19. Oktober: Von glücklichen Schafen und einem traumhaften Flug

Kangaroo Island - Adelaide

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Nach einem Stadtbummel durch die wenigen Strassen von Kingscote fahren wir zu einer Honigfarm. 250 km sind auch heute wieder zu bewältigen. Auf der Honigfarm lernen wir einiges über Bienen und essen zum erstenmal im Leben ein Honigeis. Schmeckt köstlich. Der Honig eignet sich doch wunderbar als Mitbringsel, nicht wahr? Also noch schnell was einpacken.

Danach steht die Eucalytpus-Farm auf dem Programm. Die Farmerin erklärt genau den Werdegang des berühmten Öls. Es stinkt gottserbärmlich aus einem Kessel. Während wir den Ausführungen lauschen, steht Diethard abseits und streichelt ein Känguruh. Das wiederum macht sich an seinem Schnürsenkel zu schaffen und es ist dann etwas schwierig, dem Tierchen den Schuh samt Schenkel zu entreißen. Die Metallhülse vorne hat es jedenfalls abgeknabbert und mit gutem Appetit verspeist.

Wir dürfen alle mal das Öl aufs Handgelenk tupfen. Gibt bestimmt ein "gutes Gschmäckle" nachher im Bus. Angeblich kann man das Öl für alles verwenden, vom Kloputzen bis zur inneren Anwendung. Auch für Arthritis soll es gut sein. Ich schmiere meinen schmerzenden Ellbogen, den "Tennisarm" spüre ich seit drei Wochen wieder deutlich, damit ein, kurzfristig wird es sogar besser – glaube ich. Aber es hält nicht lange an, ich muß unbedingt in Canberra zum Arzt gehen, nehme ich mir vor.

Die Ölherstellung ist kompliziert, da gibt’s viel zu erzählen, natürlich auch wieder in Englisch. So vertreibe ich mir die Zeit damit, Leute zu beobachten. Einer in unserer Gruppe hat eine weiße Plastiktüte dabei, scheint was Eßbares drin zu sein. Denn das äußerst zutrauliche, schon eher aufdringliche Känguruh schnuppert daran. Der Mann lächelt und hält seine Türe höher. Kein Hindernis für das Känguruh. Es richtet sich halt auf. Der Mann hält die Tüte noch etwas höher, das Känguruh richtet sich noch etwas mehr auf, kratzt hörbar über den Anorak des Touristen, die Viecher haben ganz schön scharfe Krallen, und der Mann fühlt sich sichtlich gar nicht wohl.

Während der Busfahrer als Retter naht, versteckt der Mann die Tüte auf seinem Rücken, eine Frau neben ihm nimmt sie ab und reicht sie weiter. Die Beute ist weg. Und das ausgesprochen doofe Gesicht des Känguruhs löst ein helles Gelächter in der Runde aus.

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Emu-Frischling

Ein Naturschutzpark ist das nächste Ziel. Bunte Vögel in Käfigen, Känguruhs in Gehegen. Um die Ecke auf einem niederen Baum ein Koala-Bär. Jeder darf mal streicheln, armes Viech. Er läßt das geduldig über sich ergehen. Hat aber auch ein schönes, weiches Wuschelfell. Nur einmal, als ihm eine Kamera nahe kommt, blitzt es in seinen Augen auf und er hangelt sich am Baumstamm lang. Zurück, rät die Farmerin, gehen Sie zurück, wenn Sie Ihre Kamera noch länger behalten wollen.

Alles versammelt sich um den Vorzeige-Koala-Bär. Dass hintendran ein weiteres Pärchen selig in der Sonne döst, fällt nur ganz wenigen auf. Die beiden sind ja zu süß, wie sie in ihrer Löffelchenstellung engumschlungen auf dem Ast sitzen.

Komisch, nebendran ist ein Gehege mit fetten Schweinen, kein Mensch kümmert sich um sie, und keiner will sie streicheln. Niemand beachtet die armen Viecher, während sich alle Kameras auf die bunten Papageien, die possierlichen Kängurus - bei einem lugt ein Junges frech aus der Tasche - und die ach so süßen Koalas stürzen.

Eine Hummerfarm gibt’s auch noch. Wir kriegen die Fischbecken gezeigt. Ein ausgeklügeltes System aus leeren und gefüllten Wasserlöchern, mit Autoreifen drin, die dienen als Versteck für die Hummer.

Wer will, kann auch für 5 $ mal einen "Hummer tasten". Zusätzlich ist noch ein Tisch aufgebaut mit Tee und scones, die berühmten Brötchen, die mit Marmelade und saurer Sahne bestrichen werden, und die Barry für uns zuhause auch gebacken hat.

Eine Sheep-Farm besuchen wir noch. Es ist wahrhaft erstaunlich, was diese Insel mit ihren 3.900 Einwohnern alles auf die Beine stellt. In all diesen Betrieben stecken eine Menge Ideen, Innovationen und Pioniergeist. Wie der Fahrer erzählt, wird auch einiges geboten an Sportvereinen und kulturellem Leben.

Die Sheep-Farm hat einen Besucherraum mit Holzbänken und Videogerät und Sicht auf die Schafe. Die Bäuerin hat ein Kind auf den Rücken gebunden und eine Stimme, die an eine Kreissäge erinnert und fast an Körperverletzung grenzt. Wenn sie so schnell schafft wie sie spricht, leistet sie ein beachtliches Pensum.

Wir dürfen zugucken, wie die Schafe gemolken werden. Mit deutscher Technik. Klappt nicht gleich auf Anhieb. Die Schafe kriegen ein Teil auf die Euter gestülpt, das automatisch melkt. Der Stülpvorgang scheint zu kitzeln...

Danach kosten wir noch verschiedene Schafskäse- und Yoghurtsorten... Hmm, ich bin mal ausgesprochen gespannt, wie mein Magen nachher beim Flug reagiert – mit all der Eis-Honig-Eukalyptusbonbon-Hummer-Scones- und Marmelade- und Yoghurtmischung. Wir drücken Thomas und Bettina, die wir heute kennengelernt haben, noch unsere mailadresse in die Hand. Thomas interessiert sich sehr für unsere Bilder und den Reisebericht. Wir haben ja schon ein paar Visitenkärtchen verteilt. Sind wir doch mal gespannt, wer sich dann später zu Hause tatsächlich meldet...

Wir sind die einzigen, die dann am International airport aussteigen. International – es geht overseas. Wir fliegen mit der Emu Airways. Ein Miniflughafen ist das hier in Kingscote, doch er beherbergt 4 Fluglinien, sogar eine Ansagerin gibt’s und zwei Gates, zwei Meter auseinander.

Auch hier gibt’s Recycling-Boardkarten, die beim Einsteigen wieder eingesammelt werden. Einige Japaner sitzen auf den Stühlen, drei junge japanische Frauen schauen sich fassungslos in dem kleinen Gebäude um, ihr Blick bleibt hängen auf den kleinen Maschinen da draußen. Die fassen auch bloß zehn, zwölf Leute..

Es geht auch Schlag auf Schlag, die Gäste "strömen" in die kleinen Maschinen, die starten. Dass sie nicht runterfallen, scheint die drei Mädchen etwas zu beruhigen. Trotzdem sprechen ihre Gesichter Bände.

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Es wird bald dunkel werden. Unsere Maschine rollt an. Was ein Riesending, 34 Plätze hat es. Und damit ist das mit Touristen gut besetzte Flughafengebäude auch leergeräumt.

Beim Einsteigen hat man das Gepäck im Auge, ist doch auch schön, zu sehen, dass die Tasche eingeladen wird. Ist ja immer so eine Horrorvorstellung, dass das Gepäck ganz woanders hinfliegt – wir hatten das Pech gottseidank noch nie.

Inzwischen habe ich ja schon einen Hubschrauberflug hinter mir und die kuschlige 19-Plätze-Maschine von Coober Pedy nach Adelaide, so kann mich dieses Flugzeug auch nicht mehr schrecken. In der Reisegruppe hatte ich doch mit einiger Genugtuung vernommen, dass mehrere Frauen sich geweigert hatten, einen Rückflug zu buchen und stattdessen lieber mit Fähre und Bus zurückwollten.

Der Flug nach Adelaide dauert vielleicht eine halbe Stunde. Aber in dieser Maschine kann man sich aufrecht bewegen und hier gibt’s sogar eine richtige Stewardess. Sie serviert tatsächlich auch Essen – wie Rotkäppchen trägt sie einen kleinen Bastkorb herum mit zwei Keksen drin pro Mann. Und ein Glas Mineralwasser oder O-Saft noch dazu. Richtig niedlich.

Der Flug erweist sich als traumhaftes Erlebnis, mitten in den Sonnenuntergang hinein. Vor dem grell orangefarbenen Hintergrund türmen sich weiße Wolkengebirge auf, das blaue Meer glitzert direkt unter uns. So nah dran waren wir noch nie an einem Sonnenuntergang. Die Nase ans Fenster gepreßt, denn auch hier hat jeder einen Fensterplatz, verfolgen wir das wunderschöne Schauspiel. Man könnte fast heulen, so schön ist es.

Und ich denke mal wieder dankbar an Bernd von Australia Connections, der uns diese Reise zusammengestellt hat. Heute hatten wir mal Gelegenheit, Preise zu vergleichen, denn für die "Reisebausteine" dieser beiden Tage auf Kangaroo Island haben wir Prospekte mit Einzelpreisen für die Selbstbucher gefunden. Es stellt sich heraus, dass alles zusammengerechnet teurer ist als der Preis, den wir Bernd bezahlt haben. Es scheint auch so, als hätte er aus dem Angebot wirklich das Beste herausgepickt. Für uns als Verbraucher, stellen wir immer wieder fest, ist das eine feine Sache, verbrauchen wir doch keine wertvolle Zeit für Such- und Organisationsarbeit, ärgern uns nicht über verpatzte Gelegenheiten, und können uns voll dem Vergnügen widmen.

Nach diesem traumhaften Ausklang ist die Seele satt. Den Koffer noch abstellen im Hotel, heute abend gehen wir nochmal in die "Stammkneipe", das Indochine, das Essen ist heute auch wieder genauso lecker wie vorgestern, (Geheimtip, die Nr. 53), die Bedienungen genauso freundlich und der Cocktail genauso gut.

Wer weiß, vielleicht kommen wir sogar mal wieder her, vielleicht nicht gerade nach Adelaide, aber nach Australien ganz bestimmt.

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Abendstimmung auf Kangaroo Island

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