Flinders Ranges

Seite 1

Etwa 500 km Fahrt stehen uns bevor von Adelaide nach Wilpena Pound. Doch Geoffs Jeep erweist sich als sehr bequemes Fahrzeug. Es ist eine Privattour nur für uns beide, das ist sehr angenehm und auch komfortabel. Diethard sitzt vorne, ich mache mich während der ganzen Zeit auf dem Rücksitz breit. Hinten liegt noch ein Schlafsack, sagt Geoff, mach es dir so bequem, wie du willst. 

Die ersten 130 km vergehen in Windeseile. Geoff erzählt von den vielfältigen Erfahrungen, die er mit seinen Gästen machte. Zum Beispiel von dem Middle-Class-Engländerpaar, als der Mann bei 40° im Anzug und Krawatte, und die Lady in Stöckelschuhen und Perlenketten im Jeep saß, während sie durch die Cattle Stations fuhren und über Trackpisten rüttelten. Von zwar hochnäsigen, aber trotzdem unkomplizierten Franzosen, die sich bei den "Pinkelpausen" am Straßenrand aufreihten und sich während der Verrichtung miteinander unterhielten. Das Wort "Pinkelpause" kann Geoff übrigens gut aussprechen. Es gehörte bisher nicht zu unserem aktiven Wortschatz, aber jetzt findet es des öfteren Verwendung. Es hört sich einfach zu schön an, wenn er es sagt. 

Er erzählt von dem australischen Ehepaar, das so verkracht war, das es nicht miteinander redete, sondern sich immer an Geoff wandte, wenn sie sich gegenseitig etwas mitteilen wollten. Von dem holländischen Ehepaar, sie trank bei 40° Hitze tagelang nichts, um die Toilettengänge zu vermeiden, was dazu führte, dass sie mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus gebracht werden musste. Oder von der Tour, an der ein australisches und ein deutsches Paar teilnahmen, die tagelang Kleinkrieg miteinander führten. Da waren ihm die zwei jungen Frauen aus Peru weitaus sympathischer, mit denen er sich zwar verbal kaum verständigen konnte, nur mit Zeichensprache, aber sie lachten immer so schön, dass sie viel Spaß miteinander hatten. Schön war auch die Geschichte des österreichischen Paares: Er stellte seine Frau als "Schatzi" vor, Geoff glaubte, das sei der Vorname und wunderte sich, warum die beiden jedes Mal schallend lachten, wenn er "Schatzi" ansprach. Er grinst auch bei der Erinnerung an die beiden "old-fashioned" Ladies aus England, die bei einem Stop zufällig zwei sich paarende Kängurus beobachteten und voller Empörung quietschten: "Geoff, do something about it".


Unser Guide Geoff

Wir begegnen nun unterwegs auch den ersten Kängurus. Sie liegen tot auf der Straße. Das sind keine Kängurus, teilt Geoff uns mit, sondern "was-a-roos". Typisch australischer Humor ist das. An einer Tankstelle machen wir Rast. Im Stehen, an einem Bistrotisch ohne Stühle draußen im Freien, die Sonne scheint. Der Wirt begrüßt Geoff freundlich, hört, dass ich gerne Barramundi mag, den australischen Fisch, und zeigt voller Stolz ein Foto von sich und seinem riesigen Barramundi, den er gefangen hat.

Weiter geht's. Ich ziehe das Notebook raus und fange an zu schreiben. Aber nicht lange, denn Geoff biegt ab auf ungeteerte Straßen. Es hoppelt ganz schön. Hier kommen auch keine Autos mehr entgegen. Die Gegend wird immer einsamer. Ein Dorf in Sicht. 12 Einwohner hat es, verkündet das Schild am Ortseingang. Genau genommen ist eigentlich nur ein Gebäude zu sehen und eine kleine Kirche. Da wohnt auch jemand drin, sagt Geoff. Es ist heute modern, in alten Kirchen zu wohnen. 


Die "Hauptstraße"

Teepause. Geoff klappt die Lade runter, deckt mit einer rot-weiß-karierten Tischdecke ab, zieht eine Tupperschüssel heraus mit Christmas Cakes, leckeren Mürbteigtörtchen mit Pflaumenfüllung darin. Es schmeckt köstlich. Allerdings kommt schon ein richtiggehendes Outbackfeeling auf - wegen der vielen umherschwirrenden Fliegen. Doch Geoff hat auch dafür eine Lösung, ein Flynet. It works: Die Fliegen bleiben weg, und die Männer haben was zum Grinsen. So ein Flynet kleidet ungemein.


So ein Flynet kleidet ungemein

[ Homepage ]   [ Anfang ]   [ Verzeichnis ]    [ zurück ]   [ vor ]