20. Oktober: Und wieder neue Mailfreunde

Adelaide - Sydney - Canberra

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Kurz vor elf sitzen wir mal wieder im Flugzeug. Diesmal eine große Maschine. Das Ziel ist Sydney, dort werden wir abgeholt von Bronwyn und Peter, zusammen mit dem "neuen" Baby, Benjamin, drei Wochen ist er alt und die Nachricht von seiner Geburt erreichte uns gerade noch eine halbe Stunde, bevor wir losflogen. Drei Wochen ist das erst her, doch es kommt uns viel länger vor. Jeder einzelne Tag brachte so viel unterschiedliches zu gucken. Das letzte Urlaubsdrittel wollen wir nun gemütlich angehen lassen, weniger Sightseeing, dafür mehr Kontakte, denn hier erwarten uns gleich zwei mailfriend-Paare.

Bronwyn und Peter wohnen in Canberra. Eigentlich hätten wir ja gleich direkt hinfliegen können, aber irgendwie war uns da ein Planungsfehler unterlaufen.

Nun, wir hätten ja auch mit dem Zug weiterfahren können, aber die beiden bestanden darauf, uns mit dem Auto abzuholen, die Strecke von Sydney nach Canberrasei auch landschaftlich sehr schön.

Der Flieger landet pünktlich. Wir beide streben den Koffern zu, und schon grinst uns ein Pärchen an. Wir haben die Gesichter auf Bildern schon gesehen. Noch dazu trägt die Frau ein Baby im Arm.

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Wir werden bei ihnen wohnen. Fünf Tage lang. Ein Risiko, sagte ich im Vorfeld zum Gatten. Mit einem neugeborenen Kind... Laß uns doch lieber in ein Hotel gehen, da kann man sich auch mal zurückziehen und hat seine Ruhe. Wer weiß, vielleicht kommen wir ja auch nicht klar... Doch der, unkompliziert wie immer, lachte bloß: Wird schon klappen. Frauen machen sich immer so viel Sorgen...

Und Peter und Bronwyn hatten geschrieben: Wir laden Euch ein. Bleibt bei uns. Wenn das Baby schreit oder es sonst irgendwelche Probleme gibt, könnt Ihr ja immer noch in ein Hotel gehen. Ist gar nicht weit weg.

Die beiden, bzw. die drei, machen einen netten Eindruck. Fünf Tage allerdings, sinniere ich, fünf Tage könnten doch verdammt lang werden. So viel gibt Canberra, die Hauptstadt von Australien, an Sightseeing doch nicht her. Vielleicht wird’s uns stinklangweilig, nachdem wir jetzt seit drei Wochen doch ständig in Bewegung waren...

Es stellt sich heraus, dass die Sorgen unnötig sind. Die Zeit geht ganz im Gegenteil sehr schnell vorbei, wir treffen noch eine zweite mailfreundschaft von Diethard, Allie. Sie ist oft in Canberra, wohnt aber in Cooma, eine Autostunde entfernt. Von ihren Pferden hat sie schon oft erzählt, wir sollen auch mal reiten. Sie hat im Moment auch Urlaub, Ihr Freund Richard wohnt in auch Canberra, und so verbringen wir die nächsten fünf Tage zum großen Teil gemeinsam. Es macht großen Spaß mit allen vieren, so völlig unkompliziert, wie sie das alles handhaben.

Der Nachmittag vergeht mit der Fahrt nach Canberra. Ich sitze hinten, neben dem Knuddelbaby Ben, ist doch mal wieder was für mich. Bloß kein eigenes mehr, Gott bewahre, über das Alter bin ich ja auch längst hinaus. Und insgesamt vier Kinder, auch wenn die meisten davon angeheiratet sind, reichen ja wohl, oder..?

Wir sind zum Abendessen eingeladen bei Peters Eltern. Die sind doch auch neugierig auf die Fremden. Können wir irgendwo noch ein paar Blumen für deine Mutter besorgen, frage ich Peter. No problem.

Unterwegs machen wir ausgiebige Rast, so ist es schon fast dunkel, als wir in Canberra ankommen. Peters Eltern warten schon, dank Handy ist das Kochtiming perfekt. Der Tisch biegt sich unter all den leckeren Sachen. Als der Nachtisch kommt, drei verschiedene Sorten, grinst Bronwyn: Hey, so viel habe ich ja hier noch nie gekriegt, Schwiegermama, Du hast dir ja unheimlich viel Mühe gemacht. Da bring‘ ich in Zukunft noch mehr Fremde mit.

Die Männer gehen zum Rauchen nach draußen. Scheint weit verbreitet zu sein, die Sitte, dass nicht nur in Lokalen, sondern auch in Privathäusern, draußen geraucht wird. Nicht unangenehm für mich als Nichtraucher. Peter und Diethard haben auch schnell eine Ausrede dafür parat: Weather Check, so nennen sie die häufigen Raucherpausen.

Benjamin, satt, frischgewickelt, liegt während wir essen, auf dem Wohnzimmerteppich, in einem äußerst praktischen Kissen, aus dem er nicht rausfallen kann und sich wohl so sicher fühlt wie in Abrahams Schoß. Dieses Kissen hat nämlich die Form eines Bumerangs. Ist auch zum Lesen im Bett ganz toll, meint Bronwyn. Ja, das glaube ich wohl, sowas habe ich aber in Deutschland noch nie gesehen.

Pappsatt fahren wir zu Peters und Bronwyns Haus. Ben schläft selig im warmen brummenden Auto und protestiert lauthals, als Bronwyn ihn aus seinem Sitz zerrt. Hier, machts euch gemütlich, zeigt Peter auf die Wohnzimmercouch, wir müssen erst mal was umräumen.

Peter ist geschieden, sein Sohn David, 14, lebt bei ihm. Der begrüßt uns und packt dann auch gleich mit an bei der Umräumaktion. Eine Bettcouch wird aus dem Wohnzimmer geschleppt in ein Schlafzimmer. Das aber ist vollgeramscht mit allen möglichen Sachen und muß vorher erst mal notdürftig aufgeräumt werden. Irgendwie wird das Bett im Zimmer aufgeklappt, der ganze Papierkram und was auch immer darunter gekickt, der riesengroße Teddy zwischen Schrank und Decke gequetscht und schon ist Platz für uns. Staubsaugen? Och was, wozu...

Diese lässige Art beeindruckt mich sehr. Da hätte ich doch wohl schon lang im Vorfeld aufgeräumt und hergerichtet... und eine gewisse Hektik verursacht, damit alles ja fein sauber und ordentlich ist. Das kümmert die beiden hier gar nicht und diese unkomplizierte Art macht das alles sehr einfach... Ich richte mir dann das Ganze noch ein, wie ich das brauche, verrutsche das Bett noch einen halben Meter, kicke noch ein paar Ordner drunter. Fertig, für die nächsten Tage reicht das, der Koffer bleibt auf dem Boden, ein paar Sachen häng ich auf und den Rest wühl ich mir aus. Hab keine Lust mehr, den ganzen Kladderadatsch hin- und herzusortieren...

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Bronwyn mit "Frischling" Ben

Allie und Richard sind gleichzeitig mit uns eingetroffen, und bald sitzen wir zu sechst fröhlich im Wohnzimmer. Bronwyn schläft zwar fast im Sitzen ein, denn das liebe Kind verlangt natürlich auch nachts sein Recht. Ganz so anstrengend hab ich mir das nicht vorgestellt, stöhnt sie. Dass so ein paar Pfündchen Mensch zwei große Erwachsene so nach seiner Pfeife tanzen läßt...

Ich weiß das noch, auch wenn die Kids heute groß sind und auf eigenen Füßen stehen – und so sorge ich vor, in meinem Schlaf-Koffer-Chaos herrscht Ordnung, und die Ohropax liegen griffbereit. In den ganzen Nächten höre ich nicht einen Ton, liegts an den Ohropax oder an meinem tiefen Schlaf. Anscheinend sind die Tage so anstrengend, dass wir beide nachts tief und fest schlafen, ich glaube, man könnte mich wegtragen, ich würde es nicht merken.

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Unsere Mailfreundin Allie

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