27. Oktober: Drei Schwestern und ein Polizist

Sydney - Blue Mountains

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Blue Mountains. Die drei Schwestern stehen heute auf dem Programm. Im Auto liegen ein paar Bananen. Gudrun lacht: Hab ich mitgebracht für uns heute. Ihr habt doch gestern gesagt, dass Ihr anstatt Mittagessen nur Bananen wollt..

So ca. 80 km sind das zu den Blue Mountains. Gemütliche Fahrt durch die Landschaft. Interessante Unterhaltung mit Gudrun. Gut warm ist es. Bei jedem Halt wechseln wir die Plätze, einmal sitzt Diethard vorn auf dem Beifahrersitz, einmal ich. Singles, klar, auch das ist ein Thema. Wir erzählen Gudrun von unseren Seiten, meinen Single-Parties, all den Plänen, all der Arbeit, und all dem Frust...

Gudrun lacht: Die selbe Idee hatte ich auch, vor Jahren zusammen mit einer Freundin. Wir wollten ein Single-Cafe eröffnen, ohne Alkohol. Es gibt eine Menge australischer Männer, die lieben Alkohol zu sehr. Wir wollten was mit Niveau machen. Hat aber nicht geklappt, trotz aller Bemühungen.

Unterwegs halten wir mal, Füße vertreten, ein herrlicher Blick übers Tal. In einem hübschen kleinen Dorf, Windsor heißt es, trinken wir einen Cappucino, da gibt’s ja kleine Zuckerpäckchen mit verschiedenen Tieren drauf. Also die muß ich doch unbedingt mitnehmen, für Svenja...

 

Wir müssen uns jetzt beeilen, sagt sie. Der Abstieg bei den Drei Schwestern ist anstrengend, 1000 Stufen, zum Glück nur abwärts, dann ein längerer Spazierweg, und dort bringt Euch dann die steilste Bergbahn der Welt nach oben. Ich lasse Euch beim Abstieg raus und sammle Euch an der anderen Seite wieder auf. Wie wandert Ihr denn, langsam, mittel, schnell?

Mittel, denken wir. Na, die 1000 Stüfchen, die werden uns wohl nicht so viel zu schaffen machen. Gudrun grinst. Naja, dann braucht Ihr ein ein halb Stunden.

Bewaffnet mit ein paar Bananen und einem Trinkfläschchen im Bauchbeutel machen wir uns auf den Weg. Ne ganze Menge Leute sind anfangs mit unterwegs. Doch nach den ersten hundert, zweihundert Stufen sind wir ziemlich allein. Zweimal kommt uns von unten rauf noch jemand entgegen, aber hinter uns scheint auch niemand mehr zu sein.

Ja, die Gegend ist schön. Und sehr steil. Gott sei dank ein stabiler Handlauf. Trotzdem, vor ein paar Jahren wäre ich hier nicht runtergegangen, und ich klopfe mir innerlich auf die Schulter, dass ich so zielstrebig losmarschiere. Die Stufen sind keine normalen Treppenstufen, sondern in unterschiedlicher Höhe, mal ist auch ne Wurzel dazwischen, mal ein ausgetretener glitschiger Stein, mal auch eine kleine Metalltreppe.

Diethard zählt sie alle einzeln mit. Nach 500 Stufen geht’s ganz schön in die Oberschenkel. Plötzlich spüren wir Muskeln, von denen wir gar nicht wußten, dass sie vorhanden sind. Der Muskelkater dauert denn auch drei Tage... Gudrun weiß schon, warum sie so teuflisch grinste...

Es sind dann auch nicht ganz 1000 Stufen, bloß 900irgendwas. Dann folgt der Wanderweg. Idyllisch, mal gerade Wegstrecken, mal über Baumwurzeln, Felsbrocken, links geht’s teilweise ganz schön steil runter. Den Gedanken an die steilste Bergbahn der Welt verdränge ich erst mal.

Der Weg zieht sich, einmal kommt ein junges Pärchen entgegen. 20 Minuten, sagt sie, vielleicht ein bißchen mehr noch bis zur Seilbahn.

Unsere Knie sind arg wacklig, die Oberschenkel ramponiert, aber was soll’s? Da müssen wir durch, lächeln wir uns tapfer an. So geht’s weiter, hintereinander, der Weg ist meist zu schmal für ein Nebeneinander.

Doch dann geht’s aufwärts, ein Wasserfall rauscht vom Berg herunter, plötzlich sind auch wieder etliche Menschen im Gelände, und gleich dahinter erwartet uns die Bahn. Es steigen grade welche ein. Laß uns noch ne Bahn abwarten, meint Diethard. Ich würde die gerne fotografieren beim Hochfahren.

Okay, die wird wohl auch wieder runterkommen. Tut sie auch, und vor ihrer Ankunft wird durch eine Lautsprecheransage vorgewarnt, damit auch alle vom Bahnsteig zurücktreten.

Wir steigen ein, aber ziemlich weit hinten. Der Blick schweift ungehindert in die Tiefe. Ich nehme mir vor, die Augen offenzuhalten, komme, was da wolle. Die Sitze sind ergonomisch geformt, nicht normal aufrecht, sondern stark nach hinten gebogen. Ist auch gut so, zeigt sich später. Sonst fiele man ja ganz nach vorn.

Es geht los und erstarrt starre ich an den Köpfen vorbei, auf die Baumwipfel in der Tiefe. Ich mache die Augen nicht zu. Allerdings, meine Sitzhaltung ist nicht grade sonderlich entspannt. 250 m Steigung auf gut 400 m Strecke, das heißt 52° Steigung, und außerdem geht’s 80 m durch einen Tunnel. Das hatte ich nicht gelesen und diesen Tunnel empfinde ich als nicht sonderlich angenehm. Es wirkt so, als ob der Fels immer enger käme und die Bahn gleich einschließen würde. Mein Verstand sagt mir allerdings, dass das nicht sein kann. Schließlich hat die Bahn ja vorhin auch durchgepaßt.

Doch ich überlebe – mal wieder – es war gar nicht so schlimm. Gudrun sitzt draußen auf einer Bank. Gut geschätzt, genau 1 ½ Stunden waren wir unterwegs. Nach all den Strapzazen spendiert Gudrun uns noch ein Eis, ich verschwinde noch auf der Toilette, dort gibt’s einen Anschlag an der Tür: Wer sich nicht traut, mit der steilsten Bahn der Welt zu fahren, kann sich erst mal in einem Videofilm einen Eindruck davon verschaffen und dann immer noch entscheiden, ob oder ob nicht...

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Abstieg bei den 3 Schwestern

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Riesige Farme säumen den Weg

 

 

 

Schön warm. Gudrun fährt zurück, Richtung Sydney und Olympia Stadion. Sie wird als Regieassistentin fürs ZDF arbeiten während der Olympiade. Bereits 18 Monate zuvor, erzählt sie, hat sie das ZDF angeschrieben, ein Zimmer angeboten zur Übernachtung, und ihre Dienste als Reiseleiterin. Prompt wurde sie engagiert und zeigt nun dem Fernsehteam, wo sie pausenfüllende Impressionen während der Olympiade drehen können.

Ein Riesengelände, ein eigener, hochmoderner Bahnhof, um die Massen der Sportfans täglich von und zur Stadt transportieren zu können, und das Hauptstadion ein gewaltiges Bauwerk für immerhin 120.000 Leute. Rein können wir leider nicht, und so laufen wir einmal drum herum, was gut und gerne seine 20 Minuten dauert, und Diethard macht ein paar Fotos. Das Gelände ist sehr weitläufig, ein ehemaliges Schlachthofgelände, wie Gudrun erzählt. Noch laufen nur wenige Touristen wie wir umher, um sich alles anzuschauen. Der große Andrang, wenn täglich Huntertausende hier zu den Sportstätten strömen, ist noch schlecht vorstellbar.

Im Augenblick ist hier der Eintrittskartenskandal ein beherrschendes Thema – anscheinend sind kaum noch Karten auf dem freien Markt erhältlich, Unmengen sind bei Funktionären und Sponsoren versackt, andere in dunklen Kanälen, um dicke Geschäfte damit zu machen. Man wird sicherlich noch einiges von dem Thema hören.

Es dämmert, als wir wieder in die Stadt zurück kommen, vorbei an einem Schild "Westmead" – aha, da draußen wohnt also unser Freund Barry, der gerade irgendwo in England unterwegs ist.

Gudrun empfiehlt uns Denny’s, ein gutes Seafood-Restaurant direkt bei uns am Bondi-Beach, und nachdem wir unsere malträtierten Oberschenkel ein wenig auf dem Bett ausgeruht haben, machen wir uns auf eierigen Beinen auf zum Strand. Zum Glück sind es ja nur 100 oder 200 m.

Der Laden macht einen netten Eindruck, nichts Besonderes, aber wir haben ja schließlich einen guten Hunger nach diesem langen Tag. Im Bassin nahe unserem Tisch schwimmen die Hummer und warten darauf, ihr Leben in einem Topf voll kochendem Wasser zu beenden, und daneben, auf einer kleinen Bühne gibt es sogar Livemusik.

Zwei – wir vermuten – Mexikaner stehen dort, einer spielt Bass, einer Gitarre, dazu dezent im Hintergrund ein elektronisches Schlagzeug. Ihr zweistimmiger Gesang ist durchaus gekonnt, aber so unglaublich schmalzig, dass es schon fast wieder schön ist, jedenfalls wieder etwas zum dran erinnern, und so grinsen wir uns an und freuen uns mal wieder des "bunten" Lebens.

Diethard schaut dem Gitarristen aufmerksam auf die Finger, der Junge ist technisch gar nicht schlecht und spielt einen ganz anderen Stil als er selber. Das fällt dem Musiker offensichtlich auf, denn in einer Pause kommt er an unseren Tisch, fragt, wo wir herkommen, ob wir auch Musik machen. Dann: Habt ihr ein Wunschlied?

Diethard sagt natürlich spontan: Könnt Ihr was von den Beatles?, in Erwartung einer Verneinung oder allenfalls einer Oberschmalzversion von "Yesterday".

Allerdings brauchen wir eine knappe Minute, um das nächste Lied dann auch zu identifizieren, die eigentliche Melodie vom Schmalzmantel zu befreien. "My Love" von Paul McCartney – zwar nicht "die" Beatles, aber doch immerhin.

Aber es kommt noch besser: Uns Deutschen zu Ehren gibt’s dann noch "Seemann, lass das träumen", der Text kaum erkennbar, wenn ihn Lateinamerikaner in Australien singen, aber wir haben unseren Spass und verabschieden uns mit einem freundlichen Winken von den zweien.

Und das Essen? Es erinnerte sehr an das "Doyles" vom Vortag, eigentlich war es wieder "Fish ‘n‘ Chips" für arg viel Geld... Wir freuen uns durchaus wieder auf unseren Chinesen in Offenbach an der Ampel.

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Impressionen rund um das Olympiastadion

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