Die letzten Kilometer

Von Hong Kong nach China

Hong Kong ist zwar nicht mein letztes Ziel für heute, aber wir lassen uns Zeit. Wir fahren per Bus in die Innenstadt, suchen eine Bank, wo ich meine Reiseschecks tauschen kann, tauchen ein in das laute Gedränge dieser faszinierenden Millionenstadt.

Der Kollege ist groß, hat lange Beine, so daß ich Mühe habe, seinem Schritt zu folgen. Meinen Koffer schleppe ich ja immer noch mit. Der wenige Schlaf, die Zeitumstellung und natürlich das ganz andere Klima (hier sind es gut 30 Grad wärmer als noch einen halben Tag zuvor in Deutschland) tun ihr Übriges.

Wir kommen schließlich bis zum Star Ferry Pier, der berühmten Anlegestelle der grün weißen "Star Ferry", die die Halbinsel Kowloon mit dem eigentlichen Hong Kong verbindet. Die gigantische Hochhauskulisse liegt vor uns, und in ihrer Mitte ist das riesige Convention Center am Entstehen, der Platz, an dem in knapp 6 Monaten, um Mitternacht des 30. Juni 1997 die Übergabe Hong Kongs von Großbritannien an die Volksrepublik China erfolgen wird.


Blick auf Hong Kong. Rechts das Convention Centre

Heute ist das Gebäude noch voller Gerüste, Arbeiter laufen in schwindelerregender Höhe darauf herum und man kann sich kaum vorstellen, daß dieses Gebäude in nur 6 Monaten völlig fertig sein soll.

Und - ziemlich weit unten, aber ziemlich in der Nähe der Anlegestelle der Star Ferry - ein großes Werbeschild meiner Firma. Die Büros von Siemens, so erfahre ich später, sind irgendwo um den 50. Stock herum im höchsten Gebäude Hong Kongs, zugleich mein "Lieblingshaus", das hinter dem Convention Centre golden in der Morgensonne glänzt. Wir werden ein paar Tage später einmal kurz dort hinauffahren und den unwahrscheinlichen Blick genießen.

Peter und ich, noch immer mit meinem Koffer bewaffnet, laufen durch die Kaufhäuser und Passagen auf der Hong Konger Seite. Zu ebener Erde bewegt man sich kaum, meist sind die Verbindungswege zwischen den einzelnen Häusern Treppen und Gänge, die ein paar Meter über der Straße entlang führen. Peter möchte noch nach Schuhen gucken, nicht einfach hier für ihn mit Schuhgröße 46.


An der Anlegestelle der Star Ferry

In einem Geschäft schaue auch ich mich um und finde ein Paar Stiefel, die mir gefallen, schwarz, halbhoch. Ich will sie anprobieren, zwei freundliche Chinesinnen helfen mir kichernd. Ganz einfach ist es nicht, die recht schmalgeschnittenen Schuhe an meine doch schwitzenden Füße zu bekommen. Teilweise zerren wir zu dritt, und schließlich gelingt es, und wir finden auch ein passendes Paar, zu einem Preis, den man wohl auch in Deutschland zahlen würde.

Und Peter freut sich über die zwei Chinesinnen, die da vor mir knien...

Schließlich ist es soweit, und wir steigen in die Fähre, die uns nach She Kou, auf die chinesische Seite bringen wird.

Die Fahrt dauert ungefähr eine Stunde, dabei passieren wir die neue, noch im Bau befindliche Hängebrücke, die Lantau Island, auf der der neue Flughafen gebaut wird, mit der Stadt verbinden wird. Tsing Ma, eine Brücke der Superlative, länger als die Golden Gate Bridge, mit Fahrbahnen obenauf und innendrin - für schlechtes Wetter.


Der "Lantau Link" in der Bauphase

Knapp 4 Monate später, am 27. April, wird die Verbindung nach Lantau offiziell eröffnet werden.

Schließlich legen wir an: China empfängt uns endgültig.

 

 

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