Tasmanientour - 1. Tag

Von Hobart nach Tullah, Seite 1

Pünktlich um 6.30 stehen wir am nächsten Morgen am vereinbarten Treffpunkt, dem Central City Backpackers. Penny hat uns trotz der frühen Stunde hergebracht. Ein Taxi nehmen, kommt nicht in Frage, hat sie uns gesagt. Sie ist eine Frühaufsteherin. 

Zwei verschlafene Gesichter lächeln uns an. Sie gehören zu zwei jungen Backpacker-Touristinnen. Wie wir nun schon des öfteren gehört haben, scheint es in Backpacker-Unterkünften ziemlich turbulent zuzugehen. Der große Vorteil dabei - man bekommt ganz schnell Anschluss und hat eine Menge Fun. Dafür kommt der Schlaf zu kurz. Es ist auch nicht jedermanns Sache, WC und Dusche mit vielen anderen zu teilen.

Die eine der beiden kriegt freudeglitzernde Augen, als Diethard eine Zigarette herauszieht. Endlich, noch ein Raucher. Bisher war sie die einzige in der Gruppe. 

Der Bus kommt auch gleich. Wir sind aber noch nicht vollzählig. Zwei junge Männer kommen hinterhergehastet. Einer hat seinen Minidiscplayer verlegt, der ist nun eingeschlossen, nach vielen Telefonaten bekommt er aber das gute Stück wieder zu Gesicht. Eine Frau fehlt. Sie hat angeblich den Anruf am Tag vorher versäumt, um zu bestätigen und zu erfahren, von welcher Station aus wir abgeholt werden. Denn das steht nicht auf dem Buchungsbeleg.

Ein paar Diskussionen, Anrufe, Achselzucken. Wo soll man sie abholen? Es ist nicht bekannt, in welchem Hotel sie wohnt. Steve fährt also los, ein sympathischer junger Guide, ausgestattet mit einer ordentlichen Portion australischen Humors. Es ist eine nette Gruppe, der erste Eindruck bestätigt sich später, gemixt aus Japanern, Schweizern, Deutschen und einem Ehepaar aus den USA, die einst als vietnamesische Boat-People dorthin geflüchtet waren und heute in San Francisco wohnen. 15 Leute, davon zwei Paare, neun junge Frauen, zwei junge Männer. Wir heben den Altersschnitt gewaltig. Zwei Schweizerinnen und ein Deutscher sind für längere Zeit in Australien, sie machen ein Sprachstudium, das Cambridge-Zertifikat. Die Dauer kann man selbst bestimmen, zwischen einem Monat und neun Monaten. Ob es sich gelohnt hat? Das bejahen alle drei unabhängig voneinander. Jens, der 20jährige, der hier sehr locker auftritt und - neben dem Guide natürlich - im Mittelpunkt des weiblichen Interesses steht, erzählt mir später, dass er vorher sehr schüchtern war und hier sehr viel Selbstsicherheit gewonnen hat und die Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen.

Die Stimmung in diesem kleinen Bus ist natürlich völlig anders als in den großen unpersönlichen Touristenbeförderungsfahrzeugen. Jeder kommt mit jedem ins Gespräch, das Du ergibt sich völlig natürlich, die Sprache wählt man je nach Gelegenheit. Dauert eine Weile, bis man sortiert hat, wer hier deutsch oder englisch spricht. Aber die Deutschen wollen ja auch ihre Englischkenntnisse verbessern und so geht es eben bunt durcheinander. Steve spricht zwar einigermaßen deutlich, aber sehr schnell. So verstehe ich nur einen kleinen Teil. Es tröstet mich allerdings, dass die Schweizerinnen, die schon drei Monate Intensivenglisch hinter sich haben, auch nicht alles verstehen. "Den Zusammenhang bekomme ich halt mit", strahlt Renate. 

Hinter mir stöhnt Jens vor Hunger. Zum Frühstück hat es so früh nicht gereicht. Ich habe Mitleid mit dem armen Kerl, weiß ich doch, welch Portionen unsere Kids in dem Alter vertilgen konnten und biete ihm eine Banane an, aber er wollte lieber was Handfesteres. Also packe ich das Vitaminpaket wieder ein und der junge Engländer, der so schnell nichts mitbekommen hat, was läuft, guckt sehr enttäuscht und strahlt, als ich die Banane wieder raushole und ihm in die Hand drücke. 

Mittlerweile hält Steve vor einer Bank an und fragt ab, wer morgen früh welche Aktivität machen will. Reiten? Kanufahren? Mountainbike? Spaziergang im idyllischen See? 


Hobart City

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