3. Oktober: Mit George durch Perth

Perth / Fremantle

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Das erste Frühstück down under – was verbirgt sich hinter einem Continental breakfast? Corn flakes, Milch, ein paar Früchte, Toast mit Marmelade. Kein bisschen Käse oder Wurst. Eier mit Speck kosten extra und entpuppen sich als Riesenportion.

Um 10 Uhr holen George und Margaret uns ab. Wir sind einigermaßen ausgeschlafen und genießen die Rundfahrt mit dem privaten Reiseleiter durch das Villenviertel von Perth. Schöne Häuser, gepflegte Gärten, blühende Pflanzen, beschienen von der strahlenden Sonne.

Margaret und ich sitzen auf dem Rücksitz. Meine bescheidenen Englischkenntnisse reichen nicht weit, trotzdem verstehen wir uns einigermaßen, mit Hilfe von Händen und Füßen geht’s einigermaßen. George verfährt sich, hier im vornehmen Villenviertel kennt er sich nicht so aus. Da steht ein Mann im Garten, an der Arbeit. "Is this the gardener or the owner?" stichelt Margaret vom Rücksitz. George und der Unbekannte befinden sich sofort in einer netten Unterhaltung. Überhaupt stellen wir in den nächsten Wochen durchgängig fest, dass die Australier tatsächlich so ausgesprochen freundlich und aufgeschlossen, wie sie im Reiseführer beschrieben werden.

Die Wegebeschreibung scheint kompliziert zu sein. George fragt noch ein Paar nach dem Weg: "We have some visitors..." Die Frau erklärt, ich grinse in mich hinein, als sie rechts und links verwechselt. Da sind wir nun am anderen Ende der Welt, doch so unterschiedlich sind die Menschen gar nicht.

George verfährt sich noch mal. Und schon zischt’s vom Rücksitz – Margaret weiß es besser. George zischt zurück: "Do you want to drive..."? Tja, wirklich keine großen Unterschiede...

Cottesloe ist unser erstes Ziel. Ein schöner Strand. Belebt, es ist einer der ersten warmen Frühlingstage und die Menschen freuen sich auf das Strandvergnügen. Ein schönes Strandlokal erwartet uns – das Indian House, warme Atmosphäre, Rattansessel, blau-gelbe Fliesen an den Wänden, holzgeschnitzte Türen an den Toiletten und vergoldete Wasserhähne. Unerwartet hier am Strand, ebenso unerwartet die moderne Technik – die Bestellungen werden eingetippt am PC per Sensortaste. Aber serviert immer noch auf die herkömmliche Art.

Zum Cappuccino gibt’s für Diethard einen angebissenen Keks. Der erinnert uns stark an die Sonnenfinsternis vor wenigen Wochen. Damals hatten wir die Geschäftsidee, während dieses Ereignisses "Eclipse-Burger" zu verkaufen – angebissene Hamburger...

Danach geht’s weiter nach Fremantle, zum Round House, einem früheren Gefängnis, später als Wohnsitz für eine Familie mit mehreren Kindern. Na ja, nicht so arg gemütlich.

Es ist kurz vor eins. Na so ein Glück. Denn um eins startet die große Action. Da wird täglich die Kanone abgeschossen im Gedenken an alte Zeiten. Der Führer macht's spannend. Alle anwesenden Touristen müssen von zehn bis null zählen und dann im Chor ein "Bäng" von sich geben, während die Kanone knallt. Ein kleines Mädchen auf den Schultern des Vaters heult herzzerreißend und ohrenbetäubend auf vor Schreck...

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Cottesloe Beach

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Abendlicher Blick auf Perth

 

Wir spazieren durch das belebte Fremantle und stärken uns in einer Foodhall. Praktisch, diese Einrichtungen, da finden sich im selben Raum Stände mit unterschiedlichen Angeboten – vom Hamburger, thailändisches Essen, Fish and Chips, chinesisch, türkisch, Früchte oder Salat... gut für Familien, da müßte eigentlich was für jeden Geschmack zu finden sein.

Eine weitere praktische Einrichtung: auf den Tischen stehen Ständer mit Nummern dran, weit sichtbar. Wenn das Essen fertig ist, wird die Nummer ausgerufen und jeder holt sich, was er bestellt hat.

Die Straßen füllen sich, wir schlendern zum Markt, der sonntags stattfindet. Viel Betrieb ist in der Markthalle. Betörende Düfte begrüßen uns. Bemalte Gläser am Eingang, ein junges Mädchen dahinter, schon ist George wieder in ein Gespräch vertieft. Fisch in allen Variationen, Garnelen, Hummer etc. zwischen Eiswürfeln, appetitlich verpackt. Daneben Kleider, Hüte, handbemalte Schilder zum Beispiel für die Küche: You have two chances – take it or leave it. Na, diesen Spruch werde ich mir merken, den kriegen meine Familienangehörigen demnächst zu hören, wenn ihnen das Essensangebot nicht gefällt...

Brotstände mit zwei, drei verschiedenen Sorten. Immerhin, nicht bloß Toastbrot, aber längst nicht so reichhaltig wie in Deutschland. Kaffee, er riecht verführerisch, Gewürze, daneben T-Shirts. Verschiedene Bands dürfen hier spielen, egal ob Beatles, Folk, Soul oder Didgeridoo-Klänge. Immer aber ein Schild daneben – Only 45 Minutes. Das wird wohl genauestens überwacht.

Dahinter verlockt knackiges Gemüse zum Zugreifen, Obst, zu bunten Pyramiden aufgeschichtet. Daneben eine Wahrsagerin mit dem Slogan: believe it or not. Bunte, fröhliche Bilder, Kleider, T-Shirts. viele Menschen mit Kids in Buggys. Alle haben sie Zeit, keiner rennt durch, alle wirken friedlich und entspannt. Am Ausgang eine Chairmassage – was ist das denn? Habe ich noch nie gesehen: Da sitzt jemand auf einem speziellen Stuhl, in der Lehne ein Loch fürs Gesicht. Die Schultern werden bearbeitet von einem Masseur. Mensch, das hätte ich auch gerne, sehnsuchtsvolle Blicke werfe ich darauf, doch die drei anderen sind schon draußen.

Erstaunlich, die Lautstärke der Autos. Etliche röhrende Wagen mit einem richtig männlichen Sound rattern an uns vorbei. Wenn wir George richtig verstehen, gibt es in Perth keine TÜV-Pflicht.

Wir fahren weiter nach Mandurah, ca. 80 km entfernt von Perth, einen Besuch machen bei Margarets Bekannten. Sie wird anschließend dort bleiben, um deren Haus für ein paar Tage zu hüten. Dort erwartet uns ein Ehepaar, er ist wohl Prediger, drei Kids vorm Fernseher, die sich später zu uns gesellen, die kleinste übersät mit Masernpickel, hängt schüchtern rum auf dem Vaterschoß. Die Unterhaltung gestaltet sich lebhaft, wir erzählen von all den kleinen Missverständnissen, die wir nun schon erlebten oder von denen andere uns berichteten. Zum Beispiel von Barry, unserem Mailfriend aus Sydney, einem Marist Brother, der im Zölibat lebt, zusammen mit elf anderen Brüdern, er traf einen Bekannten, der das englische Wort "important" stets wie "impotent" auszusprechen pflegte. Die kleine Geschichte, als Barry uns von seinem Besuch in Karlsruhe schrieb, mit Hilfe eines Buchstabendrehers daraus "Karlshure" machte und herzlich lachte, als Diethard ihn auf den kleinen Unterschied aufmerksam machte zwischen "Karls rest" und "Karls bitch". Oder wie ich Barry bei seinem Besuch in unserem Hause fragte, ob er "Knödel" mag, und er kichernd nach dem Dictionary rannte und auf das Wort "canoodle" zeigte. Ob ich mit ihm "schmusen oder knuddeln" wolle...?

Am späten Nachmittag verabschieden wir uns von Margaret. Doch wir werden uns in ein paar Tagen noch mal treffen und gemeinsam essen gehen.

Auf dem Rückweg fahren wir in die bewaldeten Berge oberhalb von Perth. George zeigt uns noch einiges von der Landschaft, grüne Wälder und Lichtungen, schattige Plätze. Er macht uns auf große Rohre aufmerksam, die sich durch den Wald ziehen: In der Gegend von Perth gibt es relativ viel Wasser, das in Staustufen gesammelt wird. Im Sommer, wenn die große Trockenheit kommt, wird Wasser aus diesen Staustufen über Hunderte von Meilen in die trockenen Gebiete gepumpt, und das schon seit der Jahrhundertwende. An einer Staustufe steigen wir aus, und wir sehen, das sie nur wenig gefüllt ist: der Winter war trocken. Im Maschinenhaus sehen wir die alten dieselbetriebenen Wasserpumpen. Und drum herum? Wir hören nichts als das Zwitschern der Vögel.

Auf dem Rückweg in die Stadt ist es dunkel geworden. Wir halten an einer Stelle, an der wir die Stadt überblicken können: ein phantastisches Lichtermeer, und darüber ein klarer, uns unbekannter Himmel. George zeigt uns das Kreuz des Südens und den gut zu erkennenden "Scorpio".

Wir gönnen uns noch ein schnelles Essen in einer Food-Hall, einen anregenden Cocktail in der Hotel-Bar und einen erfreulichen Tagesausklang mit dem mitgebrachten "Notromantik-Set", zwei kleinen Teelichtern...

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Unser Freund George

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