14. Oktober: Auf nach Ägypten

Stuttgart - Luxor

Die Abfahrt

Donnerstag morgens, 2.50 Uhr. Was ist das denn? Der Koffer geht nicht zu. In zehn Minuten werden wir abgeholt. Vom Flughafentransfer „Die fliegenden Engel“ aus Hagenbach. Ich hole Diethard zu Hilfe, doch alles Ziehen und Zerren und Drücken nützt nichts. Also ab in den Keller, rauf mit den anderem Koffer. Der ist zwar kleiner, aber in drei Minuten ist alles umgepackt, und schon ist Frau Raymond-Chandell auch da. Müde reibt sie sich die Augen und lächelt mich an: „Setzen Sie sich zu mir nach vorn. Ich brauch ein bisschen Unterhaltung.“

Die Fahrt nach Stuttgart vergeht wie im Flug. Wir reden über Gott und die Welt. Um die Zeit sind die Straßen gähnend leer. Der Flug geht um sechs, kurz nach vier stehen wir schon an den Schaltern. Die wiederum sind brechend voll. So viele Leute so früh morgens. Trotz Anschlag. Offensichtlich haben sich tatsächlich die meisten doch entschlossen, ihren Urlaub wie geplant anzutreten. Nachdem die Koffer eingecheckt sind, gehen wir in den „Biergarten“. Etliche Gäste trinken tatsächlich Bier. Morgens um halbfünf. Igitt. Da scheint mir der Milchkaffee doch weitaus bekömmlicher.

Der Flug

Einchecken. Alles verläuft planmäßig. Das Flugzeug startet wie vorgesehen um 6.05. Fast vollbesetzt. Es gibt tatsächlich noch Raucherplätze vor’m Klo. Das Programm wird wie üblich abgespult. Rettungshinweise. Frühstück. Die Sonne geht auf, doch schade, dass wir keinen Fensterplatz ergattert haben, aber die gebuchten Gangplätze bieten doch viel mehr Beinfreiheit und das ist bei einer Flugzeit von über vier Stunden durchaus angenehm.

Über Deutschland, den Alpen und die Küste des ehemaligen Jugoslawiens verdecken dichte Wolken die Sicht nach unten. Erst über den griechischen Inseln hellt sich das Wetter auf, und als wir eine Stunde vor der geplanten Landung die afrikanische Küste erreichen, sind nur noch einzelne Wolken zu sehen, deren Schatten auf dem hellen Wüstenboden deutlich sichtbar ist. Nach einiger Zeit können wir von oben den Nil und das Niltal erkennen: faszinierend, wie inmitten endloser Wüsten sich ein schmales, grünes Band um den Fluss schmiegt – wirklich die Lebensader Ägyptens, dessen fast 70 Millionen Einwohner auf nur 4 % der Landesfläche zusammenleben müssen – der Rest ist unbewohnbare Wüste.

Ankunft in Luxor

Luxor. Raus aus dem Flugzeug, ganz schön heiß hier um zehn Uhr morgens. Rein in den Bus. Der schaukelt uns die paar Meter zur Halle. Natürlich kein Vergleich mit dem modernen Stuttgarter Flughafen: ein einfaches Gebäude, dessen Dach an Beduinenzelte erinnert. Warteschlangen bei der Passkontrolle. Die Bank – ein kleiner Glasverschlag – ist geöffnet. Hundert Euro tauschen wir, und bekommen dafür ein großes Bündel Geldscheine in die Hand gedrückt, wir verteilen den Segen in beide Geldbeutel. Aber wie viel ist es? Die Quittung lautet auf 263 ägyptische Pfund, aber wir haben über 600 in der Hand. War ein Zahlendreher, wie sich später herausstellt.

Die Koffer sind schon auf dem Band. Wenige Minuten später trotten wir zum Ausgang. Aber – sicher ist sicher, ich such lieber erst mal die Toilette. Mehrere dunkelhäutige Männer sehen meinen suchenden Blick. Einer verschwindet mit mir hinter einer Tür, drückt mir ein paar Blatt Toilettenpapier in die Hand. Mein erstes Trinkgeld wird fällig. Zum Glück hab ich auch ein paar Einpfundnoten im Geldbeutel.

Draußen stehen TUI-Leute bereit an einem Schalter. Ein Tisch, eine kleine baufällige Theke, ein paar Stühle, eine Zeltplane obendrüber. Der Zweck ist erfüllt. Die Namen werden notiert, man drückt jedem eine Flasche Wasser in die Hand, wie angenehm bei der Wärme. Der Reiseleiter fragt uns nach unserem Schiff. „Bus 1“ zeigt er auf einen der Busse, „das Gepäck wird eingeladen, das Trinkgeld ist bereits bezahlt. Alles inklusive.“ Der Gepäckträger hält trotzdem die Hand auf, wir übersehen die Geste und klettern in den angenehm klimatisierten Bus. Noch ein paar Minuten, bis alle eingesammelt sind. Die Fahrt nach Luxor dauert vielleicht 20 Minuten. Der Reiseleiter gibt die ersten Instruktionen. Uhrenvergleich. Im Flugzeug hat man uns gebeten, die Uhren eine Stunde vorzustellen. Stimmt aber nicht mehr, seit wenigen Tagen ist Winterzeit in Ägypten und unsere Uhren gehen im Moment gleich. Also stellen wir die Uhren wieder zurück, während wir an halbverfallenen Siedlungen vorbeifahren. Wäsche weht an gespannten Leinen, es ist kaum jemand zu sehen zwischen den Trümmerhaufen. Die Touristen werden auf ihre Schiffe verteilt. „Abwarten, bis die Koffer ausgeladen sind, wird alles auf ihre Zimmer gebracht. Ihr Schiff ist das dritte. Die liegen alle nebeneinander. Gehen Sie einfach durch die beiden ersten durch.“

[ vor ]  [ Galerie ]   [ zurück ]   [ Übersicht ]