21. Oktober: Erste Eindrücke der Reissbrettstadt

Canberra

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Alles noch still im Haus? Mal nachgucken, was abgeht. Peter ist schon auf, Bronwyn noch erschöpft, das liebe Kind raubte ihr viel Schlaf.

Das Frühstück gestaltet sich sehr formlos, jeder macht sich einen Toast, Butter drauf und Marmelade, nein danke, bloß kein Vegemite.

Peter repariert Büromaschinen, er ist selbständig, und heute morgen unterwegs. Wir ziehen zu fünft los, Allie, Bronwyn und Ben, Diethard und ich. Zum Parlamenthouse. Das wollen wir natürlich unbedingt sehen.

Ich hab keine Lust mehr zum Notizenschreiben. Nase voll. Die Tage jetzt sind viel mehr der Kommunikation gewidmet als dem Sightseeing...

Unterwegs begegnen wir einem Wahrzeichen von Canberra – auf einer hohen Säule vor Verteidigungsministerium steht ein stolzer Adler, einst ein Geschenk von den amerikanischen Verbündeten. Allein – man muss schon recht genau hinaufschauen, um den Adler zu erkennen, und weil dessen Schwingen viel eher langen Hasenohren ähneln, heißt das Viech im Volksmund spöttisch "rabbit on the stick".

Das Parlamenthouse ist ein beeindruckender Bau mitten in der von einem Architekten entworfenen und künstlich angelegten Reißbrettstadt. Dem Umriß eines abgetragenen Hügels nachempfunden, schmiegt es sich harmonisch in die Landschaft, und über eine große, sanft ansteigende Rasenfläche kann man den Politikern "auf’s Dach steigen".

Oben trohnt ein hoher Flaggenmast, an dem stolz die australische Fahne weht – in der zweifachen Größe eines Tennisfeldes, wie man uns versichert. Vor dem Eingang ein großer Brunnen mit einem farbigen Riesenmosaik, das ein Aborigine-Künstler entworfen hat.

Canberra – die Hauptstadt Australiens, ein Kompromiß, um keine der beiden "alten Konkurrentinnen" Sydney und Meldbourne den Vorzug zu geben, und um sowohl die Weißen als auch die Aborogines zufriedenzustellen. Canberra ist ein Aborigine-Wort und bedeutet: Treffpunkt.

Nach den üblichen Sicherheitskontrollen besuchen wir auch den Parlamentssaal, in dem gerade eine Debatte läuft. Nun, oder wie nennt man den Zustand, wenn im Parlament einer eine Rede hält und keine 10 Parlamentarier anwesend sind? Wie auch immer, zumindest Ben behagt die Situation nicht und er fängt mitten auf der Besuchertribüne an zu weinen. Der Redner wirft einen irritierten Blick zu uns herauf, läßt sich aber natürlich nicht aus dem Konzept bringen. Bronwyns Versuche, Ben durch bewährte Ansaugtechniken zum Schweigen zu bringen, scheitern, so dass wir grinsend die Tribüne wieder verlassen.

Ben schreit wie am Spieß, während wir zur Tiefgarage fahren. Bronwyn erledigt noch einen Anruf, wir sehen sie zwar nicht mehr, weil sie um die Ecke biegt. Aber am Gebrüll ihres Sohnes können wir mühelos orten, wielange sie sich entfernt und wann sie wiederkommt.

Kaum im Auto, gibt das Menschenbündel Ruhe und auch auf der Fußgängerzone, während wir ihn in seinem behaglichen Buggy schaukeln. Beim Mittagessen gesellt sich auch Peter zu uns. Die Zahlerei funktioniert genau so unkompliziert wie in Alice Springs. Jeder geht rein und zahlt seinen Teil, fertig.

Peter geht wieder arbeiten, wir fahren zum Telstra Tower, dem Fernsehturm mit der schönen Aussicht. Als wir reinkommen, grinsen die beiden Frauen. Eine Telefonkabine ist kaputt, ein Schild hängt dran. Peinlich, peinlich, wenn im Telekom-Tower nicht mal das Telefon funktioniert...

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Vor dem Parlament

 

 

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Hier kann man den Politikern auf den Kopf steigen

Von oben hat man einen herrlichen Blick auf die künstlich angelegten Seen und die "Reißbrett-Struktur" der Stadt mit ihren riesigen Grünflächen. Den Blick begucken wir uns ausgiebig von ganz oben bei einem Cappucino – schließlich ist es auch für Bronwyn und Allie das erste Mal, dass sie hier oben sind, dann wird’s auch schon Zeit, zurückzufahren. Um fünf hab‘ ich einen Termin bei Bronwyns Arzt, denn mein Arm wird immer schlimmer, ich kann ihn kaum bewegen.

Kommst du alleine klar, grinst der Gatte? Wirst dich schon verständlich machen. Komisch, wenn keiner da ist, der dolmetscht, dann funktioniert das durchaus einigermaßen. Jedenfalls jagt mir der Arzt eine Cortisonspritze rein, glaube ich jedenfalls. Tut noch zwei, drei Tage weh, meint er, dann wird’s besser. 35 Dollar kostet der Spaß. Helfen tut‘s allerdings nicht, wie sich in den nächsten Tagen zeigt.

Allie kocht heute für uns, erzählt Bronwyn. Sie bringt das Essen nachher mit. In einer Stunde oder so. Nun, wir lernen noch, Allies Stunden gehen anders.... doch als der Hunger immer größer wird, erscheint sie dann endlich – mit einem Riesentopf Spaghetti und einer saftigen Quiche. Die hat Richard gemacht. Mit Fertigteig aus dem Supermarkt, stellt sich raus. Schmeckt aber prächtig. Und so saftig. Das kommt von den Straußeneiern, hören wir.

Wieder ein gemütlicher Abend mit viel Lachen und viel Spaß. Mit unseren mailfriends haben wir wirklich Glück gehabt, freuen wir uns. Diese Treffen bereichern den ganzen Urlaub noch ungemein.

Bronwyn freut sich auch: Hab noch gar keine Arbeit gehabt, gestern hat die Schwiegermutter gekocht, heute Allie... Sollen wir auch mal kochen, frage ich unbedacht, eigentlich gar nicht so ernst gemeint.... Bronwyn grinst begeistert: Prima, dann kocht ihr morgen. Was gibt’s denn?

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Blick vom Telstra Tower

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