Stopover in Kuala Lumpur

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Am 30. November 2001 geht's los. Am Tag vor dem Abflug rufe ich noch den "fliegenden Engel" an. Wir sollten lieber schon um viertel vor acht losfahren, meint die Chefin vom Flughafentransfer. Wer weiß, ob Stau ist. Und die Kontrollen sind seit dem 11. September recht gründlich. 

Nein, es gibt keinen Stau, alles läuft glatt. Wir sind viel zu früh. Es stehen nur drei Leute vor dem Schalter. Schnell sind wir unser Gepäck los. Doch der Trolley ist zu groß, meint die freundliche Dame am Schalter. Wir gehen erst mal ausführlich frühstücken. 

Der Trolley passt aber doch in die Halterung. Gerade so, aber immerhin. Die Taschen werden sorgfältig durchsucht. Noch zwei Zigaretten, dann geht's durch das Tor. Ziemlich voll besetzt, eine Malaysin, ca. 55, irrt ziellos umher. Wir scheinen ihr vertrauenerweckend zu sein und sie fragt Diethard etwas. Was, verstehen wir beide nicht so recht, sie spricht sehr leise, schaut uns nicht an, und wirkt total verschüchtert. Mindestens zwanzigmal fragt sie meinen armen Gatten, dem dann langsam die Geduld ausgeht, ob sie hier richtig ist nach Kuala Lumpur. Er zeigt ihr unsere Tickets als Beweis. Dann kommt die Lautsprecheransage mit den Sitznummern. Sie wird zunehmend nervöser, weil sie immer noch nicht drankommt. Wir sind fast bei den letzten und sie glaubt uns schon fast nicht mehr.

Die Flugzeit verlängert sich, da wir Afghanistan umfliegen. Mit einer halben Stunde Verspätung heben wir ab. Diesmal sitzen wir nicht nebeneinander, sondern haben Gangplätze reservieren lassen. Diethard hat viel Platz, zwei freie Plätze, neben mir sitzt ein sympathisches Ehepaar, er ein dänischer Projektleiter, verheiratet mit einer Malaysin, Stoney heißt sie. Wir haben viel Spaß miteinander. Die Unterhaltung läuft in englisch. Nun, ich kann mich einigermaßen verständigen, aber es fehlt noch viel. Natürlich kommen wir auch mal auf Anzeigen zu sprechen. In Dänemark gibt`so was nicht. In Malaysia auch nicht. 

Was ich mache? Kommunikationsseminare? Für Frauen? Ihre Schwester macht so etwas Ähnliches, erzählt Stoney. Schau mal, da ist ein Artikel, hält sie mir stolz die Hochglanzbroschüre der Fluggesellschaft entgegen. Tatsächlich, da steht ein ganzseitiges Interview mit ihrer Schwester über ihre Frauenseminare und ein asiatisches Gesicht strahlt mir entgegen. 

Stoney wird von ihrem Gatten massiert. Ich sehe es mit einer gewissen Portion Neid. "I am jealous", sage ich. Stoney lacht. Sie kann gut massieren, sagt sie. Und schon kriege ich auch eine Massage verpasst. Ah, das tut gut. Sie kann`s wirklich. 

Na, der Flug fängt ja schon mal sehr unterhaltsam an, während die Stewardessen und Stewards eine hektische Betriebsamkeit entfalten. Jeder kriegt mit einer Zange ein heißes Tüchlein in die Hand gedrückt. Ein sehr heißes Tüchlein zum Hände Saubermachen, das bald darauf wieder abgeholt wird. Ein Päckchen Erdnüsse, Orangensaft. Mineralwasser. Es riecht auch schon bald köstlich. Mittagessen, Kaffee, Tee, Orangensaft, Rotwein, Weißwein. Sogar ich trinke einen Rotwein. Vielleicht kann ich dann schlafen?

Die Zeit schleppt sich so dahin. So gegen fünf schläft fast alles im Flieger. Es ist dunkel draußen. Die Fernsehschirme leuchten ein wenig, aber alles hängt müde in den Seilen. Ich breite mich zwischendurch aus bei Diethards, denn neben ihm sind zwei Plätze frei. War gar keine schlechte Idee, Gangplätze zu buchen. Das beschert viel mehr Beinfreiheit und größere Chancen auf freie Nebenplätze. Und da die Gänge ja schmal sind, kann man gut miteinander reden oder auch mal Händchen halten.

Der Arm schmerzt. Zwischendurch ein bisschen Fernsehen, ein bisschen Lesen, ein bisschen Tratschen, ein bisschen trinken. Um zehn kommt Freude auf. Es riecht schon lange wieder lecker und nun kommt das Frühstück. Schmeckt gar nicht schlecht. Wir sind wieder wach, ich hole mein Notebook raus. Und schon werden Wünsche geweckt. Stoney ist hell begeistert. Sie schreibt regelmäßig Artikel über ihr Leben als Ausländerin in Deutschland, die in ihrer Heimat gedruckt werden. Nun weiß sie, was sie von ihrem Gatten gern zu Weihnachten hätte. 

Essen, Reden, Fernsehgucken, Lesen - so langsam nähert sich der etwa acht Stunden lange Flug dem Ende. Und wie jedes Mal haben wir uns wieder in unser Schicksal ergeben, man würde jetzt auch ohne zu murren noch ein Stückchen weiterfliegen können.

Aussteigen. Wo ist das Laufband mit den Koffern? 


Blick aus unserem Hotelzimmer auf Kuala Lumpur und die Twin Towers

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