15. Oktober: Stilvoller Empfang im Outback

Alice Springs - Coober Pedy

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Um neun wollen wir zum Flying Doctor. Dort gibts eine Führung, hat der Busfahrer erzählt. Schnell noch Frühstück und ein paar Klamotten bügeln, dann machen wir uns auf den Weg. Die Royal Flying Doctor Station liegt nur wenige Gehminuten vom Elkira entfernt.

Ein Bus vor der Tür. Massenabfertigung. Wir drücken den Altersschnitt stark. Ein kurzer Film wird gezeigt, leider verstehe ich kaum was, der Ton ist nicht sonderlich gut. Danach wird die Touristenherde noch durch die Station geschleust. ...

Das Wetter ist herrlich. Zwei Stunden noch bis zur Abfahrt des Ghan. Gehen wir doch solang noch zum Panorama Guth, der Galerie, die uns der Taxifahrer empfohlen hatte. In der Kuppel ein gemaltes Panorama von all den Sehenswürdigkeiten rund um Alice, schön dekoriert mit Outbacksand und Pflanzen. Auf dem Weg zur Mall Street, dort wo das Leben tost in Alice, stolpern wir über ein Internetcafe. Schnell mails checken. Die Nachricht von Oliver beruhigt uns, die Networksession ist vorbei, das Haus steht noch und wird bald wieder in den normalen Zustand versetzt .. mailt er uns jedenfalls.

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Die Funkzentrale der Royal Flying Doctors in Alice Springs

Um die Ecke liegt die Mall Street. Hier begegnen wir nun etlichen Aborigines. Junge Mädchen tragen Babies auf dem Arm. Schlendern die Strasse mal vor, mal zurück. Männer sitzen in Gruppen auf Parkbänken zusammen, trinken. Ein paar Frauen unterhalten sich lautstark, sieht nach Streit aus. Sie machen keinen freundlichen Eindruck, diese Menschen, die hier zwischen alter Tradition und neuen Gewohnheiten auf der Strecke geblieben sind. Viele sind unförmig dick, die tiefschwarzen Gesichter markant, die Augen abgestumpft. Auf uns wirken sie eher hässlich als attraktiv. In Alice Springs gibt es auch ein Resort am Todds River, in dem die leben, die nirgends mehr einen Platz finden und viel trinken. Auch ihre eigene Rasse will von ihnen nichts wissen.

Noch einen Drink in der Sonne, dann machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel, um das Gepäck abzuholen. Das Taxi dauert ewig, langsam werden wir unruhig. Doch der Bahnhof ist nur wenige Minuten entfernt.

Eine lange Schlange im Bahnhof. Das Gepäck wird hier eingecheckt wie im Flugzeug. Auf dem Voucher steht, dass man eine halbe Stunde vorher da sein muss. Die halbe Stunde bis zum Boarding vergeht wie im Flug. Diethard tauscht den Voucher ein gegen das Ticket. Ich reihe mich in der Schlange ein und bewache noch das Gepäck einer Alleinreisenden. Die halbe Stunde Zeit reicht nämlich nicht für Tickettauschen und Boarding. Am Schalter gibts auch keinen Computer, alles wird per Hand eingetragen in einem grossen Buch.

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The Mall in Alice Springs - eine grüne Oase in der Wüste

Doch die Eile war gar nicht nötig. Der legendäre Ghan hat 20 Minuten Verspätung. Was ist daran wohl so legendär? Eigentlich sieht er aus wie ein ganz normaler Zug, allerdings ein sehr sehr langer, so 200 bis 300 m werden’s wohl schon sein. Vor uns zwei junge deutsche Pärchen, die den Reiseführer hin und her wälzen und versuchen, möglichst viel Programm in ihren Urlaub zu packen, aber ach, Australien ist halt so huge, es muss so viel gestrichen werden.

Hinter uns ein paar Holländer, die sind von Anfang an ziemlich gut drauf, nach einer Flasche Wein noch mehr. Der Wagen ist prall gefüllt, mehrere Bildschirme hängen an der Decke. Dauert auch nicht lange, bis ein lärmendes Video eingelegt wird, Startrek. Kaum jemand guckt hin, dafür schwillt der Unterhaltungspegel gewaltig an, schliesslich muss das Video ja übertönt werden.

Der Speisewagen ist gleich vornedran, es gibt nur Sandwich. Tja, wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir uns doch was mitgenommen. Aber später kriegen wir dann doch noch zu akzeptablen Preisen ein warmes Essen, eine willkommene Unterbrechung der langen Fahrzeit.

Acht Stunden durch das Outback. Roter Sand, Spinnifex, knorrige Bäume. Die Gegend kennen wir ja nun langsam. Diethard beschliesst, jede Stunde ein Foto zu machen, um die Veränderung der Landschaft zu dokumentieren.

Doch da verändert sich nichts bis zum Dunkelwerden. Diese endlose Weite ist wirklich faszinierend. Ein/, zweimal sehen wir in der Ferne ein paar Häuser. Fast eine Sensation.

Einmal startet ein Känguruh ein Wettrennen mit dem Ghan. Das Viech ist schnell. Eine geraume Strecke hält es mit.

Manduri ist die dritte Haltestelle. Um 1.20 sind wir losgefahren, so gegen halbsieben erreichen wir die Haltestelle Nr. 2. Kein Mensch steigt aus. Nach dem wunderschönen Sonnenuntergang ist es nun pechschwarz und nicht erkennbar: War das jetzt ein Halt auf freier Strecke oder die Station? Ein Schild können wir nicht entdecken, obwohl wir sehr angestrengt gucken.

Die Unruhe steigt. Denn im Ghan die Haltestelle zu verpassen, hat dann doch weitreichendere Folgen. Heute ist Freitag, der nachste Zug kommt erst am Dienstag.

Wir fragen im Speisewagen nach. Der Schaffner meint , nächste Haltestelle, ja. Mag sein, dass wir zwischen 8.30 und 8.40 ankommen. Kurz vor halbacht tauchen zwei Uniformierte auf im Zug. Manguri, sagen sie in die Runde. We arrive in three minutes.

Sofort gibts Bewegung im Zug. Aufstehen, Knochen zurechtrücken, Gepäck obenrunterzerren. Aus den drei Minuten werden eher zehn, dann stoppt er. Only a very short stop, ruft ein Uniformierter. Also gut, wir werden uns mit dem Aussteigen beeilen. Aber es tut sich nichts. Stau. Doch die Schlange bewegt sich nicht. Was ist los?

Umdrehen, heisst es dann. Die Tür da vorne ist kaputt. Wir müssen im Wagen vornedran aussteigen. Brav drehen wir uns alle um, stiefeln durch den Speisewagen und die erste Klasse. Doch da steht uns eine weitere Uniformierte im Weg. Hier dürfen wir nicht raus. Also umdrehen und wieder zurück. Die Deutschen, die vor uns sassen, grinsen: Oh, Ihr schon wieder. Wolltet Ihr nicht aussteigen?

Der Zug fährt weiter. Schreck. Aber nur ein kurzes Stück. Und dann dürfen wir endlich raus. Es ist jetzt halbneun. Kein Licht, kein Bahnsteig, kein Bahnhof. Weit und breit nichts. Nichts, aber auch gar nichts, was auf einen Bahnhof hindeuten könnte.

Bloss etwa 20 Touristen stehen ratlos rum. Und Gepäckstücke, die mitten auf dem zweiten Bahngleis gelagert werden. Per Taschenlampe wird ausgeladen, und Touristen stolpern zwischen den Gepäckstücken herum auf der Suche nach dem eigenen.

Gegenüber stehen ein kleiner ramponierter Bus und ein Jeep. Ich laufe über das Bahngleis auf einen Fahrer zu. Mrs Ujeeeen? fragt der.

Na bitte, Bernds Organisation ist doch hervorragend. Und so stehen wir nun unter einem klaren Sternenhimmel in einer wunderschönen warmen Nacht, und begucken ungläubig die Szene auf dem Bahngleis. Die Koffer sind immer noch nicht alle identifiziert. Die Touristen quirlen umeinander und suchen ihre Habe. Ich verziehe mich schnell in der Dunkelheit hinter einem Bus, wollte ich doch im Zug nicht mehr auf die wacklige Toilette gehen und habe lieber bis zum Bahnhof gewartet.... Gottseidank, keine Schlange schnappt zu.

Ein weiteres deutsches Ehepaar gesellt sich zu uns, Wolfgang und Elke, erfahren wir später. Wolfgang trägt einen Arm in der Schlinge. Die beiden hatten ein Auto gemietet und einen bösen Unfall mit Überschlag hinter sich. Ist zwei Tage her, doch der Schock steht Wolfgang noch ins Gesicht geschrieben. In Hermannsburg passierte das, Nähe Alice Springs. 15 km entfernt von der Ortschaft, kein Handy. Irgendwie schafften sie es, den Wagen nach Hermannsburg zu fahren...

Zu viert steigen wir ein in den Jeep. Die Tür steht offen, viele Fliegen haben sich ums Licht versammelt. Wir klettern auf die harten Rücksitze und der Fahrer fragt: do you drink a glass of champagne?

Stutz. Eine völlig unerwartete Frage hier mitten in der Wildnis. Aber warum nicht. Und so kriegen wir eine Flasche Sekt in die Hand gedrückt, Elke versucht tropffrei einzuschenken, während der Bus losrattert auf der Sandpiste und der Beifahrer die Fliegen gekonnt zum offenen Fenster rauswedelt.

Neben ihm steht ein verlockender bunter Früchteteller mit appetitlich angerichteten Früchten, Käse, Lachs.... Der ist doch bestimmt für uns Touristen... Alle vier heften wir verlangend den Blick darauf und prompt dreht sich der Beifahrer um. Thats for you. Welch unerwarteter Empfang unterm Sternenhimmel.

Elke und Wolfgang haben alle Hände voll zu tun, den Teller festzuhalten, während wir auf der Sandpiste durchgeschüttelt werden. Der Lachs hüpft mit den Früchten um die Wette. Doch die unerwartete Gabe schmeckt uns allen vier köstlich... und der Teller ist bald ratzeputz abgeräumt.

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Knapp eine Stunde dauert es, dann tauchen Lichter vor uns auf. Eine Teerstrasse und da ist auch schon das Desert Cave Hotel. Das einzige Vier-Sterne-Hotel weltweit soll es sein, das über mehrere Höhlenzimmer verfügt. Bernd hat rechtzeitig eins für uns gebucht. Elke wollte zwar auch, aber sie hat es zu spät reserviert.

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Desert Cave Hotel

Es ist fantastisch, ein Zimmer in den gelb/rötlichen Fels hineingehauen, verschiedene Eben. Das Bad oben, und eine gemütliche Leseecke daneben. Unten das geräumige Schlafzimmer, dahinter noch einmal ein Raum mit zwei Betten. Eine richtige Suite für uns allein. Sehr gemütlich und seeehr ruhig... Schauen wir mal, wie weit die Kräfte reichen.

Doch vorher schauen wir uns nochmal im Hotel um. Sehr geschmackvoll eingerichtet, in der Bar trinken wir noch einen Cocktail in einer romantischen Ecke, neben gekonnt beleuchteten Pflanzen. Überraschend nun wieder nach der Anreise: die Bar ist fest in deutscher Hand. Bisher haben wir auf der ganzen Reise Deutsche nur vereinzelt angetroffen.

Wir stellen die Uhr eine Stunde später, haben wir doch dem Fahrplan im Ghan entnommen, dass wir nun wieder eine Stunde weiter sind.

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