12. Oktober: Keine Postkartensonnenuntergang

Alice Springs - Uluru/Ayers Rock

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Die Kopfschmerzen halten an, der Regen auch. Und nun? Sollen wir uns die Laune verderben lassen?

Der Bus kommt, pünktlich um 6.25. Ein großer Luxusbus. Wir sind die ersten. Diethard starrt fasziniert auf eine große Pfütze vorm Hotel. Und das in Alice Springs. Die will er fotografieren. Ist aber schon zu spät, bis es ihm einfällt und der Bus rollt schon los.

Beim nächsten Halt spritzt er raus, die inzwischen eingesammelten Touristen gucken entgeistert, was er da treibt. Ha, er hat seine Pfütze im Kasten, die Straße ist naß, der Todd River dahinter ausgetrocknet.

Es dauert ein Weilchen, bis wir alle Hotels abgeklappert haben. Überall dasselbe Bild: Trübe aus der Wäsche guckende Touristen mit Gänsehaut. Wir sind im ganzen Bus die einzigen mit langen Hosen und Regenjacke.

Alex, der Busfahrer und Reiseleiter, spricht einigermaßen verständlich und entpuppt sich als freundlicher Mensch, der seine Arbeit mit viel Liebe zu seinem Land macht.

Die Wolken reißen ab und zu auf, Hoffnung keimt. Doch im Laufe des Vormittags regnet es sich richtig schön ein. Einer nach dem anderen dreht die Düse der Klimaanlage zu. Doch draußen ist es noch kälter, wie wir beim ersten Halt feststellen, an einer Kamelfarm. Mal ne Runde reiten könnte man da. Aber keiner will. Die Touris schlürfen lieber einen heißen Tee oder Kaffee. Im Andenkenladen gibt’s massenweise T-Shirts, aber keine warmen Sweatshirts. Dafür machen später die Läden am Ayers Rock Resort guten Umsatz mit Sweat-Shirts und Sonnenschirmen, die als Regenschirme zweckentfremdet werden.

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Eine Tafel erzählt die Geschichte vom Lasseter Highway - eine der vielen Legenden Australiens

Weiter geht’s auf dem Lasseter Highway vorbei am Tafelberg und Mt. Connor zum Ayers Rock- Resort. Zwischendurch ein Halt – mehrere Kühe auf der Straße. Wir warten geduldig, bis alle hinübergezockelt sind.

Alex unterhält uns mit netten Geschichten, zum Beispiel von dem kleinen Tornado, den es hier mal gegeben haben soll. Da seien Häuser einfach weggetragen worden. Auch ein Toilettenhäuschen hätte es da vom Fundament gehoben, und die zwei Leute, die da auf dem Klo nebeneinander saßen, hätten sich sehr verdattert angeguckt, mit ihrer Klorolle in der Hand. Aber wahrscheinlich hätte sie einander als höfliche Leute sich erst mal vorgestellt...

Alex erzählt natürlich noch weitaus mehr. Aber leider, ich verstehe halt viel zu wenig. Bis zum nächsten Urlaub muß sich da viel ändern, schwöre ich mir.

Kurz vorm Ziel meint er, es wäre schön, wenn wir unseren Abfall aus dem Bus mitnehmen. Denn da freut sich der cleaner, und der hätte dann gute Laune. And I am the cleaner. Einer solch netten Aufforderung kommt sicher jeder nach.

Gegen zwölf kommen wir an. Das Hotel, Desert Garden, ist im Sonnenschein sicher sehr schön. Hinter unserer Terrassentür fängt gleich das Outback an, roter Boden, kaum Spinnifex und Bäume. Ich werfe mich auf mein Bett, welch Luxus, zwei Stunden Ruhezeit, und das am hellichten Tag. Sowas hatten wir während der ganzen Tage nicht. Gut getimt mit den Kopfschmerzen und der Übelkeit, denke ich, während ich in Schlaf versinke. Vielleicht kann ich sogar kneifen heute mittag, keimt Hoffnung in mir. Was soll ich mir den Ayers Rock begucken im Regen...?

Doch da habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Mein Gatte bedeutet mir liebevoll, aber sehr hartnäckig, dass er mich nicht hierzulassen gedenkt.

Dafür bin ich ihm später sehr dankbar. Der Schlaf hat gutgetan. Es regnet zwar noch, als wir losfahren zum Nationalpark. Doch als der Bus bei den Olgas hält, strahlt plötzlich die Sonne vom Himmel. Welch Geschenk. Und so wandern wir in die Olgas hinein bei angenehmen 25°.


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Die Olgas

Alex legt eine Kassette auf während der Weiterfahrt. Aborigine-Musik, modernisiert, von einem Weißen arrangiert. Wunderschöne Relaxmusik. Die tut ihm gut, sagt Alex, wenn er lange fährt, hilft sie ihm, wachzubleiben. Mir hilft sie, mein Kopfweh zu vergessen.

Gegen sechs steuern wir auf den Ayers Rock zu und die Sonne verschwindet. Bitte nicht. Sehnsüchtige Blicke zum Himmel. Alex verkündet: Nachher, beim Sonnenuntergang, bekommen die Touristen immer ein Glas Wein. Diesmal hat mein Chef gesagt, diesmal soll ich ganz viel Wein mitnehmen und Euch geben, damit Ihr die Farben seht.

Beim Ayers Rock ist die Hölle los. Ein Bus neben dem andern. Massenweise Japaner. Jeder Bus hat vor sich ein Tischchen aufgebaut mit Wein, Sekt, Chips. Die Touristenmassen postieren sich vor dem berühmten Monolithen, um den besten Blick auf seine Farbenpracht zu erhaschen, wenn die Sonne untergeht.

Doch die Farben bleiben aus... aber wir können sie ja auf den Postkarten bewundern.

Kurz vor acht sind wir zurück im Resort, ich bin jetzt doch hungrig, da ich kaum was gegessen habe. Kurz einkaufen müssen wir noch für morgen früh. Sollten wir doch gleich erledigen, dann haben wir es hinter uns. Dann noch ein bißchen frischmachen und gemütlich essen gehen zum Tagesausklang...

So ähnlich planen die anderen das wohl auch. Eine Warteschlange steht vor dem Restaurant, eine Dreiviertelstunde Wartezeit bis zum Einlaß, wer weiß, wie lange es dann noch dauert, bis das Essen kommt. Auch der Imbiß ist rammelvoll, die Schlange reicht bis auf die Straße.

Also gehen wir lieber nochmal einkaufen und essen was kaltes auf dem Zimmer. Der junge Mann an der Kasse grinst, als wir wieder kommen, der erkennt uns doch tatsächlich noch bei all dem Trubel. Ach, ist das schön, die Schuhe auszuziehen und der heiße Tee im Zimmer tut in der Seele gut. Und welch Luxus, nach dem Essen gleich umfallen zu dürfen ins Bett.

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Touristenhorden warten auf den Sonnenuntergang

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