Mittwoch, 31. März 1999

Ein voller Tag / Teil 1
Tunis

 

Früh aufstehen, um 5.45 Uhr klingelt der Wecker. "Keinen schönen guten Morgen", krächzt unsere Tochter auf unseren entsprechenden Gruß, während sie sich dem Notfrühstück widmet. Die anderen beiden kommen auch wenig dynamisch dahergelatscht.

Der Bus ist pünktlich, fährt von Hotel zu Hotel, um alle einzusammeln. Heute soll es ziemlich warm werden. Ein Wetterchen wie gemalt für einen Ausflug. Der Reiseleiter spult viele Zahlen ab. Interessant zu hören und doch gleich wieder vergessen. Nach einer Stunde rollen wir in Tunis ein.

In den Vororten die typischen verschachtelten Häuser mit Flachdächern, teilweise verputzt, dazwischen Ruinen, Wäsche flattert, dabei sehen diese Stätten oft eher unbewohnbar aus. Rostige Bagger und Baugeräte liegen rum. Dann bekommt das Ganze langsam eher städtischen Charakter.

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Kathedrale von Tunis

Der Reiseleiter ist ein erfahrener Mensch. Wir müssen vielleicht 20 Minuten laufen, bekommen dann zwei Stunden "freien Auslauf" in der Altstadt und sollen pünktlich wieder vollzählig erscheinen, denn dann geht's weiter zum Museum...... Als Gedankenstütze belehrt er uns: Das Museum heißt Bardo-Museum. Nicht vergessen, wie Brigitte Bardot. Einfach mit dem Taxi dahinfahren, wenn der Bus schon weg ist."

Tja, die Gedankenstütze funktioniert....

Die brave Touristenhammelherde trabt hinter dem Führer entlang auf der breiten Avenue de France vorbei an wunderschönen Blumenmarkt, gesäumt von einer ganzen Reihe von Schutzputzern. Einer nach dem andern hockt da und bietet dieselbe Dienstleistung an. Zwischendurch sitzen welche da mit einer Personenwaage.

Vor der Altstadt trennen wir uns und tauchen einzeln ein ins Gewühle. Ist aber nicht toll, das Gewühle. Die Händler in Tunis sind bekannt dafür, dass sie Touristen weitgehend in Ruhe lassen. Ja, manchmal fühlen wir uns sogar fast mißachtet. Das Warenangebot wie überall: bestickte Schuhe, Lederkissen, Pantoffeln, Sportschuhe, Gewürze, Klamotten, Unterwäsche, Straßen mit goldglitzerndem Geschmeide.... Man erkennt doch schon eine gewisse Systematik im Angebot.

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Es ist noch früh, die Händler noch nicht so ganz wach. Großputz wird mancherorts veranstaltet - mittels einer Sprudelflasche, aus der ein bißchen Wasser in den Laden geschüttet und mit einem Lappen großflächig verteilt wird. Die Läden sind recht groß und übersichtlich aufgeräumt eingerichtet, mit richtigen Regalen, gut beleuchtet. Nur noch vereinzelt die ganz alten typischen Kramecken. Ein alter Mann sitzt am Tresen und zählt sorgfältig seine Arzneitropfen ab. Inmitten der Souks ein unvermuteter Anblick - ein Bankautormat. Svenja ist eher ängstlich, ob wir da jemals wieder rausfinden. Ich drängle, dass wir nicht zu spät kommen. Aber wir haben viel Zeit. Und wenn nicht - wir müssen ja bloß zu Brigitte Bardot fahren - oder war es Claudia Schiffer...?

Svenja erhandelt mit meiner Hilfe stolz ein kleines Kamel. Von fünf Dinar auf drei. Beim Abflug begegnen wir ihm im Flughafen für zwei Dinar - ohne zu Handeln...

Zurück zum Bus. Polizistinnen regeln den Verkehr, elegant mit ihren weißen Stulpen. Hupen quieken und quäken. Wir schlendern noch vorbei am Habib Bourghiba-Denkmal, da ist dann schon unser Bus. Bus Nr. 1.

Die Fahrt ist nicht lang zum Bardo-Museum. Müde hängen wir in den Seilen. Ein Kaffee wäre jetzt schön. Doch das Museum ist sehr beeindruckend. Die größten gut erhaltenen Mosaiken sind dort ausgestellt. Reich verzierte Stuckdecken, Mosaikwände, soweit das Auge reicht. Die Fotoapparate dürfen wir mit reinnehmen, kostet aber einen Dinar Gebühr.

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Mosaik von Vergil mit zwei Musen

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