26. Oktober: Von Fischen, Köchen und Tänzen Sharm-el-Sheikh |
![]() |
||
Von KöchenHeute Mittag ist Küchenführung, habe ich mitbekommen. Um 15.30 stehe ich in der Rezeption. „Nur sechs Personen?“, lächelt Silke Stahl. „Da können wir ja fast eine Privatführung machen.“ Als erstes zeigt sie uns stolz die Zertifikate, die an der Wand hängen. Seit zweieinhalb Jahren gibt es den Club erst. „Es ist gar nicht so einfach, anerkannt zu werden. Diese Auszeichnung haben nur fünf Hotels erhalten, alle im ganzen Umfeld wurden geprüft.“ Daneben eine weitere Urkunde „Wir erfüllen die Anforderungen für den Umweltschutz“ lächelt sie. „Können Sie sich vorstellen, wie schwierig es ist, einem Ägypter Hygiene- und Umweltschutzbestimmungen nahe zu bringen?“ Wir gehen runter in die Küche. „Bitte ziehen Sie die Plastiküberzüge über die Schuhe“. Die blauen Dinger sehen aus wie im Operationssaal. Brav ziehen wir sie an und schlittern hinter Silke her. „Das ist unser Chefkoch. Den haben Sie bestimmt schon gesehen, wenn er immer ums Büfett herumrennt und prüft, ob alles stimmt. Ich nenne ihn nur Speedy Gonzales, weil er so schnell ist.“ „Speedy“ grinst. An seiner Mütze erkennt man den Chef, hören wir, und an der weißen Hose. Die anderen Köche tragen karierte Hosen. 75 Köche sind insgesamt beschäftigt. Auch hier gilt die Regelung: Drei, vier Wochen am Stück arbeiten, und dann ein paar Tage zu Hause, damit sich die Fahrt lohnt. Also sind ständig 50 bis 55 Köche hier. Einer präsentiert uns ein Tablett mit süßen kleinen Leckereien. Man ist gerade dabei, Kuchen zu zerschneiden und sie zu drapieren. Im Raum daneben schnitzen mehrere Köche die phantasievollen Kürbis- und Obstgarnituren, mit denen die Büfetts dekoriert werden. Ein Regal ist gefüllt mit verschiedenen Broten und Brötchen. Ähnlich wie auf dem Schiff ist auch hier alles in chromblitzenden Kammern untergebracht, bloß ein bisschen größer natürlich. Im Gefrierschrank liegen riesige Fische. Das Personal strahlt viel Ruhe aus. Wie kriegen sie es bloß auf die Reihe, Tag für Tag ununterbrochen Essen in so viel Varianten herzustellen? Muss auch eine Menge Logistik dahinterstecken, damit immer alles in den benötigten Mengen vorhanden ist, nichts fehlt, aber auch nichts verdirbt. „Was geschieht mit den übriggebliebenen Essen?“ frage ich. „Das wird weggeworfen, das Personal darf nichts mit nach Hause nehmen.“ Man habe auch schon daran gedacht, eine Tafel einzurichten für die Bedürftigen, aber dann seien hier mehr Essensabholer als Touristen, meint sie. „Wo ist das Personal, wenn es nicht arbeitet?“, will ich wissen. Sie haben ein eigenes Gesindehaus, durchaus gut untergebracht, sagt Silke Stahl. Sie wohnen in Mehrbettzimmern. In der Regel arbeiten sie ungefähr elf Stunden am Tag. In ihrer Freizeit schauen sie TV oder spielen Fußball. „Nur elf Stunden?“ fragt ein Gast ungläubig. Silke Stahl zieht die Augenbrauen hoch: „Lange genug, oder? Sollen wir sie vielleicht 24 Stunden am Tag arbeiten lassen?“ Diethard war nicht dabei, er hat inzwischen die neuen Bilder auf das Laptop gespielt, ich nutze die Zeit bis zum Abendessen, um ein kleines bisschen weiterzuschreiben. Später, wenn wir zu Hause sind, wird es noch viel Arbeit geben: die Texte ergänzen, mit Bildern versehen, die Internetseiten zu erstellen, und außerdem die Fotoalben. Warum wir das tun, wurde ich schon oft gefragt. Die Antwort ist einfach. Weil es uns Spaß macht, auch Jahre später zwischendurch mal wieder die Details nachzulesen, denn das hält die Erinnerung lebendig. Eine solche Reise birgt eine solche Fülle von Details, die ganz schnell in Vergessenheit geraten, wenn man sie nicht festhält, und in der Erinnerung bald verblassen. Schade. Außerdem bekommen wir öfter einmal von LeserInnen, die auf der Suche nach Informationen über ein geplantes Reiseziel zufällig auf diese Berichte stoßen, begeisterte Mails. „Wir haben alles ausgedruckt“, schrieb man uns schon öfter, „und uns viele Tipps für die eigenen Touren geholt.“ Das freut uns. Umgekehrt machen wir das genauso.
|
|
||