19. Oktober: Relaxtag und Esna

Assuan - Esna - Luxor

Rückfahrt von Assuan

Ein fauler Relax-Bordtag erwartet uns heute. Morgens um halbvier wache ich auf. Eigentlich müssten wir bald ablegen, denn heute geht’s wieder zurück nach Luxor. Tatsächlich, das Motorengeräusch wird bald lauter, die Fahrt beginnt. Diethard ist auch wach. „Wollen wir an Deck gehen?“ So stehen wir mitten in der Nacht auf dem menschenleeren Deck, um Viertel nach Vier, oben an Deck. Es ist windig, regelrecht kühl. Das erste Mal, dass wir draußen frieren, seit wir in Ägypten sind. Schnell wieder ab ins Bett – in Sekundenschnelle sind wir wieder im Land der Träume. So gegen acht wachen wir wieder auf, öffnen den Vorhang und lassen die Landschaft an uns vorüberziehen. Irgendwie unwirklich, da im Bett zu liegen und durch die großen Fenster das Panorama zu beobachten. Draußen ein Fischerboot, der eine rudert, der andere schlägt wie wild mit einem langen Stock aufs Wasser. Damit erschreckt man die Fische, erklärt Niki uns später, und scheucht sie ins Netz am Boot. Palmen ziehen vorbei, Bananenstauden, dazwischen wieder Sanddünen, halbverfallene Bauten, Kinder am Uferrand.

Frühstück gibt’s bis neun. Wir erscheinen kurz vorher, die meisten Leute haben heute auch länger geschlafen. Ich strahle schon wieder aus allen Knopflöchern, mir gegenüber sitzt eine Familie, die Frau wie üblich mit muffigem Gesicht, jeden Morgen, Mittag und Abend hab ich sie im Blickfeld, aber ich hab sie noch nicht einmal lächeln sehen. Überhaupt gibt es zwischen manchen Paaren nicht gerade die große Freundlichkeit, so schade, wenn man einen solchen Traumurlaub genießt und sich gegenseitig die Stimmung durch Kleinigkeiten vermiest. Wie reich sind wir – materiell gesehen - gegenüber den Einheimischen. Aber sind wir auch soviel zufriedener? Ich hänge meinen Gedanken nach, während leise Meditationsmusik im Hintergrund ertönt. Empfinde ich übrigens als sehr angenehm, dass keine orientalische Musik gespielt wird – sie ist doch für uns ziemlich fremdartig und nur kurzfristig gern gehört.

Nach dem Frühstück machen wir es uns an Deck gemütlich. Eine leichte Brise weht, ich schnappe mir einen Stuhl, verstreue rings um mich mein Buch, Kladde, Sonnenbrille, Handtuch, was der Mensch halt so braucht, lege die Füße auf die Reling und bin glücklich. So viele Eindrücke – so viele Vergleiche mit dem eigenen Leben und dem eigenen Zuhause. So viel Freundlichkeit auf dem Schiff, ein toller Service – ich werde es daheim vermissen, dass ständig die Teller abgeräumt sind, die Gläser weggetragen werden, ich nur einfach aufstehen muss und bestellen kann, was ich will. Dieses „All inclusive“ ist einfach eine schöne Sache.

Eine große Brücke spannt sich über den Nil. Im Sommer, beim Wasserhochstand, hören wir, passt das Schiff nicht unter der Brücke durch. Da muss das Schattendach heruntergeklappt werden und die Touristen müssen sitzen bleiben. Die Felukken auf dem Nil haben das Problem nicht, friedlich schaukeln sie vor sich hin, am Ufer weiden Büffel zwischen halbverfallenen Häusern. Daneben – welch Gegensatz – riesengroße Hochspannungsmaste. Der Muezzin ruft mal wieder zum Gebet. Für unsere Ohren hört sich das eher nach Geschrei an.

 

 

 

Bewegung tut gut

Niki platzt in meine Idylle. „Machst du mit?“ Na klar, mache ich mit. Bei „Bauch-Beine-Po“ an Deck. Etliche Gestalten mit den gelb-weiß-gestreiften Bordhandtüchern folgen seinem Ruf. Musik an. Wir machen nach, was Niki vormacht, drumherum sitzen die Unsportlichen, die unsere Bemühungen mit einem amüsierten Grinsen beobachten. Neben uns die Massageliege. Mittendrin im Geschehen. Doch das scheint nicht zu stören, der Masseur hat viel zu tun.

Aerobic im Freien, auf dem Schiff, während draußen die Kulisse wechselt, macht Spaß. Ich könnte glatt noch länger. Aber jetzt kommt erst mal Dart-Spielen dran. Na, ob ich überhaupt die Scheibe treffe? Wahrscheinlich bin ich die mit den wenigsten Punkten. Aber siehe da, immerhin reicht’s für 7 Punkte, und so manch anderer Gast kriegt noch weniger auf die Reihe. Nachher, nehme ich mir vor, nachher werde ich mal heimlich üben. Ist doch gar nicht so schwer. Zumindest wenn keiner zuguckt...

Bewegung tut gut. Bewegung macht Spaß. Niki tanzt hinter seinem Mischpult herum, ich auf meinem Barhocker, bis der bestellte Cocktail gemixt ist. Was nun? Vielleicht noch eine halbe Stunde schreiben und die Eindrücke festhalten, bevor sie verflogen sind? Ich hänge sehr hinterher mit dem Reisebericht. Man kommt ja gar nicht nach, so vollgepackt wie die Tage sind.

 

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