Donnerstag, 26. Oktober 2006
Im Lodi-Park und interessante Gespräche

Lodi-Park

Im Park darf man nicht rauchen. Also das übliche Ritual: Shankar öffnet mir die Tür, Sanjay und Diethard rauchen erst mal eine, ich versuche derweil die Händler zu ignorieren, die mir die üblichen Postkarten, ein paar Halsketten oder ein kleines Schachspiel unter die Nase halten. Sie sind allerdings nicht so aufdringlich wie in Ägypten oder der Türkei. Allerdings habe ich mich auch diesmal innerlich drauf eingestellt und bleibe gelassen.

Der Park ist wirklich schön. Große alte Bäume, gepflegte Rasenflächen, blühende Bougainvillen, kreischende Papageien. Wir schlendern durch, setzen uns auf eine Parkbank, Sanjay erzählt von sich. 35 ist er, einen fünfjährigen Sohn hat er, auch seine Ehe ist arrangiert. Er erzählt uns die näheren Umstände und scheint sehr zufrieden mit der Wahl seiner Eltern zu sein. Nach dem hektischen Trubel in der Stadt ist dieser Spaziergang im Park und die Ruhe sehr angenehm. Wir fühlen uns rundherum wohl und schlendern zurück zu Shankar, der immer die Freundlichkeit bewahrt, auch wenn ihm das Warten doch sicher auf den Geist gehen muss.


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Sightseeing statt Zwangs-Shopping

Auf der Rückfahrt erzählen wir Sanjay, dass wir sehr erfreut darüber sind, dass er uns nicht in Verkaufsläden geschleppt hat. „Das passt nicht zu meiner Auffassung“, sagt er. „Ich bin deshalb sehr froh, dass ich bei Enchanting India bin und das auch nicht tun muss. Aber viele meiner Kollegen sind dazu gezwungen. Sie werden nicht bezahlt und leben nur von Provisionen, wenn sie Touristen in Läden bringen“. Am nächsten Tag hören wir von einem deutschen Touristenpaar, das wie wir zu zweit unterwegs ist, dass ihr Guide sie in mehrere Läden geschleppt hat, was sie viel Zeit kostete und nervte. Beispielsweise war für das Rote Fort nur eine Dreiviertelstunde eingeplant, und anschließend eine Dreiviertelstunde zum Besuch von „Kunst“, obwohl sie dagegen protestierten und schon genug Zeit für Verkaufsläden geopfert hatten. Aber ihr Guide erklärte ihnen, er müsse sie unbedingt hinbringen, dafür bekäme er Provision, auch wenn sie nichts kaufen, und wenn sie nicht hingehen würden, bekäme er vielleicht keinen Job mehr. Blöde Situation. Der Guide steht unter Druck, aber ist es okay, ihn an die Gäste weiterzugeben? Ich bin sicher, ich würde mich in einem solchen Fall auch mitschleppen lassen, aber ärgern.

Wie viel denn ein Fahrer wie Shankar verdiene, wollen wir wissen. Der Monatslohn, so sagt Sanjay, ist sehr niedrig. Ca. 50 Euro im Monat. Und Übernachtungen, so wie in unserem Fall, wo die beiden uns bis Jaipur begleiten werden, muss man vom Verdienst bezahlen. Trinkgeld ist überlebenswichtig.“ Wie viel? Zu der Frage gibt Enchanting India Auskunft in den Unterlagen – für den Fahrer zwischen 100 bis 500 Rupien am Tag, für den Reiseleiter 200 bis 800 Rupien. Wie viel sollen wir geben? 1.000 Rupien sind ungefähr 18 Euro. So ein paar tausend Rupien summieren sich ja ganz schön.

Wir sind zurück im Hotel und haben fast zwei Stunden Zeit. Noch ist Sonne am Swimmingpool. Ein Buch dazu. So kann man es aushalten. Das Leben ist einfach schön...

 

 

 

Abends in Delhi

Was macht ein Reiseleiter abends? haben wir Sanjay gefragt. Der strahlte: „Heute ist ein Cricket Spiel. Ich werde den ganzen Abend fernsehen.“ Shankar interessiert sich zwar auch brennend dafür, aber er muss uns ja fahren. Um 19 Uhr steht er wieder bereit. Wieder stürzen wir uns in den Verkehr, vorbei am schön beleuchteten India Gate, an städtisch anmutenden Straßenzügen, Kinos und Kneipen. Eine große Neonschrift „Splash-Bar“ erregt unsere Aufmerksamkeit. Tatsächlich, Shankar wendet und hält an. Ein schöner Eingang, das Lokal ist weniger schön. Sehr hell, zwei Fernsehapparate dröhnen. Wir schauen uns an. „Na, hier bleiben wir sicher nicht lange.“

Auf der Speisekarte entdecken wir was Bekanntes – Tandoori, und lassen uns vom Kellner noch was empfehlen. Die Bedienungen waren bisher alle sehr freundlich und nehmen sich Zeit. Es dauert eine Weile, bis serviert wird. Und zwar ein Schälchen mit etwas, das aussieht wie kleine Zwiebeln. Sieht nicht nur so aus, sind auch welche. Nach einiger Zeit kommt der Rest. Eigentlich bin ich gar nicht hungrig, aber das Essen schmeckt wirklich ausgezeichnet. Inklusive Trinkgeld 1000 Rupien – also ca. 18 Euro für zwei Personen inklusive Getränk. Deutlich günstiger als im Restaurant Lodhi. Was wir gegessen haben, wollen wir noch mal vom Kellner wissen. Statt der Speisekarte bringt er uns einen kleinen Bierdeckel, auf dem er unsere Bestellung aufgeschrieben hat.

Erstaunlich finden wir, dass wir nach dem Essen schnell und unaufgefordert die Rechnung bekommen. Das Restaurant ist nicht voll, es kann also nicht dran liegen, dass man die Tische braucht. Aber das ist wohl so Brauch, in anderen Lokalen wird das teilweise auch so gehandhabt.

Shankar steht wartend draußen. Offensichtlich bleibt er immer beim Auto, wir haben ja keine Zeit vereinbart, wann wir uns wieder treffen. Für uns äußerst angenehm, für ihn sicher weniger. Weiß er ja nie, wie lange die Gäste wegbleiben und wie lange sie das Nachtleben genießen wollen. Diesmal hört er gerade Radio. Cricket.

Mit uns hat er da Glück. Diesmal sind wir schon gegen halbneun wieder da. Noch ein Drink in der Hotelbar. Da läuft der Fernseher. Cricket. Ein Gitarrenspieler stimmt die Gitarre, die anderen beiden Barbesucher wenden sich demonstrativ von ihm ab und dem Fernsehapparat zu. Er guckt auch sehnsüchtig aufs Bild, während er zu singen beginnt. Song, song, blue. Klasse Stimme. Der Fernseher läuft weiter...