Ketten, kleine Schachspiele oder Getränke zu kaufen, oder uns einen Kamelritt schmackhaft zu machen versucht. Sagt man anfangs noch eher freundlich und bestimmt „No, thank you!“, so geht uns das permanente Ansprechen doch zunehmend auf den Wecker, entweder reagieren wir gar nicht mehr, schauen weg, oder machen schon sehr deutlich klar, dass wir nicht die Absicht haben, etwas zu kaufen.

Da unten nur das Präsentieren der Tiere weitergeht und nichts von Tänzen oder Rennen zu sehen ist, begeben wir uns wieder in das Getümmel zwischen den Tausenden von Kamelen, Pferden, Straßenhändlern und Touristen. Es ist alles wie schon gestern, nur noch ein bisschen voller. Zum Wochenende, wenn Vollmond ist und die Waschzeremonien im heiligen See beginnen, muss es dann nahezu unerträglich sein.

Auch Diethards Fotoleidenschaft lässt etwas nach. Über 700 Bilder hat er bereits gemacht, und bis auf wenige Gelegenheiten wiederholen sich die Motive nur noch. Deutlich mehr als am Vortag sind Gruppen von Zigeunerinnen unterwegs, meist jung und hübsch und farbenprächtig herausgeputzt. Aber da ist etwas in ihrem Gesichtsausdruck, was zur Vorsicht mahnt. Gerne präsentieren sie sich vor der Kamera, aber natürlich bekommt man anschließend sofort die Hand aufgehalten. Das macht auf die Dauer nicht wirklich Spaß. Einmal macht Diethard nur kurz aus der dritten oder vierten Reihe eines dichtgedrängten Kreises um eine tanzende Frau einen Schnappschuss, schon werden wir beim Weggehen von zwei anderen umringt, die zornig auffordernd eine Schüssel für’s Geld vorhalten. Als Diethard genervt einen 10 Rupienschein hineinlegt, heißt’s noch „This is not possible“, sie wollen mehr. Stur geradeaus schauend gehen wir weiter und irgendwann geben sie es denn dann doch auf.

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