20. Oktober: Im Tal der Könige

Luxor - Theben

Am Tempel der Hatschepsut

Wir fahren weiter. Zum Tempel der Hatschepsut. Sie war die einzige Frau, die Ägypten als Pharaonin regierte. 20 Jahre lang. Ihren Tempel nannte sie „Djeseru Djeseru“, die „Pracht der Pracht“. Dieser Tempel liegt etwas entfernt vom Tal der Königinnen.

Der Busparkplatz ist voll. Der obligatorische Scanner am Eingang piepst wie verrückt, was wie üblich keinen der Beamten zu stören scheint. Hinter dem Eingang erwartet uns eine Bahn, ähnlich einer Lokomotive, so was haben wir auch in Herxheim, da heißt es das Schoppenbähnel. Bei uns haben wir allerdings eine kleine Zugmaschine davor, hier tut`s auch ein Gabelstapler. Wir schaukeln ein paar hundert Meter zum Tempel entlang und steigen aus. Ein breiter Aufgang führt hinauf. Die Touristenschar schleppt sich hoch. Eine gewaltige Steinkulisse tut sich auf. Hier die Tempelfront, dahinter die Berge, sieht so aus, als sei der hintere Teil in den Stein hineingehauen. Beeindruckend, dieses monumentale Bauwerk. Eine ungewöhnlich moderne Architektur für Ägypten. Natürlich ist auch hier vom Nachfolger einiges zerstört und der Name der Herrscherin ausgemeißelt worden. Immer wieder steht man vor diesen Bauwerken, schüttelt den Kopf und fragt sich, wie um Gottes willen es möglich war, das alles zu errichten. Noch dazu bei der Hitze. Unsereins ist ja schon vom reinen Gucken erschöpft. Neben mir steht ein Ehepaar. Amerikaner? Sie leidet still vor sich hin. Er hat einen batteriebetriebenen Taschenventilator in der Hand und bläst ihr liebevoll Luft um die Ohren. So was hab ich wirklich auch noch nie gesehen.

So langsam kennt man die Gesichter, die da ständig in denselben Bus rein- und rausquellen wie wir, und man kommt auch mal miteinander ins Gespräch. Dabei schnappe ich einen guten Tipp auf, den ich gleich ausprobieren will. „Einfach den Blick senken, wenn man an den Händlern vorbeigeht“, sagt ein Berliner. „Das ist die beste Methode“. Ich probiere es gleich aus, als ich zum Bus zurückgehe und bin fasziniert. Das klappt ja tatsächlich. Viel besser als das „Übersehen“, denn wenn man den einen Händler übersieht, gerät ja automatisch der nächste ins Blickfeld. Es klappt übrigens nicht nur hier, sondern auch bei all den anderen Händlerstraßen, in denen wir uns noch bewegen. Hätte ich diesen Tipp schon am Anfang gekannt, hätte ich mir viel Ärger und Nerven erspart. Aber nun weiß ich es ja für`s nächste Mal : ))

 

Das Tal der Könige

Weiter geht’s. Zum Tal der Könige. Dieses zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Areal fasziniert Menschen aller Nationen und die letzte Ruhestätte der Könige lockte in der Vergangenheit viele Abenteurer und Grabräuber an. Die Königsgräber bestehen aus unterirdischen Stollen, die in den Fels getrieben wurden und in der Grabkammer des Pharao enden. Dort ruhte in einem Sarkophag die Mumie des Königs – allerdings waren bei ihrer Entdeckung die Gräber bis auf eines völlig geplündert. Diese einzigartigen architektonischen Denkmälern haben eine überragende Bedeutung für das Verständnis altägyptischer Kultur.

1922 fand Howard Carter das berühmte Grab des Tutanchamun, der mit acht Jahren den Thron bestieg. Die Grabkammer war reich gefüllt mit wertvollen Kostbarkeiten, die dem jung gestorbenen Pharao das Leben im Jenseits erleichtern sollten. Die unermesslichen Schätze aus dem Tal der Könige werden heute im Museum in Kairo aufbewahrt.

Aber nicht nur Plünderer setzen den wertvollen Gräbern zu, sondern auch die Ausdünstungen der Touristenströme, die deshalb immer wieder abwechselnd für ein paar Jahre geschlossen werden, damit sie sich wieder regenerieren können.

Trotz des frühen Morgens ist die Hitze im Tal beträchtlich. Wir sind froh, dass wir unsere Wasserflasche dabei haben und genießen die Klimaanlage, als wir wieder im Bus sitzen.

 

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