26. Oktober: Hier kann man's aushalten Sydney |
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Ich wache auf und höre das Plätschern. Och nö. Kein Regen. Bitte nicht... Dann überwinden wir uns doch, Blick zum Fenster aus dem zweiten Stock. Strand gegenüber, blaues Meer, Surfer drin. Blauer Himmel, kein Regen. Das Plätschern kommt vom großen Springbrunnen direkt vor unserem Fenster. Dicke fette Goldfische schwimmen darin. Na siehste. Hat die Wettervorhersage mal wieder nicht recht gehabt. Wir frühstücken außerhalb in einem kleinen Cafe. 19 Dollar pro Mann fürs Hotelfrühstück, nein, das muß nicht sein. Um halbzehn sitzen wir wie verabredte im Foyer, Gudrun kommt pünktlich unschwer zu erkennen schlank, blonde halblange Haare, so hat sie sich beschrieben. Ich steuere gleich auf sie zu. |
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Was wollt Ihr machen? hat sie gestern gefragt. Ich schlage Euch vor, die zwei Tage Führung zu verteilen. Am Dienstag und Donnerstag je einen halben Tag und zwischendrin, am Mittwoch, fahren wir einen ganzen Tag raus in die Blue Mountains.Ja, warum nicht? So steht heute morgen das Villenviertel auf dem Plan, wunderbare Aussichtspunkte. Herrliche Sonne, es ist richtig warm. Japanische Touristen quellen aus Bussen. Das da, zeigt Gudrun, ist ein ganz beliebter Platz für japanische Hochzeitspaare. Da fahren die hin, unterwegs wird der Hochzeitsstaat übergeworfen, Klick, und weiter gehts... Manche Häuser stehen unter Denkmalschutz, viele Terrassenhäuser gibts. Dann gehts weiter zum Double Bay, einer exklusiven Einkaufsstraße, heißt deshalb auch im Volksmund Double Pay. Weiter gehts zum Botanic Garden, das Hospital ist gerade nebendran und eine Konzertfläche auch... also wenn ich mal krank sein sollte, wäre das hier vielleicht ein guter Platz zum Auskurieren. |
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Gudrun liefert uns nicht nur Touristeninformationen, sondern wir unterhalten uns in den kommenden Tagen auch über alles mögliche über das häufige Umziehen, die Einwanderungsbestimmungen, die Freundlichkeit der Leute, die Unterschiede zwischen Deutschen und Australiern, über die positive Einstellung der Australier, die sich auf allen vorhandenen bzw. nicht vorhandenen Schildern (z.B. Betreten des Rasens verboten) zeigt. Auch die Sprache insgesamt ist positiv gefärbt dont worry, auch da zeigt sich die positive lässige Lebenseinstellung... in Deutschland ist die Sprache so negativ, meint Gudrun, das fällt mir erst so richtig auf, seit ich hier wohne... Wir führen interessante Gespräche, von Sternzeichen bis zur Politik steht doch das Referendum bevor, in dem sich die Australier in zwei Wochen zwischen der Monarchie und einer Republik entscheiden sollen. Die Zeit vergeht wie im Flug. In der Nähe der Altstadt läßt Gudrun uns aussteigen, mit genauen Instruktionen versehen, welche Fähre wir für die Hafenrundfahrt um wieviel Uhr nehmen sollen, und wo die Abfahrt ist. Das klappt dann auch alles wunderbar. In Sydney gibt es durchaus eine Menge hübsche Frauen, gutgekleidet, das schwarze kurze Business-Kostüm scheint recht beliebt zu sein. Eine Menge Schulklassen begegnen uns, in ihrer Uniform, die meisten nicht sonderlich kleidsam, die eine oder andere aber recht schick. Hier gibts Ganztagsschule. Bei einem Cappucino in The Rocks erholen wir uns vom Vormittag und betrachten die "busy street" um uns. Klappt zeitlich alles wunderbar, um viertel nach zwei ist Abfahrt und so sitzen wir bald draußen auf der Fähre. Der Himmel weiß nicht so recht, was er will, Sonnenbrille rauf, Sonnenbrille runter. Die Fahrt weg von der Harbour Bridge das gewaltige Bauwerk, das Touristen gut angeseilt und gesichert für 98 Dollar erklettern dürfen, die hat man ja fast immer im Blickfeld - am Hafen entlang macht Freude, die Reiseleiterin zählt wieder die Preise auf, die die Traumvillen kosten, an denen wir entlangschippern. Mei, sind echt schöne Häuschen dabei, ein bißchen steil sind die Gärten ja schon. Fast jeder hat einen Lastenaufzug an der Seite. Privatboote dümpeln friedlich davor, manche haben ihren eigenen kleinen Privatbadestrand. Ein paar Nackte liegen auch da. Wasserflugzeuge gleiten über uns hinweg. |
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Gegen fünf sind wir wieder zurück, noch ein Bummel durch The Rocks, Mitbringsel für die Großen brauchen wir auch noch, wir werden auch fündig mit einer ganz ausgefallenen Idee: jeder kriegt ein Mousepad und eine schöne Tasse Modern-Art... Als wir zufrieden mit unserem Fund von dannen ziehen, fällt mir ein oh, Tassen haben die beiden doch schon mal an Weihnachten gekriegt, da hatte ich doch das Geld drin versteckt... Naja, so was kann man immer brauchen, gell... Lagebesprechung. Was machen wir heute abend? Ein anstrengender Tag wars ja mal wieder. Was hat Leslie uns "aufgetragen" für Sydney? Richtig. Essengehen bei Doyles, Seafoodrestaurant. Gudrun hatte das vorhin auch erwähnt. Dieses Doyles Seafoodrestaurant liegt einfach traumhaft. Davor das Opera House und dahinter die Harbour Bridge, links die Seafront-Restaurants, rechts das Hyatt Hotel mit einem Biergarten, direkt auf eine Felsspitze gebaut, die ins Meer hineinragt. Sitzt allerdings kein Mensch darauf. Gudrun erzählt später, die Preise für den Kaffee schrecken... Eine zauberhafte Kulisse wie aus 1001 Nacht, erst recht jetzt in der Dämmerung. Und so sitzen wir andächtig am Aussichtspunkt, drehen uns rundherum, beobachten, wie langsam die Lichter angehen und sich immer heller gegen die dunkler werdende Nacht abheben. Phantasievoll beleuchtete Schiffe fahren vorbei... Diethard fotografiert begeistert. Später zuhause stellen wir fest ausgerechnet diesen Film haben wir versust. Und dabei habe ich doch immer so gut aufgepaßt und gleich alle in die dafür bestimmte Tüte gepackt... Diethard ist traurig, ich relativ zufrieden, dass nur einer fehlt.... Also beim nächstenmal müssen wir das System verfeinern, sage ich. Im Reisenotizbuch wird in Zukunft jedesmal notiert, wenn ein neuer Film eingelegt wird und nummeriert werden sie auch noch. Beim nächstenmal bringen wir bestimmt alle mit nach Hause. |
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Als es ganz dunkel ist, lösen wir uns von dem Schauspiel aber nicht lang. Denn bei Doyles bekommen wir um diese Zeit noch einen Superplatz direkt am Wasser, mit Blick zum Opera House. Die Temperatur auch in der Dunkelheit noch angenehm. Der Fisch ich probier mal wieder meinen geliebten Barramundi schmeckt ganz gut, ich hätte mir allerdings in diesem Restaurant eine raffiniertere Zubereitung vorgestellt. Die Preise sind nicht unverschämt, aber doch der Lage angemessen... Die Atmosphäre hier ist herrlich, Frieden in unserem Herzen, so einen schönen Urlaub wie diesen hatten wir noch nie. Also stellen wir fest, vielleicht wäre Sydney doch der Ort fürs Rentenalter....? Und nun? Was jetzt? Gleich nach Hause, oder erst mal noch ins Nachtleben? Gibts doch hier ein Rotlichtviertel, Kings Cross... Mit der S-Bahn müssen wir doch auch mal fahren. Schließlich muß man in einer Stadt doch auch die Fortbewegungsmittel "erfahren". Die Haltestelle ist da drüben, vorbei am Circular Bay, da tost nun das Leben. Heute nachmittag standen da haufenweise Tische mit weißen Stühlen, ganz leer. Heute abend platzt alles aus den Nähten. Außenrum lauter Buden mit verschiedenem Essen, vietnamesisch, thailändisch, chinesisch... Da sitzen Krawattenträger am Brunnenrand, mit den Fingern futtern sie aus der Tüte, schon ein goldiger Anblick. |
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Kings Cross, die Reeperbahn von Sydney. Ein eher harmloses Sträßchen, wenn auch ein paar Damen auffällig unauffällig herumstehen. Es gibt auch ein paar Bars mit Anreißern, aber die sind ausgesprochen zurückhaltend. Dazwischen ganz normale Läden, PC, Klamotten... Ein uriges Lokal gibts da, hat Gudrun gesagt, das mit dem Indianer davor. Da kann man ruhig reingehen. Tun wir dann auch. Großes Lokal mit einer kleinen Tanzfläche. Zwei ältere, arg übriggebliebene Damen tanzen da. Ihre besten Jahre sind schon länger vorbei. Ich mache auch mal einen kurzen Ausflug und wackle mit, ernte aber bitterböse Blicke. Ob die in mir Konkurrenz vermuten...? Oben, rundrum um die Bar, hängen Visitenkarten, eine neben der anderen. Diethard zeigt grinsend auf eine, tatsächlich, da hängen doch nun meine "ideen für menschen" mitten hier in Sydney. Naja, vielleicht besucht uns ja ein Single auf unseren Internetseiten. Gabs doch schon eine Menge Frauen in Australien, die wir jetzt kennenlernten, die mit dem Gedanken spielten, bei uns eine Kontaktanzeige aufzugeben. Aber getan haben sie es dann doch nicht... Neben mir ein Betrunkener, er ist sehr mitteilsam. Was ich denn alles in mein Buch reinschreibe? Das interessiert ihn. Wo wir dann herkommen? Wo wir hingehen...? Wir gehen jetzt nach Hause. War nochmal nett, das Lokalkolorit von Kings Cross. Aber es reicht jetzt. Zurück nehmen wir das Taxi, Bondi Beach und unser Hotel stehen noch. Die Badewanne lockt und zu zweit ist das Leben doch auch gemütlich.... |
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