28. Oktober: Ein Ort zum "retiren"

Sydney

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Um 8.45 steht Gudrun in der Hotelhalle. Im Auto drückt sie mir ein Buch mit einer Widmung in die Hand: Das schenk ich dir, ist ein schönes Buch über die Geschichte der Aborigines und ihre Dreamtime.

Marlo Morgan? Den Namen kenne ich, habe ich doch auf dem Hinflug zufällig die deutsche Übersetzung gelesen, den "Traumfänger". Ich freue mich drüber. Ich werde versuchen, das Buch in englisch zu lesen und so meine Kenntnisse zu verbessern, gelobe ich.

Den Vormittag verbringen wir noch zusammen. Wir fahren nach Manly zu einem wunderschönen Strandspaziergang, während wir uns über alles mögliche unterhalten, Horoskope, Reinkarnation, Aborigines, Dreamtime. Heiß ist es. Ich spüre langsam Sonnenbrand, trotz aller Einschmiererei. Zum Glück habe ich immer einen Schal in der Handtasche, den stopfe ich mir ins Dekollete. Sieht zwar ziemlich blöd aus, aber es hilft.

Ein wirklich schönes Fleckchen Erde, dieses Manly. Alles wunderschön gepflegt und angelegt. Von einem Restaurant am Strand führt ein dschungelartiger schattiger Treppenaufgang, wie ein kleiner Regenwald, sogar ein Wasserfall ist mit dabei, nach oben zu den Villen, die wir schon während der Hafenrundfahrt bewundert haben. Beide stöhnen wir uns nach oben, die "Drei Schwestern" machen uns bei jeder Stufe in den Oberschenkeln gewaltig zu schaffen.

Ein Kaffee am Ufer tut gut. Gudrun zeigt uns noch ein bißchen Sydney, dann setzt sie uns ab an der Harbour Bridge. Die Kletterer darauf sind unermüdlich zugange. Wie kleine Ameisen besteigen sie unbeirrt dem "Kleiderbügel", wie die Brücke liebevoll im Volksmund genannt wird.

Wir verzichten darauf, aber natürlich wollen wir die Führung durch das Opera House mitmachen. Eine Stunde dauert die. Eine halbe müssen wir noch warten. So sitzen wir draußen vor dieser herrlichen Kulisse in der Sonne, ich mit verhülltem Hals und Ausschnitt, der teuflisch brennt, dabei hab ich doch so aufgepaßt, und sind uns einig: Wir wollen nicht nach Hause.

Das überrascht uns selbst, waren wir doch noch nie einen Monat weg von zu Hause und glaubten eigentlich, mit Eindrücken derart "abgefüllt" zu sein, dass wir uns zurücksehnen würden in die Abgeschiedenheit unserer Computerwelt zu Hause. Doch weit gefehlt – wenn wir die Wahl hätten, noch zu bleiben – wir hätten bestimmt keine Sekunde gezögert, zuzugreifen.

An Silvester wollen wir hier sein, nehmen wir uns vor – Jahreswechsel zwischen Opera House und Harbour Bridge. Bloß das Jahr, das legen wir noch nicht fest. Denn wir müssen wir erst noch ein wenig sparen – Geld und Urlaubstage. Unter vier Wochen lohnt es sich wirklich nicht, hierherzukommen. Die Reisezeit ist doch arg lang.

Aber hier wäre durchaus auch ein Ort, um zu "retiren". Es gefällt uns beiden außerordentlich hier, aber bis dahin dauerts ja noch eine Weile...

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Impressionen von Manly

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Führung durch’s Opernhaus erzählt man uns über den dänischen Architekten, der die Grundidee dieses bekannten Wahrzeichens der Stadt hatte, später im Streit aus dem Projekt ausstieg und es angeblich nie im fertigen Zustand gesehen hat. Menschliches auch in den größten Projekten... Leider können wir nicht in die große Konzerthalle, da findet gerade eine Probe statt, aber auch der Rest ist mehr als eindrucksvoll. Der Rundgang beinhaltet zwar nur gut 200 Stufen, aber wir spüren jede einzelne in unseren Oberschenkeln.

Nächstes Mal, nehmen wir uns vor, nächstes Mal werden wir hier auch eine Aufführung besuchen. Überhaupt – im Laufe des Tages verschieben wir noch einige Besichtigungsvorhaben auf das nächste Mal: das Queen Victoria Buildung, den Fernsehturm, Chinatown...

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Mit der "Rocket" nach Darling Harbour

Doch für heute steht noch einiges auf unserem Wunschzettel. Wird ja doch eine Weile dauern, bis wir wieder herkommen.

Zum Aquarium nach Darling Harbour wollen wir jetzt. Mit dem Boot, der "Rocket", sollt ihr fahren, hat Gudrun uns gesagt. Klappt prima, am Cirqular Quay steht schon gleich eines bereit. Beim Fahren merken wir sehr schnell, warum das Ding "Rocket" heißt, es geht wirklich ab wie eine Rakete.

Eine herrliche Hochhauskulisse in der Nachmittagssonne begleitet uns. Am Darling Harbour steigen wir aus. Reges Treiben herrscht hier, und wir schlendern zum Aquarium hinüber. Toll gemacht ist es, der stolze Eintrittspreis gerechtfertigt.

Im Seelöwenbecken spielt einer mit einem Stock. Er wirft es selbst weg und taucht danach. Schnell sind die Viecher, tatsächlich. Die Besucher können mitten durchs Bassin laufen, in einer Röhre, während die Tiere drüberschwimmen. Durch ein Unterwassermikro werden die Töne übertragen, die sie dabei von sich geben.

Treppen rauf. Unsere Schenkel meutern. Das Aquarium ist weitläufig. Ein langer Spiralgang führt uns zur Underwaterworld. Riesige Rochen schwimmen über uns, auch Haie, große Schildkröten.

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Darling Harbour

Doch das schönste ist die Abteilung "Great Barrier Reef". Blaue Seesterne leuchten uns entgegen, Korallen schillern in verschiedenen Farben. Gelbgeschwänzte Fische dazwischen. Ein Riesenbecken, vor dem man stehen kann, es vermittelt fast die Illusion, mitten im Wasser zu stehen. Wirklich fantastisch gemacht.

Nach dem Spaziergang durchs Aquarium sind wir völlig erschöpft, zwei kaputte, schlappe Touristen mit plattgetretenen Füßen und endgültig gemarterten Oberschenkeln. Da sitzen wir nun auf einer Bank, beraten das Programm und streichen einiges für heute und damit für dieses Mal. Dass uns die 1000 Stufen bei den "Drei Schwestern" so zusetzen werden, hätten wir nicht gedacht.

Aber die Monorail, das schaffen wir noch. Komm, ziehe ich Diethard hoch. Die Monorail, die in einer Rundfahrt über den Hafen und die City führt, ist durchaus sehenswert. Wir fahren sogar zwei Runden, weil sich‘s grade so gemütlich sitzt und die Aussicht gefällt.

So langsam wird’s dunkel, die Abenddämmerung bricht herein. "Fish-Opera", haben wir gelesen, das wird hier, am Darling Harbour, aufgeführt um 19 Uhr. Es ist gleich soweit, wir lassen uns auf den Stufen nieder, und die Laser-Show beginnt, projiziert auf einen Springbrunnen-Wasserschleier. Kitschig-zauberhaft, ein paar Opernszenen, gut gemacht, mit Witz, zwischendurch fängt eine Lichter-Zenzi an zu jodeln, und kriegt mit einem großen Krach gleich den Garaus gemacht... Und bei diesem Schauspiel bricht die Dämmerung über der Stadt herein, Tausende von Lichtern gehen in den Hochhäsuern ringsum an. – Tschüss, Sydney, wenn’s irgend geht, kommen wir bald mal wieder.

Ein traumhafter Abschluß. Hunger? Ja, aber nicht so arg. Da gibt’s eine schöne Foodhall, noch ein Rundgang durch, da läßt sich doch was finden. Und so futtern wir für 7 Dollar das letzte leckere Abendessen in Sydney, asiatisch und würzig und überaus lecker, und trollen uns mit dem Taxi nach Hause.

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Das "Great Barrier Reef" im Aquarium

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