18. Oktober: Tierleben Kangaroo Island |
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Um halbsieben sind wir an der Haltestelle, der Jeep auch. Ein junges Pärchen sitzt schon drin: good morning oder guten Morgen? frage ich. Guten Morgen schallt es zurück, wir unterhalten uns lebhaft, die beiden sprechen ein wirklich gutes gepflegtes Deutsch. Im Lauf der Zeit stellt sich raus, die beiden sind in Namibia geboren in einer deutschen Kolonie und leben dort. Die Kinder dort werden gleich dreisprachig erzogen: Englisch, deutsch, Afrikaans. Ist schon ein großer Vorteil, von klein auf mehrere Sprachen zu lernen, denke ich. Der Busfahrer spricht zwar auch ein recht gutes Englisch, aber mir fehlts halt wieder am Verständnis... Eine gute Stunde Fahrt zur Fähre liegt vor uns, durch die Weingüter, sanfte Hügel, Kühe, Schafe... An der Fähre treffen wir auch Elke und Wolfgang wieder. Es zieht gewaltig. Die junge Frau an der Kasse mahnt: Halten Sie Ihre Tickets gut fest, wenn sie raufgehen auf die Fähre. Sonst landen sie schnell im Wasser... Die Überfahrt dauert etwa eine Dreiviertelstunde, ein Tee wärmt unsere kalten Glieder auf. In Kangaroo Island ist es leider auch nicht viel wärmer. Manchmal kommt zwar die Sonne raus, doch der Wind zerrt an uns und bläst durch bis auf die Knochen. Gottseidank haben wir ja unsere Regenjacken dabei, praktische Dinger. Lassen sich einigermaßen zusammenknuddeln, passen grade in so nen Gefrierbeutel mit Verschluß, und so haben beide Jacken Platz im Rucksack. In Kangaroo Island steht schon der Bus bereit, erst mal den Koffer wieder finden, wir bleiben über Nacht und kommen morgen abend wieder zurück nach Glenelg, einen Koffer nehmen wir dann jedesmal mit, der andere bleibt im luggage-room des Hotels. |
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Die Insel ist groß, mit einer Länge von 155 km und einer Breite von 55 km ist sie die drittgrößte Insel des australischen Festlandes und besteht zu einem Drittel aus Nationalparks und Schutzgebieten, also ein idealer Platz, um Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Anhand der ausgeteilten Karten verfolgen wir die Route. Die Fahrt bis zum ersten Haltepunkt, der Seal Bay, zieht sich ganz schön lange hin. Still meutere ich innerlich vor mich hin der Hintern tut mir weh, ich kann kaum mehr sitzen, und eigentlich habe ich inzwischen die Nase auch voll vom Busfahren, und vom dauernden Umpacken, und überhaupt werde ich beim nächsten Mal bestimmt weniger mitnehmen... Doch an der Seal Bay ist die Meuterei wieder vergessen. Mit einem Parkwächter gehen wir an den Strand. Dort liegen haufenweise Seehunde, beachtliche Viecher, faul ausgestreckt platsch im Sand. So schlapp wie Touristen, wenn sie stundenlang im Bus rumhängen. Sie sehen ja recht harmlos, diese Viecher, aber sie mögen es gar nicht, wenn die Touris ihnen zu nahe auf die Pelle rücken, teilen Hinweisschilder und der Parkwächter mit. Wenn sie sich bedroht fühlen, können sie sehr aggressiv werden. Vorsicht, aus dem Weg, warnt der Parkwächter eine Gruppe Leute. Tatsächlich, von oben runter rollt ein Seelöwe den Hügel runter, direkt auf die Touris zu. Scheint im Spaß zu machen, die Rutschpartie im Sand. Alle treten auf die Seite, keiner verspürt Lust, ihm im Weg herumzustehen. Aus den Wellen taucht ein Seehund auf, watschelt mit letzter Kraft ein paar Meter auf den Strand zu und platscht platt auf den Sand. Doch ein, zwei Minuten später umspült eine Welle sein Hinterteil, unwirsch, so sieht es aus, hievt er sich wieder hoch und watschelt drei Meter weiter. Bis zur nächsten Welle, dann hat er die Schnauze voll und begibt sich weit genug auf den Strand. Ein anderer kriecht aus dem Wasser, richtet sich auf, und verharrt in der Haltung regungslos, mindestens eine Viertelstunde lang, sieht aus wie ein Sonnenanbeter. Weiter hinten stupst ein Junges die Mutter an, bis sie sich in eine Lage bequemt, die ihm das Trinken ermöglicht. |
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Rein in den Bus, weiterfahren. Nach einiger Zeit biegen wir in eine Straße ein, hier gibts offensichtlich Koala-Bären. Aber wo? Es dauert seine Zeit, aber dann entdeckt man sie tatsächlich, wie sie in den Bäumen hängen, gut getarnt. Ist wie ein Suchspiel. Gibt sogar welche mit Kids, dicht an sich geklammert. Manche sind ganz regungslos, andere ziehen sich Äste her und futtern die Blätter vom Eukalyptusbaum. Niedlich sind sie, diese Viecher, aber auch schädlich. Weiter gehts zu atemberaubenden Aussichtspunkten über das Yacca-Flat-Gebiet, einzigartige Bäume, Pflanzen, Küstenlandschaft, dann halten wir bei den Remarkable Rocks, einer Gruppe von Granitfelsen. Vorsicht, warnen Schilder, der Wind kann sehr stark sein, die Felsen sind rutschig, wenn sie feucht sind. Es ist tatsächlich sehr windig, an ungeschützten Stellen muß man sich ja fast dagegenstemmen. Doch die Remarkable Rocks sind wirklich bemerkenswert mit ihren seltsamen wunderschönen Formen. Vom Lighthouse führt ein kurzer steiler Spaziergang zur Admirals Arch, einem natürlichen Felsenbogen in gewaltigen Dimensionen. Eine steile Treppe führt näher an heran. Eine Brutstätte von Neuseeländischen Pelzseehunden ist das, informiert uns unser Zettel. Die Felsen sind übersät mit den Tieren, die meist regungslos auf den Felsen liegen und den Rücken der Sonne darbieten. Zu diesen Felsen gibt es zwar keinen Zugang, die Touristen können sie also nicht stören. Aber auch das gesamte Gebiet drumherum ist sorgfältig geschützt vor Touristen, zu allen Aussichtspunkten führen Holzstege und überall sind nette Hinweise angebracht, diese nicht zu verlassen, um das Gleichgewicht der Vegetation nicht zu stören. Außerdem könnten sich auch die vielen Schlangen gestört fühlen, die hier zu Hause sind... Am Rocky River, eine Lichtung im Herzen des "Sugar-Gum-Waldes" finden sich Koalas und "Cape-Barren-Gänse". Eine bizarre Moorlandschaft verlockt zum Spazierengehen. Wir müssen fahren, meint der Busfahrer. Es wird Zeit, diejenigen zum Flughafen zu bringen, die heute zurückfliegen. Weit ist es nicht mehr bis Kingscote und so können wir gleich mal einen Blick auf den Flughafen werfen. Der ist ja, gemessen an Cooper Pedy, fast groß. Ziemlich durchgefroren kommen wir im Hotel an. Was Besseres mit einer wunderschönen Fassade und einer herrlichen Lage. Bernd hat uns auch ein Zimmer mit Meerblick besorgt, die Zimmerausstattung hält, was die Fassade verspricht. |
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Was ist das denn? runzelt der Gatte die Stirn und fingert nach einem Kabel, das aus dem Bett hängt. Eine Massagematratze? Eine Heizdecke? Tatsächlich, man scheint hier auf kühlere Tage eingerichtet zu sein. Schon bläst auch die Heizung und es wird gemütlich. Schließlich müssen wir uns ja auch noch aufheizen, denn heute abend haben wir noch was vor. Einen Strandspaziergang im Dunkel, Pinguine beobachten. Eine Stunde dauert das. Wenn wir uns beeilen, sind wir noch bei der ersten Tour dabei um halbacht und können uns dann in der Hotelbar noch ein bißchen Wärme verschaffen. Essen steht mir langsam bis oben hin, aber eine warme Suppe tut gut. Während Diethard ißt, flitze ich runter zur Anmeldung für die Pinguintour. Eine halbe Stunde später gehts los, mit einem Fünf-Minuten-Videofilm. Die junge Führerin liefert den Ton dazu. Da sie ziemlich viel zu erzählen hat und mit dem Film Schritt halten muß, rattert sie los wie ein Maschinengewehr... Sie hat eine spezielle Taschenlampe mit orangefarbenem Licht. Das ist die einzige, die benutzt werden darf, erklärt sie uns. Denn normale Taschenlampen blenden die Pinguine für längere Zeit. Raus in den kalten Wind. 25 Mann stolpern der rothaarigen Führerin und ihrer orangefarbenen Taschenlampe hinterher. Und tatsächlich, alle paar Meter spürt sie Pinguine auf. Kleine Pinguine, vielleicht 30 cm groß. Sie fischen nachts und bringen dann ihre Beute an den Strand. Wir bleiben hartnäckig auf ihren Spuren, rüber über die Straße, auf die andere Seite zum Strand, Holztreppe runter zu den nächsten Felsen. Saukalt ist es, der Wind pfeift um die Ohren. ich ziehe die Kapuze über. Ha, schon viel besser. Der Gatte hat auch eine Kapuze, doch er weigert sich. Tja, wer eitel ist, der muß halt frieren. Fünf Minuten später setzt er sie doch auf und flüstert mir zu: Mensch, warum hast du mir das nicht gleich gesagt? Ist ja viel angenehmer als ohne... Doch die Suche lohnt sich, immer wieder entdecken wir einen Pinguin, hinter einem Felsenverhau scheint sich Familienleben abzuspielen, hört sich fast nach Krach an aufgeregtes Gequieke, in der sonst so stillen Nacht klingt es noch lauter. Hier läßt sich auch von der Taschenlampe keiner rauslocken. Auch die Bar ist fast menschenleer, als wir gegen halbneun zurückkommen. Noch ein Absackerbier mit Elke und Wolfgang, dann verschwinden wir im warmen Zimmer. Wie alte Leute, grinst Diethard. Spätestens um zehn brav im Bett. Aber die Tage sind so vollgepackt, das Gehirn so beschäftigt, dass die Energie abends verbraucht ist. Oft muß man ja auch in aller Hergottsfrühe schon raus. Das Touristenleben ist halt ganz schön anstrengend. |
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