4. Oktober: Perth - die einsame Metropole Perth |
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Am Vormittag erkunden wir Perth zu Fuß. Schließlich habe ich doch so ein sorgfältig vorbereitetes Reise-Notizbuch mit Stadtplänen und sonstigen Touristeninformationen immer in der Tasche. Ein paar Einkäufe stehen auch noch auf dem Plan für die morgen beginnende South-West-Tour. Der Sunblocker darf doch keinesfalls fehlen, und da so was hier doch massenweise gebraucht wird, denke ich, wird er sicher weitaus billiger sein als in Deutschland. Falsch gedacht. Hüte brauchen wir. Steht ausdrücklich in jedem Reiseführer. Und eine Wasserflasche ist lebensnotwendig. Weiß ich auch aus dem Reiseführer. Steht auch in der Unterlagen für die South-West-Tour. Und ein Handtuch brauchen wir auch noch, lese ich da zum Schluss. Hab ich nicht dabei, denn in den Hotels gibt es so was immer. Aber während der South-West-Tour? Wer weiß, wie primitiv die Unterkünfte da sein werden? |
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In der schönen Fußgängerzone finden wir schnell, was wir brauchen. Natürlich schauen wir uns nicht nur die Fußgängerzone an, sondern auch das Publikum. So auf den ersten Blick scheinen die australischen Frauen nicht so unbedingt die schönsten in der Welt zu sein. Wobei wir in Adelaide und in Sydney später durchaus auch sehr gelungenen Exemplaren begegnen.... In unseren Augen ist Perth eine wunderschöne Stadt. Hier ist es gelungen, architektonisch kühne Gebilde zusammenzufügen, alt und neu harmonisch miteinander zu kombinieren. Viel Grün in der Stadt, riesige Parks, blauglitzernde große Wasserflächen. Die Sonne sticht, manchmal ist es bedeckt, Sonnenbrille rauf, Sonnenbrille runter. Das Licht ist grell, für mich ohne Sonnenbrille unerträglich. Übrigens, ich sehe kaum jemanden mit Hut. Die allermeisten halten ihr unbedecktes Haupt mitten in die Ozonstrahlen, und kaum jemand trägt, wie wir, lange Hosen und Hemden mit langen Ärmeln. |
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Wir "machen" brav ein paar Sehenswürdigkeiten, wie im Führer beschrieben, die City Railway Station, das viktorianische Schmuckstück der Stadt. St. Georges Cathedral von 1880, von innen ein richtig warmes anheimelndes Gebäude. Ganz anders als die deutschen kalten Betonklotz-Kirchen der 70er Jahre. Der Rückweg zum Hotel führt uns vorbei an der Old Perth Boys School.... Programm genug für den Vormittag. Um eins holt George uns ab. Als wir zurückkommen, sitzt er schon in der Hotelhalle, und liest die Zeitung. Er kommt noch schnell mit ins Zimmer, wir müssen noch ein paar Anrufe machen, um Touren zu bestätigen und Infos einzuholen. An den Linksverkehr muss man sich ja erst mal gewöhnen. Da hab ich doch ständig das Gefühl, die fahren hier falsch herum. Vor allem am Kreisel ist das sehr ungewohnt. Und Kreisel gibts auch in Australien sehr viele... Wenn Diethard vorne sitzt, auf dem Beifahrersitz, will er beim Aussteigen fast jedes Mal automatisch die Handbremse anziehen. Was haltet Ihr davon, zum Zoo zu gehen?, fragt George. Ja, der steht auch auf unserer Liste. So machen wir uns auf den Weg, und begegnen unserem ersten Känguru, Koalabär und tasmanischem Teufel... Schön angelegt, das Ganze, der Rundgang macht Spaß und zwei Stunden später lassen wir uns erschöpft beim Cappuccino nieder. Wir fahren zum Wasser, nach South Perth. Ein Strandspaziergang ist schön, barfußlaufen, ich muss aber aufpassen auf die Muscheln. Auf dem Wasser schaukeln Segelschiffe vor der gewaltigen Kulisse der Skyline. Später zeigt uns George eine schöne Gärtnerei, am Hang, mit Cafe zum Draußensitzen. Hier kauft Margarat immer Blumen. Riesenbambusbäume stehen da, ein kleiner See mit Schwänen, üppig blühende Pflanzen. Unterwegs schauen wir uns die Häuser ein. Viele haben einen eigenen Swimmingpool. Ein Obstladen an der Straße, kein Personal, bloß eine Kasse: Hier bitte Geld einwerfen. Ja, meint George, das tun die Leute auch. Vorbei gehts an grünen dichten Nadelwäldern und Orangenhainen zur Pipeline. Die liegt romantisch an einem Staubecken, daneben Georges Lieblings-Picknickplatz, riesige Grünflächen, hügelig, verwunschene Winkel dazwischen, kleine Wasserstellen, querliegende Baumstämme, Büsche von weißen Orchideen und lila Glyzinien-Kaskaden. Daneben liegt eine Lavendelfarm, Lavendel-soap kann man da kaufen, Lavendel-candles, Lavendel-tea und Lavendel-Icecream, sogar Lavendel-cookies. |
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Es ist schon dunkel, längst Ladenschluss für unsere Begriffe, doch den benötigten Adapter für Diethards Rasierapparat kriegen wir trotzdem. Viele Läden sind in Australien rund um die Uhr geöffnet, für uns ungewohnt. Das Geld ist auch ungewohnt, je wertvoller die Münze, umso kleiner ist sie. Ungewohnt ist auch die Sitte, dass in Lokalen nicht geraucht werden darf. Fast nirgends ist das erlaubt. Für Nichtraucher sehr angenehm, auch mein Gatte, zu Hause Nichtraucher, im Urlaub mutiert er regelmäßig wieder zum Raucher, empfindet die gute Luft als angenehm. Der Nichtraucherhinweis fällt mir auf. Da steht nicht etwa ein schnödes "Rauchen verboten", wie ich das in Deutschland oft lese. Sondern fast überall ein höfliches "Thanking you for smoking outside" oder so was ähnliches. Dieser freundliche Ton gefällt mir. Es ist überhaupt auffallend, dass sich jeder bedankt für Kleinigkeiten... Zuhause bei George checken wir noch mal unsere Mails. Und beim Essen im Lokal verfolgen wir noch mal die Route. Da haben wir doch schon einen Eindruck gekriegt von Perth und Umgebung. Knallvoll ist es hier, lauter junge Leute. George stand davor: wenn so viel los ist, hats wohl einen Grund. Das Essen soll hier sehr günstig sein und gut. Stimmt auch. George bringt uns anschließend zurück zum Parkhotel. Der Tag war voll. Ich packe unsere Tasche für die South-West-Tour, die morgen beginnt. Einen Koffer lassen wir hier im Luggage-room. Gar nicht so einfach, diese ständige Umpackerei... Doch dann ist es geschafft, wir genießen noch mal die Frischluft vorm Hotel, stehen auf der Brücke davor, die zum Kings-Park hinaufführt, müde und geschafft von all den Eindrücken, die wir in den zwei Tagen hier schon mitgenommen haben und glücklich über den Kontakt mit George, dem "Blind Date" aus dem Internet. Diese Bekanntschaft hat das Dasein hier stark bereichert. |
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