Dienstag, 31. Oktober 2006
Unterwegs mit dem Camel Kart

Unterwegs mit dem Camel Kart

Dann geht’s los. Ob wir einen Camel Kart – an der Rezeption ist es als „Camel Card“ ausgeschrieben ;-) – mieten oder auf einem Kamel reiten wollen? Reiten will ich nicht, ein Camel Kart ist, wie sich herausstellt, ein gepolsterter Karren mit einem Dach obendrüber. Schaukelt natürlich auch, ist aber trotzdem weitaus bequemer als der Elefantenritt. Wir fahren durch das Lager der Pilger. Wohl ist mir nicht dabei, das alles so hautnah anzuschauen, wie sie hausen. Die meisten wirken sehr fröhlich, natürlich gibt’s auch eine Händlerstraße, und einen großen Rummelplatz mit Schiffschaukel, Riesenrad und sonstigen Kirmesvergnügen. Aussteigen, meint der Guide, wir laufen an den Ständen entlang zu einem Tempel. Schuhe aus. Der Tempel ist klein, aber voll mit Gläubigen, die die Glocke am Eingang läuten. Wir reihen uns ein in die Schlange, tun brav, was der Guide uns sagt, nehmen die Blüten, die wir in die Hand gedrückt bekommen, damit wir sie dann später in den Lake werfen können. Er nimmt uns mit aufs Dach, wo wir einen guten Ausblick über das Gewimmel haben. Zurück. Schuhe an.

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Ein Inder gesellt sich zu uns, wird uns vom Guide vorgestellt, drückt uns weitere Blumen in die Hand, eine Metallschale mit Opfergaben, Reis, Salz, Zucker, Gewürzen, einer Kokosnuss. Bis wir begreifen, dass wir einem solchen „Priester“ in die Hände geraten sind, sitzen wir schon auf den Stufen zum See und er beginnt das Ritual. Unhöflicherweise falle ich ihm ins Wort und frage, was das kosten soll. Konsterniert schüttelt er den Kopf. Gar nichts. Wenn es uns gefiele, könnten wir ja was geben. 1000 Rupien oder 2.500 oder so. Ganz wie wir wollten. Ich will überhaupt nicht. Wenn ich die Relation sehe, dass für einen Ganztagsfahrer empfohlen wird, am Tag 200 bis 600 Rupien zu geben, dann finde ich das eine Unverschämtheit.

Ich streike, während er unbeirrt uns beiden rote Farbe auf die Stirn schmiert, beiden ein Freundschaftsbändchen umbindet und viel Glück für uns und unsere Kinder und unsere Eltern und überhaupt wünscht. Er spricht ein Gebet vor, das wir nachsprechen sollen. Wie viel Geld ihm das denn wert sei, wendet er sich an Diethard. Höchstens 300, meint der trocken.

Unser Priester ist entsetzt. Ob wir denn kein Glück für uns und unsere Kinder und unsere Eltern wollten? Das Geld sei nicht für ihn persönlich, sondern für die „charity“. (10 – 15% der Summe bleiben allerdings wohl doch in seiner Tasche hängen, wie uns der Guide später verrät.) Diethard legt in die Schale 300 Rupien und winkt ab. Nun wendet der „Priester“ sich mir zu, obwohl ich ihm bereits unmissverständlich gesagt habe, dass ich diese Zeremonie nicht will. Er versteht zwar meine Worte nicht, aber meine Körpersprache. Man sieht ihm förmlich an, wie er meinen armen Gatten ob dieser bösen Frau bedauert...

Ob es mir gefallen habe, fragt mich der Jenty, der Guide. Er ist ein sympathischer junger Kerl und muss ja auch von irgendwas leben, sicher kriegt er auch seinen Anteil von der Zeremonie, aber von einem Guide hätte ich eigentlich eher erwartet, dass er uns warnt und nicht noch hinführt.