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Erster Blick zum Fenster. Links Blick auf das Meer, rechts der Blick auf den Swimmingpool. Das Wetter ist einigermaßen. Sonne, aber auch Wind. Das Aufstehen fällt schwer. Fehlt doch der heimelige morgendliche Bettkaffee. Frühstück. Zu wem setzen wir uns? Schließlich haben wir doch extra deswegen einen Club gebucht, um sofort Leute kennenzulernen. Soll doch da angeblich ganz zwanglos zugehen. Aber trotztdem fällt es uns anfangs nicht ganz leicht. Nach dem Frühstück die Einführung für die Neuangekommenen. Per Video-Leinwand im Patio, mit Begrüßungsdrink und ausgiebigem Rundgang durch das gesamte Areal. Prachtvolles Gebäude, voller Marmor, nur das Feinste vom Feinsten. Sehr hübsch. Der Stolz der Robins. Jeden Abend gibts hier tolle Shows. Stimmt, abgesehen vom ersten. Erstaunt stellen wir auch fest, welch reichhaltiges Vergnügungsangebot es hier gibt. Bogenschießen, Tennis, Billard, Tischtennis, Tischfußball, Segelsport, Seidenmalerei, Kochkurse, Tanzkurse... alles drin im Preis... Schon ist es wieder Zeit zum Mittagessen. Die guten Vorsätze schwinden dahin wie Butter in der Sonne... Was wollen wir unternehmen? So ein paar Tage sind ja schließlich schnell rum. Eine Thalasso-Kur zum Verwöhnen für Monika auf jeden Fall. Aber ein bißchen Kultur solls schließlich auch sein. So buchen wir eine Halbtags-Inselrundfahrt und eine Tagesfahrt nach Matmata, zu den Höhlenwohnungen und begeben uns in den Thalasso-Flügel des Hotels. Erst mal zum Arzt. Der scheint einen relaxten Job zu haben. Ich muß ein paar Fragen beantworten: Krankheiten? Operationen? Krampfadern?... Der freundliche junge Arzt mit den schönen dunkelbraunen Augen und Vollglatze untersucht mich kurz. Alles okay. Und sagt ganz verwundert: "Was, Sie sind schon 46? Das sieht man Ihnen aber wirklich nicht an." Alter Schmeichler mit Routinespruch. Tut aber gut, und ich spüre bereits schon die verjüngende Wirkung der morgen beginnenden Thalassokur. Am Nachmittag startet der Halbtagsausflug, die Inselrundfahrt. Also versammeln wir uns um 14 Uhr an der Rezeption. Viel Zeit ist ja sowieso nicht, um halbsechs ist es schon zappenduster. Der Reiseleiter ist auch schon da, die Jeeps noch nicht. Man steht, unterhält sich, guckt auf die Uhr, nach draußen. Nach einer halben Stunde endlich kommen die Jeeps. Gab Schwierigkeiten mit dem Ramadan. Der Ramadan wird uns noch öfter begegnen... Wir haben einen guten Reiseleiter erwischt. "Land und Leute" will er uns vermitteln. Tut er auch. Im Gegensatz zu anderen solchen Ausflügen karrt er uns nicht an die Touristenstätten, um Kitschkitsch zu kaufen, sondern zeigt uns Alltagsleben. Erste Station ist eine nicht sehr imponierende Gedenkstätte mit Blick auf das spanische Fort. Wir hören was von Kriegen und 500 aufgestapelten Köpfen, aber all das ist zum Glück schon sehr lange her, und die Einzelheiten gehen in den ersten Eindrücken verloren. Wir sitzen hinten im Jeep, in der 3. Reihe, so daß das Aus- und Einsteigen schon eine gewisse Sportlichkeit erfordert. Weiter gehts nach Houmt Souk, der Hauptstadt von Djerba. Houmt Souk ist ein kleines beschauliches Städtchen, touristisch sehr angenehm zu erlaufen, zumindest zu dieser Jahreszeit. Die Händler hocken friedlich in ihren Läden, lächeln uns mal kurz an, sprechen uns auch mal kurz an, lassen es aber bei einem Satz bewenden. Offensichtlich sind sie saisonmüde. Die Auslagen allerdings prallvoll wie eh und je. Diese Unmengen an Schuhen, Taschen, Gewändern, Messingschalen, Töpfereien... In jedem einzelnen Stück eine Menge Handarbeit. Wer kauft sie bloß? Souks, enge Gassen. Stinkende Mopeds knattern durch, vorbei an den fein säuberlich aufgestapelten Waren. Mürrische Gesichter mustern uns. Der Reiseleiter weist uns darauf hin. Die sind hungrig und schlecht gelaunt. Ramadan. Eine harte Probe. Tagsüber hungern und den ganzen Tag Essen vor sich zu sehen. Nach Einbruch der Dunkelheit dann zuschlagen. Ob das so gesund ist? Anstrengend sicher. Außerdem sind all die anderen Verbote sicher auch ganz schön anstrengend: Für die Augen - sie dürfen Schönes (Frauen) nicht sehen. Tagsüber herrscht strikte Enthaltsamkeit, auch für die Gedanken... Für die Ohren sie dürfen keine Kritik vernehmen. Für den Mund man darf nicht lästern über andere. Trinken ist auch verboten, Rauchen ebenso, Strenggläubige nehmen noch nicht mal tagsüber ihre Medizin. Im Winter mag das Trinkverbot ja noch leichter durchzuhalten sein, aber im Sommer? Der Ramadan ist ja nicht immer zu gleichen Zeit, sondern der Termin verschiebt sich in jedem Jahr um zehn Tage nach vorne. Kinder brauchen nicht mitzumachen, werden aber von klein an dran gewöhnt, tageweise tagsüber aufs Essen zu verzichten. Wir winden und schlängeln uns durch die Gassen, immer schön unserem Führer nach. Klar gibts Ausreißer. Ein älterer Herr schert aus, er will hier Fotos entwickeln lassen. Ist bestimmt billiger als im Hotel, beharrt er. Die dazugehörige Gattin, Typ Elisabeth Flickenschildt, faucht ihn an: "Ja, und? Wie willst du wieder herkommen? Kostet doch mehr Geld als die Bilder im Hotel entwickeln zu lassen." Wo sie recht hat, hat sie recht. Ihr Gatte schmollt allerdings. Elisabeth geht hocherhobenen Hauptes im Touristenstrom einher durch die Souks, wirft mal rechts einen Blick, mal links einen Blick auf die dargebotenen bunt-glänzenden Waren. Am Ende sammeln wir uns auf einem freien Platz und sie schießt auf den Reiseleiter los: "Wo haben Sie meinen Mann gelassen?" Wir drumrum grinsen uns eins. "Elisabeths" Mann sieht nicht so aus, als ob man ihn irgendwo lassen könnte. Der machte durchaus einen ziemlich selbständig-sturen Eindruck. Der Reiseleiter verkneift sich eine Antwort, dreht sich rum und macht sich auf die Suche nach dem verlorenen Sohn. Er fängt ihn tatsächlich wieder ein. Währenddessen rumort bereits die Gruppendynamik. Unfreundliche Blicke treffen die "arme Elisabeth", gute und unerbetene Ratschläge, wie man sich als guter Tourist zu verhalten habe, werden ihr erteilt. Kaum angekommen, will das verlorene Schäfchen wieder ausscheren beim nächsten Teppichhändler, doch der Reiseleiter zieht es resolut am Arm weiter zum Fischmarkt. Man riechts. Einträchtig versammelt stehen Körbe mit Fischen, Fladenbrot, klebrig süßes Gebäck. So voll, dass man kaum durchkommt und Mühe hat, den Reiseleiter und die Gruppe auszumachen. Andere Touristen bekommen wir nicht zu Gesicht. Frische Luft, sie tut gut. Wir sind dort gelandet, wo der Pfeffer wächst. Die Straße ist gesäumt von Pfefferbäumen. "Elisabeth" reißt Pfeffer ab, schnuppert daran. "Das kann man essen." Der Reiseleiter sagt: "Nein, ist giftig, kann man nicht essen!" Aber "Elisabeth" beharrt auf ihrer Meinung. "Essen? Bringt Geld? Wir noch nicht gewußt. Ab morgen wir gleich verkaufen. Hier" damit reißt er büschelweise die Pfefferkörner ab und drückt sie der sich Wehrenden in die Hand. Es bleibt ihr nichts übrig, als sich die Taschen damit vollzustopfen. Weiter gehts zur Synagoge. Angeblich ein berühmter Pilgerplatz. Im Reiseführer finden wir allerdings nichts dazu. Klar, Schuhe müssen wir ausziehen und eine Kopfbedeckung aufs Haupt. Kopftücher werden ausgeteilt. Ihhh. Hoffentlich finden sich keine Bewohner drin. Es geht locker zu am Eingang. Man scherzt mit den Touristen. Den Männern werden auch Kopftücher hingehalten mit schelmischem Grinsen. Müssen sie aber nicht aufziehen. Das obligatorische Käppchen tuts auch. Nur wenige Gläubige drin. Da hinten in der Ecke sitzt einer und ißt. Gegenüber brabbelt einer die ganze Zeit vor sich hin. Es hört sich an, als ob er mit uns schimpft. In der Mitte hockt ein Uralter auf der Bank, guckt uns auffordernd an mit Feuer im Blick und klopft heftig mit einem Holzstock auf ein Schaufenster. In deutscher Schrift steht da eine deutliche Spendenaufforderung. Erbost nimmt er zur Kenntnis, dass wir weiterschlendern, verstärkt sein Geklopfe und fordert eine Zigarette. Kriegt er dann auch.
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