14. Oktober: Auf nach Ägypten

Stuttgart - Luxor

Auf dem Schiff

Also staksen wir über die Landungsbrücke ins erste Schiff hinein und durchqueren es mit neugierigen Blicken. Wir waren noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff, schließlich muss man ja Vergleiche haben. Das nächste Schiff liegt dicht daneben, dazwischen sitzt jeweils ein Wächter. Was ist das für ein schrilles Gepiepse? Wir müssen unter Scannern durchlaufen, bei jedem Touristen klingelt der Alarm. Stört aber niemand. Die Schiffe sind alle baugleich, also klappt das mit dem Durchlaufen wunderbar.

Zimmerschlüssel an der Rezeption, hoch mit den Koffern, kurz das Bad inspiziert und das neue Domizil begutachtet. Recht gemütlich, schönes großes Fenster, die Vorhänge blickdicht zugezogen. Neugierig gucke ich hinaus, aber direkt daneben liegt ja das andere Schiff. Wir finden uns wie geheißen alle gleich in der Bar ein. Bequeme Couchgarnituren ringsherum, roter Plüsch, große Fenster, eine runde Tanzfläche in der Mitte, Scheinwerfer außenrum. Mal sehen, was geboten wird. Im Moment ist die große Bar noch ziemlich leer.

Amr und Sayed, die beiden Reiseleiter, stellen kurz ihr Programm vor. Eine große Gruppe ist es, erfahren wir, 54 Leute, deshalb werden die Gruppen geteilt. Wir sind die ersten, im Laufe des Tages werden weitere Gäste eintreffen, spät abends. „Freizeit“, strahlt der glutäugige dunkelhäutige Amr, „heute haben Sie Zeit zum Ausruhen. Wir lassen das alles ganz gemütlich angehen. Morgen früh machen wir dann den Luxortempel.“

Die anderen gehen, wir kommen noch ins Gespräch mit Amr und Sayed. Klar, die Anschläge sind ein wichtiges Thema, das sowohl die Urlauber als auch die Reiseführer stark berührt. Sharm el Sheikh soll wunderschön sein, hören wir, richtig geplant, anders als Hurgadha, das als Touristenghetto planlos aus dem Boden gestampft wurde.

Erstes Mittagessen

12.30 Uhr. Zeit zum Mittagessen. Wir bekommen einen Tisch angewiesen, ein nettes Paar in unserem Alter setzt sich dazu, das mir bereits in Stuttgart aufgefallen ist. Der große Speisesaal befindet sich im Untergeschoss. Schon merkwürdig, wenn man aufsteht und das Wasser in Augenhöhe an einem vorüberrauscht.

Die Kellner machen ihre Späßchen beim Einschenken, ziehen das Glas wieder weg, jonglieren mit den Tellern. Diese verspielte Haltung wird uns in den nächsten 14 Tagen immer wieder begegnen und ihre Freundlichkeit begeistert uns. Obwohl die Kellner durchaus Grund zum Jammern hätten – ihr Tag besteht im Prinzip aus Arbeit und Schlafen. Ein Elf-Stunden-Tag ist normal. Und das zu einem Gehalt, das selbst bei den geringen Bedürfnissen hier bei weitem nicht ausreicht.

Was gibt’s zu essen? Wer unbedingt Wiener Schnitzel und Sauerkraut will, sucht vergebens. Wer hingegen gerne mal was Ausländisches probiert, findet viele Leckereien. Salat, Gemüse, Kartoffeln, Fleisch - dahinten der Fisch, der gebrutzelt wird, der ist einfach Klasse. Süßigkeiten locken, sie sind wirklich süß. Braun verhutzelte kleine Bananen liegen daneben, zu Hause würde man sie liegen lassen, aber diese hier schmecken besser als die großen gelben Chiquitas zu Hause.

 

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