16. Oktober: Die Tempel von Edfu und Kom Ombo sowie eine Schiffsbesichtigung Edfu - Kom Ombo -Assuan |
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Kom OmboDie Rezeption ist voll. Zwei Gruppen marschieren los. Eine Affenhitze umfängt uns. 48° seien es, sagt jemand. Tapfer hangeln wir uns von Schatten zu Schatten. Amr strahlt übers ganze Gesicht, als wir ihn mal wieder bedauern, weil er nichts trinken darf. „Ab viertel nach fünf bin ich nicht mehr zu sprechen“. Er scheint gut drauf zu sein, schnellen Schrittes hastet er uns voran, wir haben Mühe, Schritt zu halten. Viel nehme ich nicht mehr auf von diesem Tempel. Hängen bleibt mir nur die Malerei in einer Seitenkammer, die Amr erklärt. Auf dem Gabentisch ist alles schon vorhanden, was man auch heute noch kennt. Handwerkszeug, chirurgisches Besteck, wie man es heute noch verwendet. Ein Hebammenstuhl – schon damals wusste man, was heute als moderne Errungenschaft gefeiert wird – dass die Geburt im Sitzen besser geht als im Liegen. Es ist nicht weit zurück zum Schiff. Ich verschwinde gleich nach der Führung, während Diethard noch am Tempel bleibt, um im warmen Abendlicht ein paar Bilder zu machen. Heute will ich endlich auch mal einen Liegestuhl kapern und mir die beste Position an Deck aussuchen. Amr hat nämlich gesagt, dass jetzt eine wunderschöne Wegstrecke kommt, die man unbedingt bewusst anschauen soll. Die Rechnung geht auf. Das Deck ist gähnend leer. Tatsächlich, inmitten der gelb-weiß-bewehrten Liegestühle ist noch ein nackter. Den schnappe ich mir und packe ihn an meinen Lieblingsplatz. „Durst“, strahle ich den Kellner an. Der nickt: „Coco kiss“? Exakt. Die Kellner kennen ihre Pappenheimer. So, jetzt eine Dusche, noch eine Stunde Tagebuch schreiben, und dann ab an Deck. Heute geht’s noch nach Assuan, dann ist die halbe Strecke erreicht. Um 17 Uhr legen wir ab – leider geht kurz darauf die Sonne unter, und bei der kurzen Dämmerung in diesen Breiten bekommen wir vom Ufer nicht mehr allzu viel mit. Die schmale Mondsichel schwebt über der fast vollkommenen Dunkelheit, und der angenehme Fahrtwind lässt die Temperaturen von Minute zu Minute angenehmer werden. Wir sitzen an der Reling, trinken einen erfrischenden „Florida“ und fühlen uns wie im Paradies. Am AbendDas Abendessen in gewohnter Runde – lecker, für jeden was dabei. Die Kellner verspielt wie immer, sie halten einem das Glas vor die Nase, ziehen es wieder zurück. Diesmal spiele ich das Spielchen mit einem, er ist verdutzt, wir grinsen uns eins. Um 21.30 Uhr ist orientalischer Abend angesagt im „Kühlschrank“, wie wir die große Bar nennen, in der man ständig friert. Eine halbe Stunde haben wir noch Zeit für einen Cocktail oben auf Deck. Wie immer sind wir erstaunt, wenn wir die Tür öffnen. Ein warmer Schwall Luft schlägt uns entgegen, obwohl es schon längst dunkel ist. Ein wunderschönes Panorama erwartet uns - vor uns liegt Assuan, hell beleuchtet blitzt es uns entgegen. Wir sitzen vorne an der Reling und schauen andächtig zu, wie das Bild aus 1001 Nacht immer näher kommt. Wirklich schön, die ganze Lampenpracht vor uns. Vom Ufer ertönt der Ruf des Muezzin – für unsere Ohren hört es sich ziemlich plärrend an. Plötzlich viel Lärm hinter uns. Dunkel gekleidete Gestalten stehen im flachen Teil vom Schwimmbecken. Was machen die da? Sie haben das Wasser abgelassen und zerren stapelweise die Sonnenliegen heran, leichte Aluminiumgestelle mit blauem Kunststoff bespannt. Die oberste wird mit Putzmittel bespritzt, dann ab damit in den tiefen Schwimmbadteil, das tropfende Teil wird wieder abgestellt. Dann die nächste. Sehr routiniert geht das. Am Beckenrand steht ein ganz in Weiß gekleideter Aufseher und bellt Befehle, während die Dunklen schuften. Hab ich noch nie gesehen, dass Liegen gewaschen werden. Das Schwimmbadwasser wird ja hoffentlich danach ausgewechselt? Währenddessen ziehen sich oben an Deck ein paar bunte Gestalten um. „Das ist der Backstage-Bereich“, grinst Diethard. Tatsächlich, es sind die orientalischen Tänzer, die uns heute Abend erfreuen sollen. Schon kommt auch Niki, unser Animateur. Niki scheint ein beliebter Männername zu sein, der Manager, der uns das Schiff zeigte – wir treffen ihn übrigens später auch im Club Magic Life einige Male – heißt ja auch so. „Wollt Ihr nicht runterkommen?“ Doch, wir wollen. Unten ist schon alles besetzt, ganz hinten finden wir noch ein Plätzchen. Noch ist es kalt, aber das ändert sich bald. Die Tänzer kommen auf die Bühne, temperamentvolle Musik erklingt, ein Folkloretanz wird vorgeführt. Natürlich muss auch das Publikum dran glauben, und so werden einige Touristen mit auf die Bühne gezerrt. Als erste eine füllige junge Französin mit langer wild verstrubbelter (unechter?) Löwenmähne und Bauchtanzoutfit. Sie macht ihre Sache wirklich gut. Die anderen versuchen es redlich. Es gibt viel zu lachen für uns, auf eine nette Art, es wird nicht peinlich. Nach der Vorführung darf getanzt werden. Aber ach, das müde Publikum ist schwer zu begeistern. Nur wenige tanzen, kaum jemand lässt sich animieren, wie schade, dass niemand vom Freizeittreff hier ist. Wir würden Stimmung machen... So gehen wir brav um 11 Uhr ins Bett, schließlich wird der Wecker morgen um 5.45 klingeln, um 7 Uhr ist Abfahrt. Kaum liegen wir im Bett, schlafen wir auch schon. Trotz Motorengeräusch und klappernder Nachbartüren.
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