Mittwoch, 25. Oktober 2006
Erste Eindrücke von Delhi

Neu-Delhi – der Start

Im Frühstücksraum des Ambassador ist es kalt. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. Wir frühstücken lieber draußen auf der kleinen Terrasse. Frisch gestärkt und pünktlich finden wir uns an der Rezeption ein und werden schon vom Tourmanager und unserem Reiseleiter erwartet. Der Tourmanager brieft uns. Auf Englisch. Wir verstehen nicht alles, aber doch das meiste. Hinterher stellt sich heraus, dass unser Reiseleiter, Sanjay Singh Rathore heißt er, ein fast perfektes Deutsch spricht. Theoretisch wäre es doch viel besser gewesen, er hätte uns gebrieft, aber vielleicht lässt das die Hierarchie nicht zu?

Jedenfalls versichert uns der Tourmanager, dass bei Enchanting India immer alles well organized sei und wir ihn jederzeit auch mitten in der Nacht wecken könnten. Man glaubt ihm das auch. Soweit wir das bis jetzt beurteilen können, ist wirklich alles well organized. Das galt bereits für die Reisevorbereitungen, wo unsere Fragen immer ausführlich beantwortet wurden und wir geduldig und kompetent beraten wurden. Ebenso für die sorgfältig zusammengestellten Unterlagen, die wir in die Hand bekommen. Es gibt sogar ein Büchlein mit unserer persönlichen Reiseroute, den Hotels und Bildern der einzelnen Stationen.

Sanjay versichert uns, er wird uns die „Rosinen aus dem Kuchen“ zeigen. Wirklich erstaunlich, dieses Deutsch, das mit vielen Bildern und Redewendungen gespickt ist. Auf einem 10monatigen Sprachkurs beim Goethe-Institut in Poona hat er so gut sprechen gelernt, erzählt er uns. Später bekommen wir noch viele Kostproben seiner bildhaften Ausdrucksweise, die uns begeistert.

Unser Fahrer, Shankar, steht schon bereit. Vor dem hektischen Verkehr und der indischen Fahrweise hat man uns gewarnt, das sei sehr gefährlich. „Unsere Fahrer sind sehr gut und fharen vorsichtig. Darauf achten wir sehr“, hat man mir bei enchanting india gesagt.

Tatsächlich, Shankar erweist sich als umsichtiger Fahrer, der genügend Abstand hält und mit viel Fingerspitzengefühl millimetergenau rangiert. Wir fühlen uns sicher bei ihm, während draußen der Verkehr chaotisch und kaum nach erkennbaren Regeln tobt.

Der Kampf ums Kleingeld

Wir brauchen Geld. Im Hotel wollen wir nicht wechseln, weil der Kurs dort im Allgemeinen schlechter ist. Also in eine Thomas-Cook-Wechselstube. Shankar steuert ein Hotel an, aber die Wechselstube ist umgezogen. „So ist das hier“, lächelt Sanyai, „immer ändert sich etwas.“ Nach kurzer Fahrt finden wir sie. Sieht aus wie eine kleine Bank. Ein Türöffner hält die Tür auf. Vier Angestellte, westlich gekleidet, voll beschäftigt. Dauert seine Zeit, bis die Daten eingetippt, alle Fragen beantwortet und alle Fotokopien gemacht sind. Die Chinesin neben uns kennt ihr Hotel nicht. „Ein großes weißes Haus“. Keine sehr präzise Beschreibung in einer 12-Millionen-Stadt. Der Angestellte grinst, wir auch.

„Bitte kleine Scheine“, verlangen wir. Das Mädchen hinter dem Schalter zuckt die Achseln. Wir bestehen darauf, das Problem mit dem Trinkgeld und der Kampf um kleine Scheine ist uns aus anderen Ländern her wohl bekannt. Das Mädchen fragt den Mann am Nachbarschalter, der hat auch nichts. Sanjay greift ein. Siehe da, plötzlich geht’s und Diethard stopft den großen Umschlag in die Fototasche.

 

 

Der indische Verkehr

Ein merkwürdiger intensiver Duft liegt in der Luft, den wir zuerst nicht einordnen können. Räucherstäbchen, werden wir aufgeklärt. Stimmt. Wir steigen wieder in unsere fast neue, komfortable, klimatisierte Toyota-Limousine.

Noch ist es draußen relativ ruhig, doch je weiter wir stadteinwärts kommen, umso mehr setzt der Rush-Hour-Verkehr ein. Horden von grün-gelb verrosteten, mit Menschen vollgestopften Autorikschas brausen an uns vorbei und um uns herum. Dazwischen viele Männer mit Helmen auf Mopeds, manche auch mit Krawatte und umgehängter Laptoptasche, ebenso Fahrräder mit angehängten voll beladenen Holzkarren. Die vollgestopften Busse, bei denen oft auch Menschen auf dem Dach transportiert werden, sind sehenswert, teilweise ebenso bunt wie verrostet, oft mit Girlanden geschmückt, die als Glückbringer angesehen werden. Einem Bremsencheck oder einer Motorwartung würde ich persönlich mehr vertrauen, aber TÜV gibt’s hier nicht, ebenso wenig wie die Versicherungspflicht.

Vorbei geht’s an Brücken, unter denen man ab und zu Bettler sitzen sieht auf einer Decke und ein paar Tüten neben sich. Manchmal liegt im Grünstreifen ein schlafender Mann. Auf dem Gehsteig sieht man zwischendurch Barbiere, die gerade einen Kunden rasieren.

An der Ampel klopft manchmal eine Bettlerin mit einem Kind auf den Arm an die Fensterscheibe. Wirklich schwierig, den flehenden Blicken zu widerstehen, aber nötig. „Wenn Sie Geld geben, sind Sie umringt von einer ganzen Traube. Da haben Sie Schwierigkeiten, loszukommen. Und die Regierung möchte das nicht, wenn die Touristen Geld geben, fördert das das Betteln.“

 

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