Alles noch still im Haus?
Mal nachgucken, was abgeht. Peter ist schon auf, Bronwyn noch erschöpft, das liebe Kind
raubte ihr viel Schlaf.
Das Frühstück gestaltet sich sehr formlos, jeder macht
sich einen Toast, Butter drauf und Marmelade, nein danke, bloß kein Vegemite.
Peter repariert Büromaschinen, er ist selbständig, und
heute morgen unterwegs. Wir ziehen zu fünft los, Allie, Bronwyn und Ben, Diethard und
ich. Zum Parlamenthouse. Das wollen wir natürlich unbedingt sehen.
Ich hab keine Lust mehr zum Notizenschreiben. Nase voll.
Die Tage jetzt sind viel mehr der Kommunikation gewidmet als dem Sightseeing...
Unterwegs begegnen wir einem Wahrzeichen von Canberra
auf einer hohen Säule vor Verteidigungsministerium steht ein stolzer Adler, einst
ein Geschenk von den amerikanischen Verbündeten. Allein man muss schon recht genau
hinaufschauen, um den Adler zu erkennen, und weil dessen Schwingen viel eher langen
Hasenohren ähneln, heißt das Viech im Volksmund spöttisch "rabbit on the
stick".
Das Parlamenthouse ist ein beeindruckender Bau mitten in
der von einem Architekten entworfenen und künstlich angelegten Reißbrettstadt. Dem
Umriß eines abgetragenen Hügels nachempfunden, schmiegt es sich harmonisch in die
Landschaft, und über eine große, sanft ansteigende Rasenfläche kann man den Politikern
"aufs Dach steigen".
Oben trohnt ein hoher Flaggenmast, an dem stolz die
australische Fahne weht in der zweifachen Größe eines Tennisfeldes, wie man uns
versichert. Vor dem Eingang ein großer Brunnen mit einem farbigen Riesenmosaik, das ein
Aborigine-Künstler entworfen hat.
Canberra die Hauptstadt Australiens, ein
Kompromiß, um keine der beiden "alten Konkurrentinnen" Sydney und Meldbourne
den Vorzug zu geben, und um sowohl die Weißen als auch die Aborogines zufriedenzustellen.
Canberra ist ein Aborigine-Wort und bedeutet: Treffpunkt.
Nach den üblichen Sicherheitskontrollen besuchen wir
auch den Parlamentssaal, in dem gerade eine Debatte läuft. Nun, oder wie nennt man den
Zustand, wenn im Parlament einer eine Rede hält und keine 10 Parlamentarier anwesend
sind? Wie auch immer, zumindest Ben behagt die Situation nicht und er fängt mitten auf
der Besuchertribüne an zu weinen. Der Redner wirft einen irritierten Blick zu uns herauf,
läßt sich aber natürlich nicht aus dem Konzept bringen. Bronwyns Versuche, Ben durch
bewährte Ansaugtechniken zum Schweigen zu bringen, scheitern, so dass wir grinsend die
Tribüne wieder verlassen.
Ben schreit wie am Spieß, während wir zur Tiefgarage
fahren. Bronwyn erledigt noch einen Anruf, wir sehen sie zwar nicht mehr, weil sie um die
Ecke biegt. Aber am Gebrüll ihres Sohnes können wir mühelos orten, wielange sie sich
entfernt und wann sie wiederkommt.
Kaum im Auto, gibt das Menschenbündel Ruhe und auch auf
der Fußgängerzone, während wir ihn in seinem behaglichen Buggy schaukeln. Beim
Mittagessen gesellt sich auch Peter zu uns. Die Zahlerei funktioniert genau so
unkompliziert wie in Alice Springs. Jeder geht rein und zahlt seinen Teil, fertig.
Peter geht wieder arbeiten, wir fahren zum Telstra
Tower, dem Fernsehturm mit der schönen Aussicht. Als wir reinkommen, grinsen die beiden
Frauen. Eine Telefonkabine ist kaputt, ein Schild hängt dran. Peinlich, peinlich, wenn im
Telekom-Tower nicht mal das Telefon funktioniert... |
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Vor dem Parlament

Hier kann man den Politikern auf den Kopf steigen
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Von oben hat man einen
herrlichen Blick auf die künstlich angelegten Seen und die
"Reißbrett-Struktur" der Stadt mit ihren riesigen Grünflächen. Den Blick
begucken wir uns ausgiebig von ganz oben bei einem Cappucino schließlich ist es
auch für Bronwyn und Allie das erste Mal, dass sie hier oben sind, dann wirds auch
schon Zeit, zurückzufahren. Um fünf hab ich einen Termin bei Bronwyns Arzt, denn
mein Arm wird immer schlimmer, ich kann ihn kaum bewegen.
Kommst du alleine klar, grinst der Gatte? Wirst dich
schon verständlich machen. Komisch, wenn keiner da ist, der dolmetscht, dann funktioniert
das durchaus einigermaßen. Jedenfalls jagt mir der Arzt eine Cortisonspritze rein, glaube
ich jedenfalls. Tut noch zwei, drei Tage weh, meint er, dann wirds besser. 35 Dollar
kostet der Spaß. Helfen tuts allerdings nicht, wie sich in den nächsten Tagen
zeigt.
Allie kocht heute für uns, erzählt Bronwyn. Sie bringt
das Essen nachher mit. In einer Stunde oder so. Nun, wir lernen noch, Allies Stunden gehen
anders.... doch als der Hunger immer größer wird, erscheint sie dann endlich mit
einem Riesentopf Spaghetti und einer saftigen Quiche. Die hat Richard gemacht. Mit
Fertigteig aus dem Supermarkt, stellt sich raus. Schmeckt aber prächtig. Und so saftig.
Das kommt von den Straußeneiern, hören wir.
Wieder ein gemütlicher Abend mit viel Lachen und viel
Spaß. Mit unseren mailfriends haben wir wirklich Glück gehabt, freuen wir uns. Diese
Treffen bereichern den ganzen Urlaub noch ungemein.
Bronwyn freut sich auch: Hab noch gar keine Arbeit
gehabt, gestern hat die Schwiegermutter gekocht, heute Allie... Sollen wir auch mal
kochen, frage ich unbedacht, eigentlich gar nicht so ernst gemeint.... Bronwyn grinst
begeistert: Prima, dann kocht ihr morgen. Was gibts denn?
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Blick vom Telstra Tower
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