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Dienstag, 22. Dezember 1998

Halbtagestour auf Djerba / Teil 2

 

Zurück zu den Jeeps. Völlig durchfroren und kulturgesättigt klettern wir hinein. Noch ein letzter Stop auf einem Markt im Töpferdorf Guellala. Wir werden in einen Hof geführt. Überall hängen Bilder von prominenten Besuchern und Zeitungssausschnitte. Der Besitzer, so hören wir, hat die tunesischen Töpfereien in der ganzen Welt bekanntgemacht, in Europa, Amerika, Asien. Die Töpferscheibe ist in Aktion, in Minutenschnelle wird aus einem Tonklumpen ein eleganter Krug. Und in Sekundenschnelle wird er wieder kaputtgemacht. Bloß Demonstration. Ringsherum im Hof lagern die vielen getöpferten, gebrannten, bemalten Stücke. Darf man kaufen. Doch der Verlockungen sind, wenigstens in unseren Augen, wenig. Und was tun anschließend mit den schweren Dingern? Und so ganz paßt’s dann doch nicht zuhause in das heimische Ambiente. Aber ein Klo entdecken wir. Hinten im Hof, wie erwartet, so eine wenig einladende französische Stätte, die man ganz schnell wieder verläßt und vorher tunlichst die Lungen noch mit einer Prise Frischluft füllt. Aber was hilfts: Wat mut, dat mut.

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Wir schlendern weiter zum Markt. Bunte Gestalten laufen da herum auf diesen Märkten. Wirken für uns wie verkleidet. Die einen mit der traditionellen braunen, 5 m langen, Decke bekleidet. Sie wird einfach drumrumgewickelt, hat vorne in der Mitte eine Befestigung durch eine Kordel, scheint aber auch ständig mit einer Hand festgehalten werden zu müssen. Die traditionelle Bekleidung seit 3000 Jahren, scheint mir zwar warm, aber doch unpraktisch zu sein. Dann gibt’s noch die modernere Version, ein richtiger Schnitt, mit Kapuze und, dank eines Reißverschlusses, herausnehmbaren Ärmeln. Dazwischen wuseln Adidas-Trainingsanzüge und ganz normale Windjacken herum.

Besonders beeindruckend: An den Ständen, an denen es Kamelfleisch gibt, hängt als unmißverständliches Zeichen ein Kamelkopf aus. Ein wenig schaudert es uns dabei schon...

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Unser Reiseleiter kauft noch eine Tüte Süßigkeiten, klebrig-honig-banane-Stücke. Wir dürfen alle mal. Schmeckt ganz gut, aber erzeugt eklig-klebrige Finger. Krieg sie fast nicht mehr auseinander.

Wieder rein in den Jeep, am Ende der Ortschaft steigen wir nochmal aus. Der Imam betet. Es ist bald dunkel. Der Reiseleiter erklärt uns: "Wenn das Gebet zu Ende ist, rennt alles aus der Moschee. Die Leute haben es dann ganz furchtbar eilig und in wenigen Minuten sieht man überhaupt niemand mehr auf der Straße. Dann können wir ganz schnell fahren, ist keiner mehr unterwegs". Recht hat er, wie wir bald feststellen.

Vorher aber zeigt er uns noch, wo die Dorfbewohner ihre Krüge brennen und aufbewahren. Keine Dekoration, sondern lebensnotwendige Vorratsbehälter. Für Getreide, Gemüse, Tintenfische. Diese Tintenfischkrüge haben unten ein Loch. Die Tintenfische fangen sich im Krug, und unten läuft das Wasser raus. Sonst wär’s ja zu schwer beim Hochhieven. Die Eier indessen sind so groß, dass sie im Krug bleiben.

Tja, das war‘s. Vier randvolle Stunden, es geht zurück ins warme Hotel. Ich verkrabble mich gleich in die schöne heiße Badewanne und lasse es whirlen. Blöder Nebeneffekt dabei. Durch das Gewhirle bläst und plustert sich der Schaum auf, so dass die Wanne überzulaufen droht. Der Gatte informiert sich derweil über TV, was die Welt so bietet und die Wetterkarte für die nächsten Tage verheißt.

Das Abendessen ruft. Die Gesellschaft ist gemütlich. Wir bleiben so lange sitzen, bis das Abendprogramm ruft. Playback-Show. Naja, denken wir, wird nicht so toll. Aber da haben wir uns getäuscht. Neben bekannten Musicalmelodien wirbeln auch John Travolta, Michael Jackson und die Blues-Brothers über die Bühne. Wir lachen Tränen bei dem Stück "We are the world", als der Entertainchef, ein wirklich charmanter gutaussehender Franzose mit einem gewinnenden Lächeln, immer korrekt-lässig-leger gekleidet im Anzug, Michael Jackson mimt, mitsamt dem berühmten Griff, dabei die Hose fallen läßt und in einer blau-pailletten-glitzernden Shorts dasteht. Schlag auf Schlag verwandelt er sich in einem Affentempo, immer abwechselnd zusammen mit einem anderen "Robin", in verschiedene Musiktypen – Bob Dylan, Michael Jackson, Tina Turner und viele andere amerikanische Showgrößen. Die beiden haben ein Bügelbrett auf die Bühne, beladen mit verschiedenen Requisiten, die sie nach Gebrauch wild auf der Bühne verstreuen. Professionell gebracht, das Ganze, und der Saal tobt.

Danach lernen wir bei einem Drink noch Heike und Klaus kennen. Diethard ist "erkannt", erzählen sie uns. Beim ersten Abendessen war ein Gast "aus der Musikbranche" an ihrem Tisch absolut überzeugt: "Das ist der Sänger von Karat." Anstatt Diethard nun zu fragen, ob er es tatsächlich sei, rief er sofort übers Handy jemanden an. Wie der nun allerdings wissen sollte, ob Diethard der Sänger sei, das blieb uns schleierhaft. Klar, nun hatte Diethard seinen Spitznamen weg...

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