Sydney

Jahreswechsel Down Under

28. Dezember.

Abreise aus Wallerawang. Wir packen unsere Sachen zusammen – die Tage hier sind viel zu schnell vergangen. Peter und Bronwyn kommen mit den Kids nach dem Frühstück vorbei, um uns zu verabschieden. Leicht fällt der Abschied nicht, und wir hoffen sehr, unsere Freunde bald einmal wieder zu sehen, sei es hier in Australien, oder auch bei uns in Deutschland. Diethard schreibt noch schnell eine SMS an den Kollegen in Winmalee in der Hoffnung, dass er und seine Familie von den Feuern verschont geblieben sind. 

Pünktlich um 10:30 steht Barry vor der Tür. Eine Weile plaudern wir noch auf der Terrasse, dann heißt es wirklich Bye Bye und Take care! und See you soon! Barry hat sich über die Straßensperrungen informiert, heute müssen wir keinen Umweg nehmen, obwohl noch viele Buschfeuer wüten.

Wir machen einen Zwischenstopp in den Kurrajong Heights und kaufen an einem Stand an der Strasse Obst und Marmelade. Noch ahnen wir nicht, dass wir diesem Namen am 1. Januar als Zentrum neuer Buschfeuer wieder begegnen werden.


Rauch von Bushfeuern über den Bergen

Nach knapp 3 Stunden sind wir in Westmead, das rund 24 km vom Stadtkern Sydneys entfernt ist. Kein wirklich „guter“ Stadtteil, aber bekannt durch das große Westmead Hospital, das direkt gegenüber dem „Kloster“, unserer neuen Heimat für die nächste Woche liegt. 

Das Kloster, genannt Lavalla Monestary, erweist sich als in gelben Backsteinen gebautes zweistöckiges Haus aus den späten 60er Jahren. Gebaut um 2 schattige Innenhöfe liegen die kleinen Unterkünfte der Brüder, daneben gibt es eine große, professionell ausgestattete Küche, einen recht gemütlichen Aufenthaltsraum, zwei Fernsehräume, eine kleine Kapelle und zwei Computerräume, einer davon mit Internetzugang. Ein kleiner Garten mit ein paar Gewürzen und Gemüsen und Rosen gehört dazu sowie ein Unterstellplatz für die gemeinsam von den Brüdern benutzten Autos.

Alles, was im Kühlschrank oder auch im großen Kühlraum an Vorräten da ist (inkl. Wein und Bier und Keksen und Eis) ist für alle da, und man muss nicht fragen, wenn man etwas möchte. 

Da Weihnachts- und damit Sommerferienzeit ist, sind von den 10 Brüdern, die hier normalerweise wohnen, nur 3-4 da, und die Stimmung ist viel lockerer und offener, als wir es je erhofft haben. Wir treffen Brother Greg, den Cricket-Fan, den lustigen Pat, den man immer wieder mal beim Rauchen in einem der Innenhöfe sieht, Father Lou, der nicht zum Orden gehört, aber hier mit wohnt, da er der Priester für das gegenüber liegende Krankenhaus ist. Jeder begegnet uns mit sehr viel Freundlichkeit und Offenheit, ist zu Späßen aufgelegt, und wir fühlen uns gleich wie zu Hause. 

Auf unsere Frage, ob es hier immer so locker zugeht, weist Barry darauf hin, dass schließlich Ferienzeit ist, die Brüder sind wenige und die noch sehr entspannt, und die „grumpy ones“, die es hier offensichtlich auch gibt, sind zur Zeit alle nicht da.


Lavalla Monestary Westmead


Im Innenhof 

Wir sind die einzigen Gäste im Moment, Diethard bekommt einen freien Raum auf der einen Seite, ausgestattet mit Bett, Tisch, Stuhl, Einbauschrank und Waschbecken, und ich die „Nun-Suite“ auf der anderen Seite des Gebäudes, die immerhin ein eigenes Badezimmer besitzt. Ansonsten gibt es als Mitbewohner nur noch Hunderte von Ameisen, in der Küche, sogar im Zuckerglas, und eine Nacht lang sogar in meinem Bett. Australian Summer, nennt man das, lächelt Barry. Aber man kann sich an vieles gewöhnen...

Vielleicht 300 m von unserem neuen Zuhause ist die City Train Station Westmead, und gleich am ersten Abend zieht es uns doch in die City. Barry, der Lehrer, begleitet uns bis zur Station, zeigt uns, welche Fahrkarten wir benötigen (einmal City und zurück für 4,60 $) und lässt uns dann alleine. 

Die Fahrt mit den voll klimatisierten Wagen dauert ca. eine halbe Stunde, dann steigen wir an der Central Station aus und schlendern die George Street entlang bis zum Paddy-Market, trinken einen Cappucino mitten im Gewühle, begegnen zwischen Trommeln, Gewürzen, alten Büchern und asiatischen Masken hier sogar dem Orgasmatron, bewundern das Innenleben des wunderschönen Kaufhauses Queen Victoria Building und versuchen dann, uns nach Darling Harbour durch zu schlagen. Dabei gehen wir wohl nicht den üblichen Weg, denn wir begegnen kaum anderen Menschen. Darling Harbour aber ist wieder voll Leben, und die Sonne steht tief unter einem fahlen Rauchschleier. Wir spazieren entlang, finden Bekanntes, wundern uns aber doch, dass wir so einiges in anderer Erinnerung haben. „Die haben hier aber einiges umgebaut in den letzten 2 Jahren“, scherzen wir, aber es ist wohl eher so, dass uns die Erinnerung einen Streich spielt. Wir gehen bis zum berühmten Sydney Aquarium, das uns 1999 so begeistert hat, und suchen uns dann doch einen Platz zum Essen in einem der vielen Restaurants, die sich um das Hafenbecken scharen.

Dass man hier nicht gerade preiswert essen kann, ist uns klar, aber letztendlich fragen wir uns, ob es die 75 $ wert ist, die wir zusammen für ein normales Essen hinlegen müssen. Auch konnten wir nicht draußen sitzen, denn die besten Plätze waren natürlich schon belegt. Aber man kommt ja nicht so oft nach Sydney...

Da wir unseren Stadtplan sinnigerweise vergessen haben, müssen wir uns an den kleinen, an markanten Stellen aufgestellten Stadtkartenausschnitten orientieren, denn wir wollen doch noch runter zu den Rocks und der Harbour Bridge. Inzwischen ist es dunkel geworden, immer noch recht warm, und wir finden unseren Weg vorbei am Fernsehturm durch die George Street, die direkt zu den Rocks führt.

Hier tost natürlich das Leben, aber unsere Füße lassen uns merken, dass wir inzwischen einige Kilometer hartes Pflaster hinter uns gebracht haben. Wir schlendern noch ein bisschen durch die Rocks und setzen uns gegenüber des berühmten Opera House am Wasser auf eine Bank. „Schau mal“, sagt Diethard, „sieht das Opera House nicht aus, als wären es lauter Narrenkappen, wie die Leute sie auf den Prunksitzungen tragen?“ – Hm, stimmt eigentlich, und dieses Bild geht uns nun nicht mehr aus dem Kopf und nimmt uns etwas von der Freude an diesem phantastischen Ort. 

Schließlich brechen wir wieder auf – der abendliche Wind ist jetzt doch kühl geworden – und machen uns auf den Weg zur Wynyard Station. Eine halbe Stunde später sind wir wieder in unserem Klosterheim und – wie ungewohnt für uns! – verschwinden in unsere getrennten Schlafräume.


In der Abenddämmerung

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