Mittwoch, 25. Oktober 2006
Der Bahai-Tempel

Der Bahai-Tempel

Der Bahai-Tempel liegt vor uns. Wir steigen aus, Diethard will sich eine Zigarette anstecken. „Hier darf man nicht rauchen“, meint Sanjay „Aber nachher, ich rauche auch.“ Zusammen mit vielen Indern schreiten wir durch den Park. Der Bahai-Tempel ist ein wirklich schönes harmonisches Bauwerk, das die Blicke auf sich zieht. Die Saris ringsherum auch. Sie sind teilweise sehr geschmackvoll und die bunten Farben ein schöner Blickfang. Besonders figurfreundlich sind sie allerdings trotz des vielen Stoffes nicht, weil sie aus einem knappen Oberteil bestehen und die kunstvoll geschlungenen Bahnen vorhandene Speckröllchen kaum verhüllen. Hauptsache, Ausschnitt und Schultern sind bedeckt.

Männer mit bunten Beuteln stehen im Weg. Sanjay schnappt sich einen solchen Beutel. Wozu, das erfahren wir gleich. „Sind Sie bereit, die Schuhe auszuziehen?“ Natürlich, bleibt uns ja nichts anderes übrig. Sanjay packt alle drei Paare in den Beutel und verschwindet kurz. Barfuss geht’s weiter. Der Boden ist kalt. Kurz schießt der Gedanke an Fußpilz durch meinen Kopf, aber was soll’s. Wird schon gut gehen.

Die Bahai-Religion, so erfahren wir, gibt es seit 1848. In nur ca. 150 Jahren haben sie eine Weltgemeinschaft aufgebaut, der mehr als 2112 verschiedene ethnische Gruppen in über 360 Staaten, Ländern und Inseln angehören und die einen echten Querschnitt der Menschheit repräsentieren. Es gibt inzwischen sieben gleichartige Bauwerke in verschiedenen Teilen der Welt, auch eines in Frankfurt. Jedes hat eine besondere Gestalt und lädt alle Völker ein, zum Schöpfer des Alls zu beten, unabhängig von Religion- oder Rassenzugehörigkeit. Das indische Haus ist in Form einer Lotusblüte angelegt, darum werden humanitäre und soziale Einrichtungen entstehen wie Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser, Wohnheime für Alte. Wir haben noch nie etwas davon gehört, aber die Grundsätze, die die Einheit der Menschen fordern, die Gleichberechtigung der Menschen und den Weltfrieden, hören sich gut an, auch Auffassung von Baha’u-Illah: „Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt. Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger.“ Ja, wenn das so einfach umsetzbar wäre...

In der Lotusblüte nur eine riesige, lichte Halle. Kein Altar oder ähnliches, und Predigten sind strikt verboten. Nur zu stiller Andacht wird hier eingeladen – zu welchem Gott auch immer.

Wir schlendern zurück, zwischen all den bunten Saris und staunenden Blicken. Diesmal sind wir Weißen die Exoten. Viele drehen sich nach uns um, manche winken, lächeln, rufen Hallo. Die Männer haben es eilig, zum Ausgang zu kommen. Endlich die Zigarette...

Klick auf ein Bild führt zur Bildergalerie