Auf dem Weg nach China

Von McDonalds zu McDonalds

Natürlich geschieht kein Wunder. Und so sitze ich tatsächlich - kaum hat das neue Jahr begonnen - auf dem Frankfurter Flughafen: Nach einer eisigen Neujahrsnacht habe ich mich mit meinem Wagen hierhin durchgekämpft. Aufgrund der vereisten Straßen habe ich eine gute Stunde länger gebraucht als sonst, aber ich bin rechtzeitig. Seit ich einmal vor vielen Jahren - es war meine erste Auslandsdienstreise - nur noch mit hängender Zunge meinen Flieger erreicht habe (auch das war bei Glatteis im Winter), habe ich mir vorgenommen, lieber viel zu früh am Flughafen zu sein, als auch nur etwas zu spät...

So habe ich Check-In trotz langer Schlangen und die Zollformalitäten trotz weiter Wege hinter mir, und habe noch immer eine gute Stunde Zeit, bis es losgeht. Hunger macht sich bemerkbar, und da ich noch nie im neuen Terminal 2 gewesen bin, entscheide ich mich, mit der Flughafenbahn hinüberzufahren und bei McDonalds noch eine Kleinigkeit zu essen.

Um das besteigbare Raumschiff dort wuseln Unmengen von Kids herum, die Lautstärke ist entsprechend. Genüßlich kaue ich an meinem BigMac und den Chicken McNuggets mit süßsaurer Soße und lasse das Treiben auf mich wirken. Wie lange werde ich wohl weg sein und meine eigenen Kids nicht mehr sehen? Die Reise ist so auf ca. zwei Wochen geplant, mal sehen, ob ich bis dahin alles im Griff habe. Und danach soll ich noch kurz nach Luoyang, ich weiß nur, daß das irgendwo in Zentral-China liegt.

Gut zwei Stunden später hebt die 747 ab und schwenkt auf Ihren Kurs, der mich und all die anderen Passagiere mehr als 11000 km non-stop nach Hong Kong bringen soll, wo mich ein Kollege aus Karlsruhe, der vor Ort ist, abholen soll.

Mehr als 12 Stunden Flugzeit sind verdammt lang. Neben mir sitzt ein Chinese, der offensichtlich nicht zum Small-Talk aufgelegt ist. Aber zum Glück sitze ich unmittelbar vor einem Notausgang, das hat den Riesenvorteil, daß ich nicht eingezwängt bin, sondern meine Füße ausstrecken kann. Natürlich fliege ich in der Touristen-Klasse, eine Sparmaßnahme, denn meine Firma meint, sich die Business-Klasse nur noch für die höchsten Manager leisten zu können...


Anflug auf Hong Kong (aus: HB Bildatlas Hong Kong)

Auch die längste Reise hat einmal ein Ende, und dieses besteht in dem berühmt-berüchtigten Landeanflug auf Hong Kong, so dicht über Straßen, Autos, Häuser und Menschen, daß man meint, sie mit Händen greifen zu können. Ich bin froh, diesen Landeanflug noch einmal zu erleben, landete die Maschine doch bei unserem Anflug im Urlaub vom Meer her kommend. Und, wenn 1998 der neue Flughafen auf Lantau-Island eingeweiht ist, dann wird es das nicht mehr geben. Dann wird die bisher nur niedrig bebaute Einflugschneise in kürzester Zeit plattgemacht und mit neuen, riesigen Hochhäusern bestückt werden. Es ist, als warteten die Planierraupen schon hinter der Ecke.


An der Bank of China (aus: HB Bildatlas Hong Kong)

Es ist früh am Morgen, als ich in Hong Kong ankomme. Die übliche Prozedur: Koffer holen, Zoll- und Paßkontrolle. Alles läuft glatt, und ich habe noch ein paar Minuten Wartezeit, bis mein Kollege Peter mich an der verabredeten Stelle abholt.

Er kommt fast pünktlich, begrüßt mich herzlich und sagt: "Du, Diethard, ich bin noch nicht zum Frühstücken gekommen. Laß uns schnell bei McDonalds einen Kaffee trinken."

Und so kommt's, daß ich nun im nächsten McDonalds stehe, 11000 km vom letzten, aber mit (fast) demselben Angebot. Nur kleiner und nicht so sauber wie in Frankfurt.

Der Kaffee im Plastikbecher schmeckt zwar nicht sonderlich gut, aber er tut gut.

 

 

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