19. Oktober: Relaxtag und Esna

Assuan - Esna - Luxor

Esna-Tempel

Um 13.45, nach dem Mittagessen, steht der Esna-Tempel auf dem Programm. Eigentlich sind wir langsam tempelsatt. Aber da das heute der einzige Landausflug ist, bevor wir weiterfahren, gehen wir mit. Das übliche Händleraufgebot in der Gasse davor. Ich hätte ja zu gerne solch ein Hüfttuch, könnte ich beim anschließenden Badeurlaub auch gut gebrauchen. Aber es ist mir einfach zu mühsam, die Händler wieder abzuwehren. Wenn sie einem mal in Ruhe gucken ließen, mal so ein Tuch in die Hand nehmen ließen, ohne gleich wie die Schmeißfliegen an einem zu hängen, ja dann, da sind wir uns in der Reisegruppe einig, dann würden wir viel mehr kaufen.

Der Tempel liegt 9 m tiefer als die Siedlung, er ist ausgegraben. Steile Stufen führen hinab. Wie üblich finden wir Kapitelle in Form von Blüten und Blumen, Inschriften an den Wänden, Reliefs, die zeigen, wie die Feinde abgeschlachtet wurden. Die richtige Andacht fehlt uns inzwischen, es ist auch gut warm, und so strebt die Reisegruppe ganz schnell wieder zurück aufs Schiff. Süß die Gegensätze, eine halbverfallene Bude, daran ein riesengroßes Schild „Internetcafe“, davor steht ein Esel, der mit hängendem Kopf einen Karren hinter sich her zieht.

 

Decoration-Show

Nach dem Kaffee gibt’s an Bord eine „Decoration-Show“. Die Stühle für die Vorführung stehen schon bereit. Diesmal sichere ich mir sofort den besten Platz, kriege ich doch sonst nie einen Liegestuhl ab. Denn natürlich herrscht auch hier an Bord die ewige Unsitte, sich gleich morgens einen Liegestuhl per Handtuch zu reservieren und ihn den ganzen Tag zu blockieren, völlig ungerührt der Tatsache, dass die Liegestühle bei weitem nicht für alle Gäste ausreichen. Da ich kein Sonnenanbeter bin und sowieso nicht verstehe, wie man sich stundenlang von allen Seiten braten lassen kann, ärgert mich das Verhalten zwar, aber ich kann`s verschmerzen. Aber jetzt will ich mal in der ersten Reihe sitzen und verteidige meinen handtuchbelegten Platz mit Argusaugen und fröhlichem Geplänkel, während in der Zwischenzeit da ein paar Franken und Thüringer zusammen Karten spielen wollen und die Stuhlanordnung verändern. Köstlich zuzuhören, wie sich die Völker über die unterschiedlichen Spielregeln einigen wollen. „Klopfen muss man“, sagt Erika immer wieder. „Klopfen, bei uns macht man das so.“ Aber die Franken überstimmen sie. Achselzuckend fügt sich Erika. Dann wird halt nicht geklopft.

Dann ist es soweit, ein Kellner zeigt uns, wie die täglich wechselnden Obst- und Gemüsekunstwerke hergestellt werden, die das Büfett verzieren. „Wer will?“ fragt er anschließend in die Runde. Natürlich traut sich wieder niemand. Also fange ich an, unter Anleitung entsteht eine klägliche misslungene Blüte. Na ja, damit kann ich keinen Staat machen. Das Messer gebe ich weiter an Erika, die kriegt das schon ganz schön hin. So nach und nach trauen sich noch mehr aus der Reserve, leider haben wir nur ein Messer.

Während wir Frauen uns um die Gemüsedekoration kümmern, interessieren sich die Männer für andere dekorative Dinge. Diethard kommt mit einem 14-jährigen ins Gespräch. Geht um Internet usw. Diethard erzählt von den Fotos, die er gemacht hat, der 14-jährige fragt mit leuchtenden Augen, ob er denn auch ein Foto von der blonden wildmähnigen offenherzigen Französin habe – am liebsten in der goldbusigen Aufmachung von gestern Abend. Ein solches würde er sich doch glatt als Bildschirmschoner zu Hause auf den PC holen...

So geht der Tag vorbei. Schön, sich mal zwischendurch hängen zu lassen. Abends gibt’s noch eine Gästeshow, vier Männer wurden tagsüber gefragt, ob sie mitmachen wollen. Ist doch wirklich schön, wie man mit einfachen Mitteln die Leute unterhalten kann. Als erstes müssen diese vier Männer eine Partnerin holen, natürlich entscheiden sie sich für die eigene.

Gott sei Dank, wir saßen nämlich in der ersten Reihe, nachdem wir uns zuerst versteckt hatten hinter ein paar breiten Männerrücken, die aber heimtückischerweise kurz vor Beginn der Show die Plätze wechselten. Aber uns passiert nichts, und die die Zuschauer haben viel Spaß bei den gestellten Aufgaben, die die vier mit Bravour bewältigen.

Anschließend geht die Action ab, denke ich. Nun ja, Niki legt Walzermusik auf, die älteren Herrschaften aus Wien und Belgien schweben über das Deck. Nicht meine Musik. Es wird gleich besser, zwinkert Niki mir zu, als ich ihn bitte, was Schnelles aufzulegen. Aber wie üblich, die Luft ist raus, niemand hat Lust zu tanzen, außerdem ist morgen wieder frühes Wecken angesagt. „Morgen erlebt Ihr den Höhepunkt der Reise“, hat Amr angekündigt.

 

 

 

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