Dienstag, 30. März 1999

Ausflug nach Hammamet

 

Das Wetter wird besser. Schön. Wir begeben uns zum liebgewordenen Frühstücksritual, verschlafene Kindergesichter folgen bald. Heute ist der Hauptanreisetag, da fallen verschiedene Dinge aus, z.B. Aerobic. Morgen fällts auch aus für mich, denn da sind wir unterwegs auf dem Ausflug.

Der Vormittag füllt sich wieder mit Tischtennisspielen, Lesen, sich-von-der-Sonne- bescheinen-lassen. Und schon ist es Zeit zur Massage, die gibt es unten im Hotel, neben dem Fitneßraum, Hallenbad und dem Friseur. Zwei Liegen stehen da, ein Masseur, eine Masseuse. Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien die beiden sich die Touristen aufteilen. Ich lande jedenfalls auf seiner Liege. Versuche ihm klarzumachen, dass er da oben an der rechten Schulter so richtig schön fest die Verspannungen wegmassieren soll. Aber die Kommunikation klappt nicht so richtig und so paßt er ganz arg auf, dass er die fragliche Stelle möglichst wenig berührt.

Nach dem Mittagessen sind wir verabredet mit den Kids zur Fahrt nach Hammamet. Wir als "alte Hasen" werden ihnen die Altstadt zeigen. Wir fahren mit dem "Bähnel". Ein grausames Tuckergefährt, offen, blau angestrichen, gibt’s auch in pink Ausführung. Zuhause in Herxheim verkehrt an Sonn- und Feiertagen auch so ein Ding, da würden wir im Leben nie auf die Idee kommen, mitzufahren.

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Schlafende Katze im Altstadt-Fenster

Die Kids protestieren, aber Diethard hat schon die Tickets gekauft. Die sind nicht mehr inklusive, sondern - gemessen am Standard - nicht grade billig. Satte 40 DM für uns fünf. "Peinliches Teil", schimpfen die Kids. "Da setzen wir uns nicht rein. Da drin kommen wir uns vor wie die Affen im Zoo."

Tun sie aber doch und los geht's. Noch mehr Leute sitzen in dem "peinlichen Teil". Saukalt ist es da drin, was Wunder. Stoßdämpfer gibt’s auch nicht. Die Bandscheibe läßt grüßen. Nach kaum 20 Minuten oder so tuckern wir dann in Hammamet ein. Also berauschend ist die Einkaufsmeile da nicht gerade. Der Verlockungen sind wenige.

Das Hammelfest ist vorbei, die Läden geöffnet, die Anreißer draußen sind touristenbereit. Der einzige allerdings, der nach unseren Beobachtungen Geschäfte macht, ist der gebrannte-Mandeln-Verkäufer am Eingang der Altstadt. Ungestört durchlaufen, das Angebot prüfen ist nicht, wie immer in solchen Märkten. "Du Deutscher? Woher du kommen?". Ich antworte regelmäßig mit "Du Tunesier? Kaufen wollen? Ist dein Glückstag heute, nur ein Dinar" und halte meine angefutterte Tüte Mandeln hin. Das führt regelmäßig zu einem Grinsen und zur erhofften Ruhe.... bis 20 m weiter der nächste Händler im Wege steht.

In den Gassen der Altstadt ist es ruhig, ganz ruhig. Nur ein paar Touristen verirren sich darin. Katzen sonnen sich faul und träge in den blauen Gitterkästen vor den Fenstern. Plötzlich sind unsere Kinder weg, nicht mehr zu sehen. Wir finden sie auf einem Grundstück inmitten von Bautrümmern, fasziniert-vertieft in den Anblick zweier ungerührt kopulierender Katzen.

Im Brauhaus - so heißt ein Lokal mit Dachterrasse gegenüber der Altstadt - wollen wir uns von den Strapazen erholen. Doch der Wind pfeift kühl übers Dach. Wir flüchten an ein richtig windgeschütztes Plätzchen nahe der Hauswand. Da ist es dann schon wieder fast zu heiß.

Ein wunderschöner Blick bietet sich uns über den Golf von Hammamet und die Festung gegenüber, weiße Dächer, Kuppeln aus dem Altstadtlabyrinth. Eine lange Beerdigungsgesellschaft schiebt sich durch die Straßen. Motorenlärm dringt herauf. Verhaltenes Hupen, Mopeds, Busse, dazwischen quietschen Bremsen. Palmen wiegen sich im Wind und dahinter glitzert das Meer vor der Gebirgskette.

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Am Strand von Hammamet

Um fünf fährt das Bähnchen zurück. Steifgefroren klettern wir heraus. Ich geh erst mal ins Bett - auftauen. Heute abend sind wir beim Italiener verabredet, mit Christin natürlich.

Die Umgebung beim Italiener ist schön, das Essen naja. Wir sind aber auch inzwischen schon relativ gut genährt. Wir haben nette Tischgesellschaft, die Kinder sind schon längst wieder entschwunden. Der Wein schmeckt. Für meine Verhältnisse trinke ich viel und habe Mühe, würdevoll den Saal zu verlassen. Ich brauche ein Bett. Aber dringend.

Diethard ist schon ausgezogen, da klopft es an der Tür. Energisch, fordernd. Svenja steht draußen, Christin im Gefolge, beide hell empört. – Der Schlüssel natürlich. Schon wieder. Der Schlüssel steckt also noch im Zimmer, kriege ich mühsam mit. Und an der Rezeption haben sie gesagt, funkeln mich die beiden an, "da haben sie gesagt, sie hätten keinen Schlüssel und sie könnten nicht aufmachen und wir sollen halt warten bis morgen früh, bis die Putzfrau kommt und dann können wir wieder rein."

Der Gatte ist nicht mehr verfügbar, also muß ich ran. Und seltsam - kaum rausche ich an, verschwindet schon einer hinter der Rezeption und schickt jemanden mit Universalschlüssel. Svenja und Christin sind sauer, weil sie nicht beachtet wurden. Aber ein Gutes hatte das Ganze doch. Christin durfte ein bißchen länger aufbleiben als sonst, um das gefährliche Schlüsselabenteuer mit Svenja durchzustehen.

Und ich darf jetzt endlich ins Bett. Wie schön!

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