21. Oktober: Von Luxor nach Sharm-el-Sheikh

Luxor - Sharm-el-Sheikh

Der Abflug

Um vier Uhr morgens klopft’s. Ob die Koffer schon fertig sind? Nein, leider nicht, dauert noch ein paar Minuten, schließlich ist die Abfahrt ja erst um fünf. Dass der Kofferboy ja auch einen gewissen Vorlauf braucht, um die Gepäckstücke zu kennzeichnen und an den Bus zu transportieren, hab ich nicht bedacht. Aber zehn Minuten später steht alles bereit, mit Mühe und Not geht der Koffer wieder zu. Wir haben doch nichts gekauft, müsste ja schließlich alles passen.

In der Bar wird ein kleines Frühstück serviert. Tee, Brötchen, Kuchen. Müde Gesichter drumherum. Pünktlich um fünf sitzen wir alle im Bus. Im Flughafen herrscht trockene Luft, ein hektischer TUI-Reiseleiter wuselt herum. Diethard geht durch den Scanner, wird zurückgerufen. Muss erst mal den Gürtel ausziehen, es piepst immer noch. Weg mit den Schuhen, aha, die Metallschnallen waren es. Schuhe wieder an, der Hektiker ist schon längst weitergerannt mit der Gruppe. Aber der Flughafen ist klein, wir finden den Anschluss schnell wieder und stehen jetzt in der Warteschlange. Uff. Zwei andere Paare, die die Tasche leeren mussten, kommen nun auch hinterhergehastet. Ein Taschenmesser war drin.

Da stehen wir im Gedränge und versuchen, die kaputte Rolle an unserem Koffer zu reparieren. Irgendwo unterwegs hat er einen Schaden abbekommen. Hoffentlich hält er bis nach Hause? Wir werden noch mal durchleuchtet, diesmal ohne Beanstandung. „Gate 2“ schreit der Reiseleiter, und weg ist er. „Lounge 2“ steht da, wahrscheinlich hat er das gemeint? Verwirrung. Die einen streben nach rechts, die anderen nach links. Da drängelt sich nämlich gerade eine Schlange zum Ausgang in die Busse. Vielleicht stimmt ja auch die Abflugszeit nicht, die man mir genannt hat? Kein Mensch weiß nämlich, wann der Flieger gehen soll. Und warum sollte man uns um fünf schon herscheuchen, zwei Stunden vorher?

Doch die Schlange will nach Kairo, also trotten wir weiter. Kein Schild, das auf die Abflugzeiten hinweist. Ein bekanntes Gesicht. Niki, der Hotelmanager vom Schiff. Er fliegt ja auch eine Woche ins Magic Life und klärt uns auf: „Bei Inlandsflügen muss man zwei Stunden vorher da sein, bei Auslandsflügen 3 Stunden. Kein Mensch weiß, warum, es ist halt so.“

Die Wartezeit zieht sich. Ein Fernseher läuft, gleichzeitig plärrt laute Musik aus einer Ecke. Muffige Gesichter hängen herum. Doch auch diese Wartezeit hat irgendwann ein Ende. Der ca. 40-minütige Flug startet pünktlich. Unterwegs bekommt jeder Passagier einen kleinen Karton Orangensaft in die Hand gedrückt. Dann schon wieder das Signal zum Anschnallen.

Ankunft in Sharm-el-Sheikh

Auf dem Rollfeld entdecken wir wieder einen solchen schwarzen Bewacher mit einem mannshohen fahrbaren Schutzschild. Der Flughafen ist klein, ein Mann mit TUI-Schild empfängt uns schon, prüft unsere Rückreisetickets. „Holen Sie Ihre Koffer, ich warte hier auf Sie.“

Das Rollband läuft noch nicht. Die Menge wartet. Solange schauen wir uns im Gebäude um, das sich noch im Bau befindet. Was ist das denn? Mehrere große Alupfeiler. Die Verpackung ist noch dran. Im unteren Bereich, soweit die gelangweilten Touristenhände reichen, ist die Verpackung abgepult. Ich pule auch ein bisschen. Was ist mit dem Band? Warum geht nichts?

Es dauert. Und dauert. Und dauert. Im Hintergrund hört man laute Geräusche, Hammerschläge, Werkzeuggeklirr. Ist irgendwas verhakt? Zwischendurch streckt von hinten einer den Kopf durch die Gummilaschen, durch die eigentlich die Koffer durchrollen sollen. Ja, wir sind noch da. Die Touristen diskutieren, was man tun könne, man unterhält sich durch die Gummilaschen hindurch. Irgendwann, so nach einer Dreiviertelstunde, rollt das Band. Alles klatscht begeistert. Die Koffer tröpfeln langsam herein, viele schwarze dabei, so wie unser Modell, dem wir ein goldenes Bändchen verpasst haben. Nein, der ist es nicht. Der auch nicht. Aber der hier. Nichts wie raus. In unsere neue Heimat.

Der Bus wartet schon. Ein paar bekannte Gesichter sitzen auch schon drin, die einzigen vom Schiff, die ebenfalls das Magic Life gebucht haben. Es ist eine Familie aus Worms mit ihren 14-jährigen Zwillingssöhnen. Der Vater fragt: „Und, wie hat`s Euch gefallen?“ „Schön wars“, brummt der eine. „Und was hat euch gefehlt?“ „Schlafen“, kommt`s wie aus der Pistole geschossen.

Wir fahren los. Die Landschaft ist kahl. Wüste. Nichts als Wüste. Unterwegs ein kaputtes Flugzeug. Plötzlich tauchen die Touristenburgen vor uns auf. Vor fünf Jahren gab es hier nichts. Kein Wasser. Keinen Strom. Unglaublich, was alles gebaut wurde. „Aus Hurghada hat man gelernt“, hatte Amr gesagt. „Sharm el Sheikhh ist durchgeplant. Sehr schöne Hotelanlagen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

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