26. Oktober: Von Fischen, Köchen und Tänzen

Sharm-el-Sheikh

Von Fischen

Die Sonne scheint. Auf dem Nachbarbalkon sitzt ein Mann. Das ist unser Nachbar? Der sympathische Österreicher, dem wir schon ein paar Mal begegnet sind, ich bin ihm auch schon sehr nahe gekommen, im Meer, als ich mich bei meinen Schnorchelversuchen versehentlich an ihm festgehalten habe statt an meinem Gatten. Er grinst über alle Backen, als ich aus vollem Hals huste. „Besser zudecken. Kleine Sünden straft Gott gleich.“ Eine leichte Röte kriecht mir den Hals hinauf, ist mir wohl bewusst, dass wir bei einer „Siesta“ einmal vergessen hatten, die Tür zu schließen und hinterher feststellten, dass die Nachbarn auf dem Balkon saßen. Es entgeht ihm nicht, er grinst mich fröhlich an. Ich fröhlich zurück. Was soll’s...

Für heute haben wir die Underwater Seascope-Fahrt gebucht. Wir sitzen erwartungsvoll in der Rezeption. Müde, vollgetankt mit lauter kleinen Stückchen Glück: Sonne, Service, Strand und mehr... Das Leben ist doch schön... aber wann geht’s jetzt endlich los? Es ist schon längst 11°° Uhr vorbei. Durch die Kreuzfahrt sind wir Pünktlichkeit gewohnt...

Ein halbes Stündchen später werden wir dann auch abgeholt. Eine ganze Gruppe, die sich bunte Korallen und bunte Fische angucken will, hinter dem sicheren Glas. Eine kurze Fahrt, aussteigen, da ist das Meer, hinsetzen unter dem Schattendach. Keiner erklärt was. Ein Mann macht Fotos. „Damit sie nachher die Wasserleichen besser identifizieren können“, brummt mein Mann. Ich bin durstig. Hätte ich doch bloß die Wasserflasche mitgenommen. Müsste ich langsam wissen, dass man nicht ohne weggehen sollte.

Nach zehn Minuten tuckert das Schiff heran. Da sind aber viele drauf. Die sollen alle einen Panoramafensterplatz gehabt haben? – Wir steigen aufs Schiff. Die Sonne brennt. Als erstes bekommen wir einen Hut in die Hand gedrückt. Ich will keinen Hut und lege ihn wieder zurück. Ist auch gut so, denn gleich geht ein Verkäufer durch die Reihen. Wie lange werden wir hier oben schmoren? frage ich mich. Vorsichtshalber schmieren wir uns sorgfältig mit Sonnencreme ein, man will ja kein Risiko eingehen. Nach ein paar Minuten bittet man uns, die Treppen hinunterzusteigen. Da sitzen wir nun im „Keller“ unter dem Wasserspiegel, rechts und links große Panoramafenster, und schauen gebannt hinaus. Die Korallen habe ich mir anders vorgestellt. Bunter. Farbiger. Die Fische auch. Bei meinen kurzen Schnorchelversuchen jedenfalls wirkten die Farben bunter. Die getönten Scheiben hier im Boot lassen alles etwas blaß erscheinen. „Da“, zeigt ein Bootsmann aufgeregt. Blasen blubbern vor den Scheiben. Taucher schweben vorbei. Ist schon irgendwie seltsam, unter Wasser zu sitzen und die Korallen, die Fische und die Taucher zu beobachten. Aber auch nicht soooo aufregend. Wir hatten uns da irgendwie riesige Fischschwärme und eine bunte Vielfalt an verschiedenen Fischen vorgestellt...

„Mureana. Murena.“ Der Bootsmann flippt fast aus, als der Fisch, den wir als Muräne ansehen, ins Blickfeld gerät. „Supertoll. Supertoll.“ Beifallheischend sieht er uns an, aber unsere Begeisterung hält sich in Grenzen. Und nein, meinen Kuli gebe ich nicht her, den brauche ich zum Notizen machen. Gut eine halbe Stunde kreuzen wir durch das Korallenriff und die unwirkliche Unterwasserwelt. War mal ganz interessant, unser Fazit. Aber verdammt viel Geld. Zu viel Geld. Wir würden die Fahrt nicht empfehlen, da sind wir uns einig. Oben an Bord bekommen wir noch eine Cola in die Hand gedrückt, raus aus dem Boot, die nächste Fuhre Touristen wird eingelagert, unser Bus fährt vor, ab ins Ressort. Wir packen die Kamera weg und marschieren zum Mittagessen. Ich kann nicht mehr essen. Auch wenn vieles so verlockend aussieht. Es passt einfach nix mehr rein. Diethard amüsiert sich köstlich, als er meinen Teller aus der Diätecke sieht: Drei Kartöffelchen liegen drauf, ungefähr zwölf Erbschen, 1 Glas Mineralwasser dazu. „Schade, dass ich jetzt den Foto nicht dabei habe“, bedauert er. „Das wäre doch ein tolles Bild mit der Überschrift all inclusive.“


 

 

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