27. Oktober: Der letzte Tag

Sharm-el-Sheikh

Schnorcheln - zweiter Versuch

Strahlendblauer Himmel. Kein Lüftchen regt sich am Himmel. Heute sollten wir unbedingt noch mal das Schnorcheln versuchen, nehmen wir uns vor. Aber im Moment hab ich andere Probleme: kann es sein, dass jetzt noch „Montezumas Rache“ kommt? Am letzten Tag? Muss das sein? Hoffentlich kriege ich morgen bei der Heimreise keine Schwierigkeiten?

Wir gehen an den Pool. Oh Gott. Gleich passiert’s. Die Wege in der Anlage sind so verdammt weit. Das Restaurant ist schon geschlossen, zur Rezeption sind es noch 50 m mehr. Trotz der Hitze kriege ich Gänsehaut an den Armen, und mit Panik in den Augen renne ich durch die Halle wie von der Tarantel gestochen. Der Mann am Taxistand grinst mir amüsiert hinterher. In letzter Sekunde reiße ich die Klotür auf. Gott Sei Dank...

Den restlichen Vormittag verbringe ich im Zimmer. Sicher ist sicher. Diethard macht es sich auf dem Balkon gemütlich, und ich lege mich flach. Vielleicht hilft’s.

Das Mittagessen fällt spärlich aus. Auch Diethard ist inzwischen restlos abgefüllt und macht Spartag. Trotzdem sitzen wir lange beim Essen und haben unseren Spaß mit Muhamed, der ständig Diethards blitzendes Feuerzeug verschwinden lässt und sein Plastikfeuerzeug dafür hinlegt, meine Brille klaut, oder den Teller wegzieht. Wir kennen diese Spielchen ja schon längst, neu angekommene Gäste sind manchmal erschreckt: „Das ist meine Cola“, schnappt am Nachbartisch eine junge Frau empört, als er so tut, als würde er ihr Glas wegnehmen.
Muhamed zwinkert uns zu. Immer noch liegt sein buntes Plastikfeuerzeug da. Diethard ist längst entschlossen, ihm sein hochwertigeres zu schenken, und steht auf. Sofort kommt Muhamed her und will ihm das gute Stück in die Hand drücken. „Ich tausche mit dir“, sagt Diethard. „Das ist okay.“ Muhamed schaut ihn ungläubig an, läuft ihm hinterher und grinst über alle Backen, als Diethard den „Deal“ noch einmal bestätigt. Ich hab’s schon wieder eilig...

Es ist immer noch ganz windstill. Wir packen unsere Sachen, gehen runter zum Strand, und leihen uns noch einmal eine Schnorchelausrüstung. Das Wasser ist ganz ruhig, nur Andeutungen von Wellen. Heute klappt das mit dem Atmen weitaus besser, und bald schwimmen auch wir eifrig schnorchelnd umher. Schon toll, diese Unterwasserlandschaft und die verschiedenen Fische, die sich durch die Touristen anscheinend nicht sonderlich stören lassen. Sicher ist das in Naturschutzgebieten noch weitaus schöner. Wir freuen uns jedenfalls darüber, dass wir es noch mal probiert und einen kleinen Einblick in die Faszination der Unterwasserwelt bekommen haben. Jetzt haben wir uns aber auch einen Kaffee bzw. einen Tee verdient.

 

 

Diethard holt noch einmal die Kamera, er will Muhamed fotografieren. Den finden wir im „La Careta“, dem südamerikanischen Spezialitätenrestaurant, das nachmittags als Cafeteria dient. „Wir haben eine Reservierung für heute Abend hier. Bist du da?“ fragen wir ihn. Muhamed nickt und will unsere Zimmernummer wissen.

Unser letzter Nachmittag im Club. Wie schade. Wehmut beschleicht uns, während wir am Swimmingpool sitzen und einen letzten Coco-Kiss genießen. Wir könnten es noch ein paar Tage aushalten. Eine Woche, stellen wir fest, eine Woche ist doch ziemlich kurz, bis man sich akklimatisiert hat. Zwei Wochen wären uns wahrscheinlich zu lang, aber neun oder zehn Tage wären genau richtig. Aber alles hätte und wäre nützt nichts, zu Hause geht das Leben weiter. Vielleicht kommen wir ja mal wieder her? „Ich würde mich opfern,“ sagt Diethard, „wenn das mit dem Freizeittreff wirklich klappt, dann würde ich glatt noch mal eine Woche herkommen.“

Vielleicht klappt`s ja tatsächlich. Vorläufig beginne ich erst mal die Koffer zu packen, und zu hoffen, dass der Durchfall schnell vorübergeht und die Immodium wirken. Ich fühle mich durch die heutige Rennerei doch ziemlich geschwächt. Hunger hab ich nicht wirklich, aber natürlich gehe ich Diethard zuliebe mit ins „La Careta“, das direkt am Swimming Pool liegt.

Muhamed strahlt, als er uns erblickt. Den schönsten Tisch hat er für uns reserviert, mit Blick auf den Pool und den Springbrunnen mit den riesigen Steinen. Darauf stehen Teelichter. Ägyptische Teelichter, grinst Muhamed. Das sind einfach abgeschnittene Plastikwasserflaschen, mit Sand gefüllt, eine Kerze drin. Sieht gut aus im Dunkeln. Und unseren Tisch hat er mit vielen kleinen Blumen geschmückt. Wie hübsch... und wieder eine ganz andere Perspektive als bei den anderen Lokalen.

Ob ich einen Tee haben könne, frage ich und reibe meinen malträtierten Bauch. Eigentlich gibt’s hier keinen Tee, sagt Muhamed, aber er bringt mir einen. Medizin. Zwei verschiedene Tassen stellt er mir hin: „This now“, deutet er auf den Pfefferminztee. „This later“. Und tatsächlich, das Gebräu tut gut. Leider kann ich nur sehr wenig essen, wie schade. Denn hier werden wirklich leckere Dinge serviert, auf ausgefallene Art und Weise. Soßen und Beilagen stehen auf dem Tisch, auf einer langen Stange stecken entweder Fleischstücke oder Hackfleischbällchen oder Hühnchen, aber auch gebratene Äpfel. Ein Kellner geht ständig durchs Lokal und serviert nacheinander die Leckereien – das Fleisch wird von der Stange auf den Teller gestreift. So lange, bis man signalisiert, dass man nicht mehr will. Auf jedem Tisch liegt ein Kunststoffstein, mit einer grünen Seite und einer roten. Solange die grüne oben liegt, heißt das: Bring mehr“. Legt man die rote Seite nach oben, weiß der Kellner: Es ist genug. „So ein Ding will ich zu Hause auch“, lacht mein Mann.

Wir bleiben lange hier – die Atmosphäre ist so schön – genießen die warme Nacht, die romantische Umgebung, die leckeren Düfte und das ungewöhnliche Ambiente. Gegen halbzehn wechseln wir wieder zum abendlichen Treffpunkt vor der Bühne. Ein letzter gemütlicher gemeinsamer Abend – diesmal nicht so lang. Die anderen werden am nächsten Tag bereits um neun Uhr morgens abgeholt, wir haben noch zwei Stunden länger Zeit.

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