Samstag, 28. Oktober 2006 |
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Taj MahalUm diese Zeit soll das Licht zum Fotografieren gut sein, meint Sanjay, viel besser als morgens beim Sonnenaufgang, wie es häufig in den Reiseführern empfohlen wird. Da sei es noch zu diesig. Das berühmte Taj Mahal ist nur wenige Autominuten von unserem Hotel entfernt. Der Parkplatz für Autos und Busse ist in einiger Entfernung vom Monument, mit Elektroautos kann man die letzten paar hundert Meter zurücklegen. Bereits am Parkplatz hat Sanjay einen Bekannten getroffen. Diesen schickt er jetzt uns voraus, um Karten zu holen. Und tatsächlich steht eine längere Schlange vor dem Eingang, 20 – 30 Minuten Wartezeit sind hier wohl üblich. Dank Sanjays „Connections“ aber können wir an der Schlange vorbeigehen und kommen direkt hinein. Wir loben Sanjay, der grinst: „Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat.“ Sicherheitskontrollen wie am Flughafen, brav getrennt für Männlein und Weiblein, dann sind wir in einem großen Garten. Rechts ab durch ein großes rotes Tor und dann sehen wir es: das weltberühmte Taj Mahal, errichtet zwischen 1631 und 1648 unter Shahjahan für seine geliebte Frau Mumtaz Mahal, die bei der Geburt des vierzehnten Kindes starb. Ein Traum in weißem Marmor, der über 300 km hierher gebracht wurde, mit einfachen, klaren Proportionen, floralen Dekorationen und arabischen Kalligraphien aus schwarzem Marmor. Im Westen wird das Bauwerk von einer Moschee flankiert, im Osten steht allein aus Symmetriegründen noch einmal das gleiche Gebäude. Es geht eine Faszination aus von diesem vielleicht schönsten Gebäude der Welt. Und das trotz der Tausenden von Touristen, die mit uns hier sind. Es ist fast so etwas wie Volksfeststimmung, wieder sehr viele Inder, einige Bleichgesichter aus Europa und den USA, wenige Japaner, vielleicht Koreaner, aber alle lassen sich von einer feierlich-fröhlichen Stimmung anstecken. Das Taj Mahal bezieht seine tiefe Wirkung nicht zuletzt aus der Symmetrie, die sich überall widerspiegelt. Nur ein Teil entzieht sich dieser Symmetrie, ein Hohn auf den Erbauer: Dieser wurde nämlich letztendlich von einem seiner Söhne gestürzt und später ebenfalls im Taj Mahal beigesetzt. Zwar neben seiner geliebten Frau, aber ohne jedes Gespür für Symmetrie, links neben ihr.
Candlelight-Dinner im RioZurück ins Hotel zum Relaxen und Frischmachen. Die übliche Frage: „Wollen Sie draußen essen oder im Hotel?“ Natürlich draußen. Um 19 Uhr stehen Sanjay und Shankar wieder da. Diesmal geht’s in ein Lokal namens Riao. Ein großer romantisch beleuchteter Garten mit vielen Tischen. Wir lassen uns in einer Ecke nieder und versuchen, bei Kerzenschein die Speisekarte zu entziffern. Man sollte eine kleine Taschenlampe in der Handtasche haben, das wäre durchaus praktisch. Aber mit Sanjays Hilfe steht bald wieder ein leckeres Menü auf dem Tisch, so langsam bekommen wir auch eine Vorstellung, was sich hinter den fremdländischen Namen verbergen könnte. Während des Wartens aufs Essen werden wir von einem Zauberer unterhalten, der von Tisch zu Tisch geht und seine Kunststücke vorführt. One, two, three. Schon oft gesehen, solche Tricks, aber nie verstanden, wie es funktioniert. Wir genießen die schöne Atmosphäre im Garten. Ende Oktober in einer solchen Umgebung draußen zu sitzen, das hat was. „Noch Zeit für ein Bier?“ fragt Diethard unschlüssig. Sanjay lächelt: „Ihr Wunsch ist mir Befehl.“ Schon schön, diese freundliche Art, die glaubhaft rüberkommt. Aber wir sind auch freundlich und nützen das nicht aus. Als Sanjay wenig später einen Anruf von einem Freund bekommt, der sich gerne mit ihm treffen möchte, er ihn aber auf später vertröstet, weil er mit uns unterwegs ist, packen wir unsere Sachen und wollen gehen. Aber Shankar ist nicht da. Die umstehenden Männer wissen, warum. Shankar fühlt sich nicht wohl, er hat wohl was Falsches gegessen und sich übergeben. Sofort steht ein anderer da, der uns zurückfährt. In eher indischem Fahrstil! Da sehen wir doch gleich mal, was wir an Shankar haben. Zum Glück ist er am nächsten Tag wieder okay. |
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