23. Oktober: Abendfahrt nach Sharm-el-Sheikh Sharm-el-Sheikh |
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An das sorglose Leben hier kann man sich wirklich schnell gewöhnen. Schon der erste Blick am frühen Morgen aus dem Fenster: Die strahlende Sonne, der blaue Swimmingpool, die leuchtendrosa Bougainvilleas, die roten Häuserreihen, dazwischen das sattgrüne Gras und die Palmen. Schön, in dieser Umgebung zum Frühstück zu lustwandeln und dort nette Leute zu treffen. Interessant auch, wie unterschiedlich die Einzelnen den Urlaub gestalten, aus den einzelnen Puzzle- und Vergnügungsteilen, die hier geboten werden. Wir sitzen öfter mal bei Silke Stahl an der Rezeption und unterhalten uns über und ihre Stellung als berufstätige Frau in leitender Stellung in einem männerorientierten Land wie Ägypten, und über das Leben hier im Club. „Manche Gäste“, sagt sie, „manche Gäste ziehen schon gleich den Palm heraus, bevor sie überhaupt eingecheckt haben. Sie machen sich selbst viel Stress, weil sie sogar ihre Urlaubstage mit Terminen voll stopfen.“ Es ist auch gar nicht so leicht, alles unter einen Hut zu bringen, was man machen möchte: Der Wunsch nach einem gemütlichen ausgedehnten Frühstück kollidiert mit Nordic Walking und Beachvolleyball. Ein gepflegtes Siesta-Schäferstündchen passt zeitlich schlecht rein zwischen Tennis, Mountainbiking und Schnorcheln. Und wer sich tagsüber bei Sport und Drachensteigen verausgabt, hat abends keine Energien mehr frei für Beachpartys oder einen Ausflug in das ca. 25 km entfernte Sharm el Sheikhh. Den wollen wir heute Abend machen – denn eine ganze Woche nur auf dem Clubgelände herumhängen, ist nicht unser Ding - und haben damit auch schon mal ein kleines Terminproblem: Im Club gibt es vier Spezialiätenrestaurants, die wir natürlich auch alle ausprobieren wollen und die man vorab buchen muss. Heute Abend, um 19.30 Uhr, wäre das ägyptische Restaurant dran. Aber vielleicht reicht es noch nach dem Nachhausekommen? Laut Plan fährt der Bus über Na’ama Bay nach Sharm el Sheikh um 18.45 Uhr an der Rezeption ab und kommt gegen 20.45 Uhr wieder zurück. Schau mer mal. |
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Fahrt nach Sharm-el-Sheikh„Ihr fahrt weg? Nach Sharm el Sheikh? Das ist doch viel zu gefährlich.” Die Meinungen sind geteilt: Während die einen glauben, dass unter den gegebenen Umständen ausgerechnet im eher beschaulichen Sharm el Sheikhh kein Anschlag verübt wird und das Katharinenkloster oder sonstige Sehenswürdigkeiten, die Besuchermassen anziehen, für gefährdeter halten, sehen andere eine große Gefahr darin, sich aus dem Clubgelände wegzubewegen. Wir fahren trotzdem – wir wollen einen kleinen Eindruck von der Umgebung mitbekommen, wissen, wie Sharm el Sheikh aussieht. Pünktlich stehen wir also vor der Rezeption. Diethard hat natürlich die Kamera dabei, diesmal auch das einbeinige Stativ, um Nachtaufnahmen zu machen. Ein junger Mann, der das beobachtet, ist begeistert – er probiert das Stativ gleich mit seiner Kamera aus, dann kommt der Bus auch schon. Vielleicht 20 Leute steigen ein. Der Bus brettert los. In Na’ama Bay steigen Leute aus. Einer nach dem andern. Wir drehen uns um. Keiner mehr da. Hmm, ein seltsames Gefühl beschleicht uns doch. Sollen wir auch aussteigen? Na’ama Bay ist eine reine Touristenhochburg, so ein künstliches kleines Las Vegas, da wollen wir nicht hin. Also bleiben wir tapfer sitzen. „Twenty o’clock“, sagt der Fahrer zu den Aussteigenden. Wieso 20 Uhr? Auf dem Fahrplan vom Hotel steht doch Abfahrt 20.30 Uhr. „Seven thirty“, sagt der Fahrer, nachdem er uns mitten in die Stadt manövriert hat und uns vor einem Schmuckladen absetzt, gegenüber ein schön aufgemachter orientalischer messingglitzernder Laden. Die Ecke ist markant, man kann sich gut orientieren. „Here“. Wieso um 19.30? Wir sind irritiert. Von hier aus bis Na’ama Bay sind es nicht mal 10 Minuten. Wir feilschen um die Uhrzeit. Der Fahrer bleibt hart. „Seven thirty. Here.“ Also gut. Wir wissen ja aus Erfahrung, dass anderthalb Stunden Ladenstraßen in orientalischen Ländern sehr anstrengend sein können. Ich hätte ja gern noch ein Tuch zum Umhängen oder einen langen Rock für das Badeleben tagsüber. Gleich im ersten Laden sticht mir einer ins Auge. Ein wirklich hübsches Modell. „How much?“ 10 Euro. “5 Euro”. Ich ernte Kopfnicken auf meinen Handelversuch. Seltsam. Dann gehen wir halt mal weiter. Den selben Rock finde ich später noch mal. 25 Euro will der Gute dafür. Ich bin entsetzt. Nach zehn Minuten zähen Ringens gehört der Rock dann mir – für 8 Euro. Während Diethard sich stangenweise mit Zigaretten eindeckt, probiere ich ein Bauchtanztuch an, das hier scharenweise herumhängt, in allen Farben, mit vielen klimpernden Münzen dran. Sexy, nicht wahr? So was brauche ich unbedingt, schließlich beginnt in drei Wochen der Orientalische Tanzkurs, den ich extra für den Freizeittreff angeleiert habe. Mit einem solchen Tuch schwenken die Hüften von allein. Der Verkäufer grinst, Diethard auch, als ich die Münzen klimpern lasse. Die Verkäufer hier sind nicht so aufdringlich, es macht Spaß, mit ihnen zu handeln und zu flirten und auf ihr Spiel einzugehen. Man braucht halt Zeit, Geduld und Nerven dazu. Sie lassen sich dann auch sehr gerne fotografieren und stellen sich in Positur. Nett ist auch die schmeichelnde Art und die Komplimente, die sie – zumindest fremden Frauen – machen, indirekt an den Mann „lucky man“ oder direkt „schöne Frau“. Klar, sie machen das bei jeder Frau, aber trotzdem ist es nett, das zu hören. Hebt das Selbstwertgefühl. Täte auch so manchem deutschen Mann gut, wenn er mehr Komplimente machen würde : )) So, für die Nachbarin, die sich um Haus und Pflanzen kümmert, suchen wir auch noch was. Ist ja immer schwierig, in all dem Kitsch was Brauchbares zu entdecken. Hier, wie wär’s mit zwei schönen großen Tassen? Die da, die sind doch hübsch. Jetzt reicht’s aber mit der Handlerei, wir wollen noch ein wenig durch die Stadt schlendern und Momentaufnahmen einfangen, bevor der Bus fährt. „Eine Sekunde. Komm rein in meinen Laden“, drängelt der nächste in gutem Deutsch. „Wir müssen zum Bus“, wehre ich ab. „Der Bus zum Magic Life? – nein, nein, der fährt erst in 45 Minuten“, sagt der Händler kopfschüttelnd, offensichtlich kennt er die Abfahrtszeiten vom Hotel. Haben wir den Fahrer vielleicht doch missverstanden? „Deutsche sind immer im Stress“ – der Satz bleibt mir dann noch im Ohr. Könnte was Wahres dran sein. Die Ägypter – natürlich nur Männer – sitzen draußen auf der Straße vor Lokalen an kleinen Tischen, viele haben ein Brettspiel vor sich, oder ziehen an ihrer Wasserpfeife und schauen in die Ferne. Wir stolpern über unebene Straßenbeläge, in einer kleinen Metzgerei hängt ein Teil von einem toten Tier, in einer Bäckerei, mitten auf der Straße, wird Brot gebacken. Unzählige Fladen auf einem Tisch, direkt daneben ein riesiger Ofen, aus dem die gebackenen Brote herauspurzeln und auf einen großen Wagen verladen werden. Dazwischen auch mal eine schicke Boutique oder ein Internetcafe. Jetzt haben wir uns doch verlaufen, oder? Jetzt aber schnell, es ist gleich halbacht. Rechtzeitig biegen wir um die richtige Ecke (Deutsche sind immer im Stress), Gott sei Dank, der Bus ist noch da. Der Fahrer leider nicht. Also drücken wir uns noch eine Weile auf der Straße herum, behalten den Bus im Auge, und unterhalten uns wieder mit Diego, einem sympathischen cleveren jungen Mann, in dessen Laden ich das Bauchtanztuch gekauft habe. Der liegt nur wenige Meter entfernt von Catrins Schmuckladen, wo der Bus wartet. Diego grinst, als wir uns wieder sehen. „Schöne Frau. Wieder hier?“ Wieso müssen wir nun hier rumstehen? ärgern wir uns. Wir hätten gerne noch etwas mehr Zeit gehabt, und lange genug mit dem Fahrer herumdiskutiert. Irgendwann, kurz vor acht, kommt der dann an, zuckt die Schultern, als wir ihn ansprechen. Nix verstehn. Nun ja, was soll’s. Auf der anderen Seite ist es gar nicht schlecht, wenn wir eine halbe Stunde früher zurückkommen. Vielleicht bekommen wir dann ja doch noch einen Platz im ägyptischen Restaurant? Mitsamt unseren Plastiktüten gehen wir hin. Schön, es klappt noch. |
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Tagesabschluss im Ägyptischen RestaurantDas Spezialitätenrestaurant ist zwar nur ein paar Meter vom Hauptrestaurant entfernt, aber die Atmosphäre ist ganz anders. Wenig Menschen. Romantische Atmosphäre. Man sitzt im Freien, nur ein Sonnendach obendrüber, mitten im Park, mit angestrahlten Palmen. Es gibt kein grelles Neonlicht auf der Terrasse, auf allen Tischen stehen dieselben Lampen mit einem Teelicht darin. Etwas dunkel, man sieht nicht so genau, was auf dem Teller ist, aber es ist sehr romantisch. Der Geschmackssinn funktioniert auch im Dämmerlicht, das Ganze ist gut gewürzt, schmeckt lecker für unsere Begriffe – einzig das Fleisch ist etwas zäh, aber das war auch auf dem Schiff schon so. Zum Nachtisch gibt’s Diethards Lieblingscreme – die mit dem „Hauch Sahne“ drin. Wir freuen uns, weil es doch noch geklappt hat, hier zu essen und sind schon gespannt auf die weiteren Spezialitätenrestaurants. Den Kaffee nehmen wir in der orientalischen Ecke auf dem Boden. Gemütlich ist es hier. „Wasserpfeife?“ „La shokran“, darauf verzichten wir dann doch lieber. Es ist schon wieder nach 22 Uhr. Wir bringen die Tüten aufs Zimmer. Das Amphitheater ist nicht weit, da wollen wir doch noch eine Viertelstunde zuschauen. Ein Sketch-Abend ist heute angekündigt. Ganz nett. Und jetzt? Noch ein Cocktail? Vielleicht noch eine Runde Tanzen? Wir schlendern wieder vor zu dem schönen Platz vor der Bühne. Unsere Bekannten sind auch da. Noch ein paar Runden tanzen. Dann ergreift uns die Müdigkeit. Übrigens – was den Lärm betrifft, hier gibt’s zwar kein Motorengeräusch, aber die Klimaanlage ist auch laut. Wenn sie aus ist, ist es warm. So können wir uns nie so richtig entscheiden, ob wir es nun lieber laut oder warm haben wollen... |
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