15. Oktober: Luxor, Karnak und die ersten Kilometer auf dem Nil Luxor, Karnak, Esna |
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Am AbendZwischen fünf und halbsechs wird’s dunkel, und dann beginnen die Boys zu strahlen. Endlich, endlich ist es soweit, sie dürfen wieder essen und trinken. Den ganzen Tag müssen sie die Touristen bedienen, Essen austeilen und Cocktails mixen, während sie selbst keinen Tropfen trinken dürfen. Und das in dieser Hitze. Bewundernswert, wie sie die Fassung bewahren. „Was soll das?“ Amr wird immer wieder mit Fragen zum Ramadan bedrängt. Amr erklärt uns, dass dafür das Essen und Trinken anschließend umso schöner ist. „Wenn man richtig verzichten muss, dann kann man die Nahrung wieder ganz anders schätzen.“ Er sieht Fasten als Fest, das die ganze Familie feiert und das viel Kommunikation bringt. Der heilige Monat ist danach nicht nur eine Zeit der Entbehrungen, der religiösen Betätigung und der Disziplin, sondern auch eine Zeit der Freude und des Gefühls der Zusammengehörigkeit. Schon kleine Kinder wollen mitmachen – wie die Erwachsenen – und freuen sich auf das dreitägige Fest des Fastenbrechens, mit dem nach 30 Tagen das Ende des Ramadan gefeiert wird. Sie freuen sich sehr darauf, denn dann bekommen sie neue Kleider, Geldgeschenke und kleine Laternen, mit denen sie dann durch die mit Lichterketten und Papierschlangen geschmückten Straßen ziehen und Lieder zu Ehren des Ramadan singen. Übrigens gilt der Verzicht ja nicht nur für Essen und Trinken, sondern auch für fleischliche Genüsse. Für die Boys, die uns bedienen müssen, ist das sicher eine harte Prüfung, der sie da Stunde um Stunde unterworfen sind – schließlich liegen die Touristinnen doch sehr leicht bekleidet in den Liegestühlen und geizen keinesfalls mit ihren Reizen. Es ist ja auch warm, sogar nachts genügt ein Top. Kaum zu glauben, heute ist erst der zweite Urlaubstag, so viele Eindrücke sind schon auf uns eingestürmt. Inzwischen laufen wir im Hafen von Edfu ein, viele Lichter empfangen uns, wir legen an – ein anderes Schiff liegt bereits da. Wir verfolgen das Anlegemanöver auf der linken Seite gespannt. Alles klappt wie geschmiert. Was ist rechts los? Da steuert ein Schiff direkt auf uns zu. Sieht aus, als wolle es uns rammen. Wir ziehen instinktiv die Köpfe ein, auch wenn das nichts hilft. Das Schiff steht nun Seite an Seite mit uns – aber nur kurz, und schon strebt es wieder weg. Ich erhasche einen kurzen Blick nach unten und sehe, wie eine junge Frau im roten Kleid schnell auf unser Schiff umsteigt. Deshalb der ganze Aufwand? An das Abendritual kann man sich schnell gewöhnen: Abendessen im klimatisierten Speisesaal. Das Spiel mit den Kellnern. Beobachten der anderen Gäste – lästern ist doch einfach schön, gell? Und anschließend nach oben auf Deck zum Cocktail – immer wieder erstaunlich, wenn man die Tür öffnet und in der Dunkelheit von einem warmen Luftschwall begrüßt wird. Schön die Atmosphäre hier oben, wenn man mit netten Leuten da sitzt, am Land die Lichter brennen, Lichterketten tanzen, der Muezzin zum Gebet ruft. Sehr laut tut er das. Auch mitten in der Nacht. Aber in unserer Kabine hören wir nichts davon. Irgendwann, so gegen elf, fallen wir todmüde ins Bett. Motorengeräusch? Schnarchen? Ach was, ein paar Ohropax und alles ist in Ordnung. |
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